Wenn dein Kleinkind haut, beißt, tritt: Was du tun kannst, anstatt deine Grenzen aufzuzeigen (Achtung: Das kann dich herausfordern!)

Erstveröffentlicht am 5.6.2018

Wenn dein Kleinkind haut, dann musst du doch irgendwie deine Grenzen klarmachen, oder? Ich sage: Nein, musst du nicht. Lass mich erklären. Eine Einladung zum Gedankenexperiment.

So viele Kleinkinder drücken ihre Aggressionen körperlich aus. Sie beißen, hauen, kratzen, treten. Wir wissen heute, dass sie das tun, da das Hirn noch über keine andere Impulskontrolle verfügt. Da sind Wut, Trauer, Frust… und das muss raus.

Den Weg wählt das Kind nicht bewusst – er „passiert“.

Nun sind wir uns hoffentlich einig, wenn ich sage, dass weder Zurückhauen, noch dem Kind die Schuld an den Gefühlen des Erwachsenen geben („Das macht Mama traurig!“) gangbare Lösungen sind. Wenn ich nun weiter sage, dass wir Eltern auch hier liebevoll begleiten müssen (denn nochmal: Das Kind kann nicht anders!) tauchen schon die ersten Fragen auf.

Du sagst: Das ist so schwer! Ich sage: Ja, voll!

Es ist so unglaublich schwer, weil Aggression in unserer Gesellschaft verpönt ist. Dieser Tatsache Schulden wir auch, dass die meisten von uns so unfähig sind, selbst mit ihr umzugehen. Wir haben es nicht gelernt. Dank der gängigen Erziehung blieb uns das verwehrt. Aggression gilt als etwas „Böses“. Als etwas, das man nicht haben will… was für eine ungesunde Einstellung!

Zurück zum hauenden Kind: Eltern sagen dann, wenn ich vom „Begleiten“ und „Worte geben“ spreche: „Aber ich muss meinem Kind schon zeigen, dass ich das nicht will! Ich halte es und sage ganz ernst und deutlich Nein!“ Das hat nur nichts mit liebevollem Begleiten zu tun.

Das deutliche „Nein!“ oder auch ein „Hör auf!“ der Erwachsenen ist egoistisch angesichts der Tatsache, dass das Kind sich in einer Notsituation befindet. Denn mit derlei Reaktionen geht’s plötzlich um den Elternteil, darum, wie er sich fühlt und was er will. Es geht nicht mehr darum, das Kind zu unterstützen, Worte für seine Gefühle zu finden, da zu sein und es auch in diesem Wutanfall zu begleiten. Und es ändert nichts an der Not des Kindes.

Darüber, wie wir die Gefühle unserer Kinder unbewusst verleugnen und der einfache Weg, damit aufzuhören, habe ich schon einmal geschrieben.

Kindliches Schlagen, Kratzen, Beißen hat mit der Gewalt, die du verurteilst, gar nichts zu tun.

Liest du diese Zeilen, denkst du dir vielleicht: „Aber ich muss meinem Kind doch klarmachen, dass ich das nicht will!“ Dann erscheint es dir womöglich sinnvoll, nicht direkt in, sondern nach so einer Szene mit dem Kind zu reden. Ich glaube mittlerweile jedoch, dass auch das nicht unbedingt sinnvoll ist. Denn was passiert, ist folgendes: Das Kind tickt bei der nächsten Gelegenheit wieder aus, haut und kratzt wieder… wie das nunmal so ist, in der „Trotzphase“. Und noch bevor es wieder ganz bewusst ist, fühlt es sich schon richtig schlecht. Denn es weiß ja nun: Es hat etwas getan, das du nicht willst, und es weiß auch, dass es nicht anders konnte. Es hat dir wehgetan und dich vielleicht traurig gemacht. Merkst du, dass es wieder um dich geht? Und nicht um die Not des Kindes?

„Oh nein, ich habe alles kaputt gemacht! Und dabei wollte ich das gar nicht! Ich will nicht, dass du böse auf mich bist! Aber ich weiß doch auch nicht,….“ Schluchzender O-Ton einer nicht mal Vierjährigen. Schlecht, klein und falsch fühlen ist da vorprogrammiert.

Was aber dann?

Ich glaube in der Tat, dass es völlig ausreicht, zu begleiten. Dass wir nicht unsere eigenen „Grenzen“ hier abstecken müssen. Auch nicht nach einer solchen Szene. Auch nicht, wenn Kinder hauen, kratzen, beissen,… Ich glaube dass es völlig ausreicht, auch hier vorzuleben.

Vorzuleben, wie wir selbst Konflikte lösen, wie wir unsere Wut bändigen, mit unseren Aggressionen umgehen. Sollten wir bei diesen Gedanken feststellen, dass wir selbst manchmal Kastentüren zuschlagen, die Tasche in die Ecke knallen, aufstampfen wie Rumpelstilzchen, laut in den Polster schreien,… gerade dann sollten wir umso mehr Verständnis für unsere Kinder aufbringen.

Unser Hirn wäre ja theoretisch schon imstande dazu, anders zu tun. Ist es aber offenbar nicht immer. Wieso gehen wir dann mit Kindern so streng ins Gericht? Wieso erwarten wir hier – wie so oft – Funktionieren, wo wir selbst es doch nicht tun?

Es geht nicht darum, unangenehme Gefühle zu unterdrücken, sondern einen konstruktiven Umgang damit zu erlernen. Und hier brauchen uns unsere Kinder, um ihnen zu zeigen, wie das geht.

Komm wieder ins Vertrauen!

Ich möchte dich hier ganz bewusst ins Vertrauen holen. Erinnern an den Glauben daran, dass dein Kind nichts gegen dich tut, sondern immer nur für sich. Daran, dass dieser Schritt notwendig ist für seine Entwicklung und diese schwierigen Situationen entsprechend temporär sind. Dein Kind wird andere Wege finden. Und ich will aufzeigen, dass bei jedem Erklären des eigenen Standpunktes, bei jedem Halten und „Nein!“ sagen… die Angst die Zügel hält.

Ich glaube ich weiß, was du nun denkst. Und ich bitte dich, für einen kurzen Moment zumindest: Hinterfrage dein „Was? Na also ich lass mich doch sicher nicht hauen! Ich bin doch nicht blöd! Niemand darf mich hauen!“

Dein Kind tut alles für sich, nicht gegen dich.

Denn ich glaube, diese Meinung gründet nicht im Leben mit Kind. Du hast sie dir lange vorher angeeignet. Und bisher hat sie auch gepasst. Jetzt tut sie das nicht mehr.

Na klar entfährt uns mal ein „Au!“ Kann ja auch weh tun. Unser erstaunter Blick, abwehren, etwas auf Abstand gehen… ich denke, dass das natürliche Reaktionen sind und dass es nicht sinnvoll wäre, die irgendwie zu unterdrücken.

3 Arten zu reagieren nach Jesper Juul

Jesper Juul beschreibt in seinem Buch „Aggression“ drei Wege, wie Eltern aufs hauende Kind reagieren können. Im ersten Fall sagt der Elternteil „Das macht mich traurig“, womit wir die Verantwortung für unser Wohlbefinden auf unser Kleinkind übertragen. Eine Last, die kein Kind tragen müssen sollte. Oftmals befindet sich hinter derlei Aussagen nicht einmal ein echtes Gefühl, sondern sie haben das Ziel der unmittelbaren Verhaltensänderung. Macht dich das Hauen wirklich, ehrlich traurig, so gilt es für dich als Elternteil, dir dein eigenes Großwerden anzusehen und zu erforschen, warum dieser unkontrollierte Ausdruck deines Kindes diese so starken Gefühle in dir auslöst.

Der zweite Weg, den Juul beschreibt, ist jener, dem ich mich in dem Artikel gewidmet habe. Der Elternteil sagt „Ich will das nicht“, und zeigt seine persönlichen Grenzen auf. Hier gibt Juul eben zu bedenken, dass es sich einzig um das Befinden des Erwachsenen dreht – nicht um das des Kindes. Reagieren wir so, lernen Kinder etwas über uns, nicht aber über sich und ihre Emotionen.

Natürlich können wir Eltern also so reagieren, aber wenn wir sehen, dass wir bei Juuls dritter Variante unser Kind in seinen starken Gefühlen an die Hand nehmen und als Leuchtturm den Weg leuchten, wollen wir vielleicht darauf verzichten oder zumindest – nachdem wir unsere Grenzen abgesteckt haben – entsprechend agieren: Bei der dritten Variante benennt der Elternteil die kindlichen Gefühle: „Ich sehe, du bist wütend/enttäuscht/traurig.“ Ich kann dann versuchen, dem, was gerade passiert ist, Worte zu geben. Wir helfen unseren Kindern so dabei, zu verstehen, was da gerade in ihnen ist und geben ihnen eben, wie gesagt, Worte, die sie selbst gebrauchen können, um genau das immer besser auszudrücken.

Kindliches Hauen ist nicht Gewalt

Ich glaube, wenn wir die Beziehung zu unseren Kindern mit Liebe und bewusst gestalten, müssen wir nicht einmal hier, in so herausfordernden Situationen, Grenzen aufzeigen. Wir müssen nicht uns selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern können sogar jetzt das Kind sehen, das uns gerade braucht.

Dass Gewalt nicht toll ist, kriegt das Kind mit, wenn wir es vorleben. Ich halte es aber für essentiell zu erkennen, dass ein schlagendes, kratzendes Kind in einem völlig natürlichen und entwicklungsbedingten Wutanfall nicht gewalttätig ist. Nicht in dem Sinn, den wir sonst verstehen, wenn wir von Gewalt reden.

Dein Kind wird andere Wege der Impulskontrolle erlernen. Wir dürfen auch hier begleiten.

Lass los. Öffne dein Herz, stell das Gelernte hinten an.


Meine Gedanken. Was denkst du?

Wenn dein Kind andere Kinder haut, beißt, zwickt… findest du in meinem dreiteiligen Video über Konflikt, Wut und Aggression qualifizierte Lösungen vom Profi.

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Was tun, wenn das Kleinkind haut, beisst, tritt? Ein beziehungsorientierter Ansatz #beziehungstatterziehung #unerzogen #freivonerziehung (Mini and Me, Beziehung statt Erziehung, Unerzogen leben, Kinder begleiten, Auf Augenhöhe, Beziehungsorientiert)

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Foto via stocksnap.io

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Jeannine ist 30, Autorin, dipl. Kommunikationstrainerin und Bloggerin aus Wien. Sie ist Veranstalterin einer Workshopreihe für bewusste Elternschaft, Beziehungsautodidaktin und leidenschaftliche Verbreiterin der Idee des „Conscious Parenting“ im deutschsprachigen Raum. Neben all diesen Labels ist sie mit ganzem Herzen Mutter einer kleinen Tochter, Verlobte, Wegbegleiterin und immerfort Lernende.

www.mini-and-me.com

40 thoughts on “Wenn dein Kleinkind haut, beißt, tritt: Was du tun kannst, anstatt deine Grenzen aufzuzeigen (Achtung: Das kann dich herausfordern!)

  • Reply Janine 6. Juni 2018 at 14:55

    Hallo :),
    Ich glaube das es hier ganz auf das Kind und die Situation ankommt. Woran liegt es, dass mein Kind schlägt? Ist es reiner Trotz und das Kind weiß wirklich nicht wohin mit seinem Gefühlen, dann empfinde ich ihren Artikel als richtig. Hier kann ich mein Kind begleiten und weiß es wird andere Wege finden. In Situationen wo mein Kind bewusst seine Grenzen austestet und mich beim hauen auch noch angrinst und lacht, muss es mir erlaubt sein zu sagen auch einmal zu sagen das ich nicht geschlagen werden möchte.
    Liebe Grüße

    • Reply Julia 19. Januar 2019 at 8:27

      Ich glaube tatsächlich, dass es immer Gründe gibt. Zu wenig Aufmerksamkeit, Stress, überfordert,wütend sein…. kein Kind macht das mit bewusster Absicht, bzw. weil es „böse“ ist. Es steckt immer dahinter. Aus welchem Grund sollte uns unser eigenes Kind aus bösem Willen hauen? Das macht für mich keinen Sinn. Hinterfrage einfach, und schau dir den Tag / die Situation an und die allgemeine Stimmung.

  • Reply Eva 6. Juni 2018 at 17:32

    guter Gedanke.
    Wir sind auch immer wieder bei diesem Thema.
    Ich bei mir. Und mit den Kindern.
    Wie ist aggression ok. Wo, Wann, Warum?
    Ich versuche momentan die Kinder zu begleiten und aber auch irgedwohin zu nehmen, wo nicht wichtigs kaputt geht.
    Rasen ausreissen und rumschmeissen finde ich ok. Aber die Bücher zu zerreissen nicht.
    In der Küche auf dem Stuhl zu toben ist mir lieber, wie mit dem Geschirr.
    Ich gehe zu den KIndern und mit ihnen dann wohin es gerade passt.
    Geht im Moment gut.
    Doch die Aussage, im Nachhinein: Au nein, ich war so blöd. Höre ich leider auch immer wieder.
    Das tut mir mehr weh wie die zugeschlagenen Türen.
    Doch wie ich das ändern kann, weiss ich noch nicht. Ich möchte dass meine Kinder lernen, dass jeder Fehler macht und das ok ist. Egal was.
    Lg Eva

  • Reply Miriam 6. Juni 2018 at 17:46

    Hallöchen!
    Wir haben hier gerade das totale Aggressions-Thema. Ich weiß ja nicht, wie eure Kinder so hauen, aber mein Mini-Mann hat Kraft und Ausdauer. Und ich bin hochschwanger. Ja, es geht hier also auch um den Schutz des Babys, da auch hin und wieder einen Tritt in den Bauch bekomme. Ich habe aufgrund meines Umstandes auch weniger Geduld und mein Körper ist einfach geschwächter, so dass ich empfindlicher bin… Mir tut es schlichtweg weh-und natürlich auch emotional, da kann ich mir die fehlende Impulskontrolle noch so vorsprechen…
    Ja, manche Reaktionen sind egoistisch – denn wir als Eltern mit unseren Schwächen und Bedürfnissen sind eben auch noch da. Ich denke, man kann sehr wohl liebevoll sein und trotzdem klare Grenzen zeigen, wenn es den andren schlichtweg verletzt. Ich finde Dialog, Austausch und Authentizität in seinen Emotionen, auch wenn sie mal nicht so zurecht gekämmt und ultrasuperdurchdacht sind nich viel wichtiger. Denn so ist das Leben – wir machen Fehler, wir reagieren über/falsch, wir verletzen sogar, wir entschuldigen uns, wir lernen und wir lieben uns – immer, mit allen Gefühlen-auch die von Mama und Papa. Die sind nämlich ganz eng mit den der Kleinen verwoben.

  • Reply Anja 7. Juni 2018 at 6:38

    Oh ja. Regelmäßig mein Thema. Nicht nur weil ich, wie so oft, uneingeschränkt deiner Meinung bin. Sonder aktuell auch, weil es nicht mehr nur um mich geht.
    Es war für mich selbst nie problematisch einfach aus zu halten, zu begleiten, umzulenken. Und dann kam die Schwangerschaft. Ich verurteile. Noch immer nicht wie mein Sohn handelt, aber ich habe Angst dass ein Tritt in den Bauch mal dem Baby schadet und da finde ich mich oft dann doch in der Situation wieder, dass ich nein sage. Nicht mal nein wegen mir, sondern nein sei vorsichtig da ist doch das Baby drin. Trotzdem genau die Reaktion die keinem von uns letztlich weiter hilft. Aber sie ist so tief drin… ich arbeite dran, denn potenziell wird genau da Problem auch nach der Entbindung noch bleiben .

  • Reply Littlejohnssewingmom 7. Juni 2018 at 16:13

    Ich bin bei dir aber dennoch in der Zereißprobe. Wir haben wegen „Neuverdrahtung“ beim kleinen Mann gerade wieder viel Geschrei bei Kleinigkeiten. Und das Werfen von Graß, Steinen und Kies. Gerade die letzten beiden sind problematisch. Die mit Kies dekorierte Motorhaube des Nachbarn und die über den Zaun geworfenen Steine. Ich sehe darin Frust und Wut. Oft auch die anderer Personen, die der kleine wahrnimmt und wie ein Seismograph sichtbar werden lässt. Aber Ventile finde ich oft nicht in der Situation, sondern erst später. Bin ich selbst gerade müde und erschöpft, kann ich das schlagen von und Treten gegen Türen auch schlecht aushalten. Und noch schlechter dem wütenden Nachbarn erklären oder die väterliche Strafandrohungssalve abwehren.

  • Reply Christine 10. Juni 2018 at 19:05

    Dem Kind klare Grenzen aufzuzeigen finde ich persönlich total in Ordnung. Wie sollen Kinder denn lernen, ihr Verhalten einzuordnen? Kinder brauchen diese klaren Grenzen von Erwachsenen um Sicherheit und Orientierung zu finden.

    Mit freundlichen Grüßen, Chris

  • Reply Simone 11. Juni 2018 at 15:40

    Kann ich nicht unterstützen, diesen Gedanken. Wenn es mir wehtut oder schlicht und einfach stört, dass ich von meinem Kind gehauen werde, dann ist es absolut WICHTIG, dass auch zu kommunizieren. Und damit meine ich keine Manipulation a la „Du machst mich traurig.“, sondern ein völlig authentisches „Das tut mir weh.“ Genauso wichtig ist es, dem Kind zu zeigen, dass man seine Wut sieht und auch, dass es eigentlich nicht hauen möchte, aber nicht anders kann. Das geht aber nicht, indem ich mein Kind anlächle, wenn ich grade (vor Schmerz) heulen möchte. Empathie entwickelt sich eben auch so.

    • Reply Jeannine 7. Juli 2018 at 16:08

      Würdest du dein Kind anlächeln, obwohl dir nicht zum Lachen zumute ist, wäre das auch nicht echt. Entsprechend nein, das kann und darf glaube ich nicht die Lösung sein. Das habe ich aber auch nicht vorgeschlagen.

    • Reply Ilse Schmeller 6. September 2018 at 18:38

      ….ganz im Allgemeinen: JEDES Kind ist anders, benimmt sich anders , hat andere Benehmensweisen,evtl. Hau-Schlag-Zorn-Gründe und jedes Kind muss genau nach seinen Möglichkeiten aber auch nach denen seiner Familie und Freunde behandelt werden.Und: Bestimmte Verhaltensregeln dürfen auch Kinder lernen….:-)Allerdings ohne Gewalt..

      Eines ist meist zu empfehlen: Neigt ein Kind sehr zu körperlichen Zorn-Reaktionen wir Hauen und Schlagen, dann sollten Polsterschlachten, Tobespiele etc. als Lösung versucht werden. Ablenken, abreagieren lassen:wichtig!
      Aber wie gesagt:Es gibt kein “ GENAU SO UND NICHT ANDERS „FÜR ALLE!

  • Reply Jennifer 12. Juni 2018 at 19:06

    Wenn mein Sohn wütend oder traurig oder überfordert ist ect. und mit hauen reagiert dann versuche ich mich hineinzuversetzen und haue
    auf den Boden oder Sofa usw. so kann er meiner Meinung und Hoffnung nach lernen seine Emotionen abzureagieren. Problem ist nur wenn er aus Spaß an der Freude lachend „schlägt“ der Schwangere Bauch ist ein beliebtes Ziel und leider auch mein Gesicht das begründe ich immer noch mit nicht steuerbarer Energie mit seinen 16 Monaten… aber es ist echt super schwer da nicht genervt zu reagieren weil es auch echt schmerzhaft ist….

    • Reply Jeannine 7. Juli 2018 at 16:07

      Ich glaube, du darfst auch mal genervt reagieren. Da immer ruhig zu bleiben, das ist doch nicht möglich, oder? Das wäre denke ich auch nicht „echt“.

  • Reply Jessica S. 12. Juni 2018 at 19:39

    Ich frage mich, ob wir unseren Kindern damit wirklich einen Gefallen tun, wenn wir Ihnen gewisse Grenzen nicht rechtzeitig feedbacken. Natürlich ist es wichtig, dass ich meinem Kind signalisiere, dass ich seine Gefühle und sein „nicht anders Können“ in einer bestimmten Situation verstehe, aber gerade wenn es darum geht, dass auch andere beteiligt sind und dadurch eventuellen Schaden erleiden könnten (wie in den Kommentaren ja auch entsittlich, die Schwangeren unter uns) dann halte ich es für richtig und wichtig, diese Grenzen auch ganz klar dem Kind zu artikulieren. Ich hatte vor einigen Wochen ein frühstück bei einer Freundin, deren Tochter aktuell sehr gerne Ärzrin spielt und ihre Mutter meinte zu ihr, sie solle vorsichtig mit meinem Bauch sein, da sich darin ein Baby befände. Woraufhin die Kleine sehr gezielt und bewusst mit einer Spielzeugspritze ausholt und sie mir mit erstaunlicher Kraft in den Bauch rammt. Da hilft es dann nicht, von „Hinflosigkeit“ etc. zu reden. Nein, das verstehe ich unter gezielter Provukarion und Austestung von Grenzen. Wie gehe ich damit um? Ich hatte deutlich über eine Woche ein schönes Hämatom von der „Spielerei“ des Kindes.

  • Reply Sandra 7. Juli 2018 at 16:04

    So ganz komme ich da auch nicht mit. Ich soll mich also weiter mit blauen Flecken und Kratzern übersähen lassen, mich anspucken und treten lassen, weiter mit blutigen Wunden leben und das alles ohne meiner Tochter gegenüber zu reagieren? 4 Jahre noch? Und dann kommen wir zu der vorhin passierten Situation: in einem Wutanfall mit hauen und treten reißt die sich von meiner Hand los, am Bahnhof… beim einfahrenden Zug. ‚Oh meine kleine, warte ich begleite dich beim vorm Zug springen!!!‘
    Das ist doch völlig unrealistisch!!! In meinem Alltag klappt das so nicht! Vorleben hin oder her… Ich bin damit durch. Funktioniert nicht.

    • Reply Jeannine 7. Juli 2018 at 16:06

      Nein, liebe Sandra, sollst du nicht. Wo liest du diese „Empfehlung“?

  • Reply Stella 9. Juli 2018 at 13:38

    Ich find das ein so schwieriges Thema! Einerseits seh ich deinen Standpunkt total! Es stimmt ja, das Kind hat Not und kann sie nicht ausdrücken. Nur… manchmal dreht sich halt tatsächlich nicht die ganze Welt um eine Person. Ich merk das halt bei meinen Dreien. Da beißt der Kleine den Großen, weil der wieder einmal von seinen Wildseimanderln übermannt trietzt und sich an der Not des Kleinen ergötzt. Ich versteh den Kleinen. Trotzdem hat der große dann eine blutende Wunde und Schmerzen und ja, er IST ”krank”. Oder eingeschränkt, ist vielleicht besser.
    Er hat sich die Stoffwechselstörung im Gehirn nicht ausgesucht und wenn die Wildseimanderln nicht da sind, dann ist er ein sehr sanftes, fürsorgliches Kind und ein wunderbarer großer Bruder. Tja, und dann ist da noch das Baby, das das Geschrei um’s Verrecken nicht verträgt. Der Einfachkeit halber red ich jetzt nicht von meinen Bedürfnissen oder denen der anderen Erwachsenen. Die Reihenfolge ist dann trotzdem: wir versorgen den akuten Schmerz, dann kommt’s Baby, das noch keine Chance hat, zu verstehen (dh Baby kriegt Schnuller und kommt auf den Arm), dann wird der Kleine in den Arm genommen und ihm gesagt, dass ich gesehen hab, was ihm passiert ist. Dann wird gesagt, dass Wehtun trotzdem keine Lösung ist und wir uns eine andere überlegen müssen. Und dann kommen die Gespräche mit dem Großen, um rauszukriegen, warum er den Kleinen gern quälen mag.

    Niemand ist da auf seine Kosten gekommen. Kein Bedürfnis wurde wirklich gesehen und befriedigt. Der akut Leidende war eigentlich der Kleine. Nur geht der akute Schmerz (für mich) vor. Und das ist dann das, wo ich mit dir nicht d’accord geh, weil mir wehgetan wird, wenn ich gehaut werd. Und dieses Bedürfnis ist vorrangig. Also für mich.

  • Reply Essbee 9. Juli 2018 at 19:57

    Ich finde den Ansatz sehr sehr gut. Ich habe drei Kinder und meine Jüngste ist vier und tatsächlich total schnell laut, agressiv und anstrengend. Und so wie ich mir dann leid tue, weil es einfach mir in den Ohren oder auch körperlich weh tut, sehe ich durchaus, dass meine Kleine nicht anders kann. Ich kann sie da nur lenken, stärken, ruhig bleiben und ihr zeigen, dass es nichts ändert. Die Situation bleibt die selbe. Nur sie ist furchtbar aufgelöst und alle Blicke ruhen auf ihr. Also sehr schlimm fürn sie. Es klappt bei weitem nicht immer, ruhig zu bleiben. Aber wir sind emotional weiter und stärker. Das sage ich mir dann zumindest immer. Ausserdem habe ich mich selber für drei Kinder entschieden, sie sollen mein Stresslevel nicht ausbaden.

  • Reply Susanne 25. Juli 2018 at 7:59

    Danke für den Artikel. Er spricht mir aus der Seele und ich freue mich auch noch Anregungen bekommen. Denn tatsächlich mache ich meinem Sohn unabsichtlich im Nachhinein ein schlechtes Gewissen. Schön auch die Antworten die du gegeben hast (habe leider nicht alles gelesen). Ein Glück kann ich mich nicht entsinnen das mein ältester mich je gehauen oder getreten hat als ich schwanger war. Aber da war er auch noch keine zwei. Wenn er jetzt seinem kleinen Bruder weh tut weil ihm was nicht passt und er sich irgendwo abreagieren will, reagiere ich auch nicht immer wie ich es mir wünschen würde. Da erkläre ich ihm dann warum ich so überreagiert habe und bin eben authentisch. Aber normalerweise klappt es gut seine Emotionen anzunehmen und natürlich heisst das nicht das man sich verprügeln lassen muss.
    Aber wie wichtig das vorleben ist merkt man spätestens wenn man doch mal vor den Kindern ausrastet. Und ja, das bin ich schon mal. Denn dann sehe ich genau mein Verhalten in meinem Kind. Gut vorleben geht vielleicht nicht so schnell wie schlechtes Beispiel sein. Aber es Funktioniert.

  • Reply Julia 26. Juli 2018 at 10:59

    Wenn meine Tochter ihren Bruder haut, weil er ihr wieder etwas wegnimmt, reagiere ich erst mit Verständnis und einem Vorschlag „oh, jetzt bistbdu wütend! Komm, wir stampfen jetzt mal ganz fest auf!“. Seitdem wurde das hauen weniger, das stampfen mehr.
    Allerdings muss ich sagen, dass sie nicht wie eine irrr zuschlägt. Wenn mein kind mich so fest schlagen würde, dass ich mir Sorgen um mein ungeborenes machen müsste, sie ihrem bruder ernsthaft weh tun würde oder einem anderen kind schaden würde, dann würde ich auch mit einem klaren „nein“ reagieren. Denn da finde ich, müssen grenzen gesetzt sein.

  • Reply Judy 7. August 2018 at 20:49

    Ich bin der Meinung,dass wenn man, um das mal allgemein zu halten, Menschen,und somit auch Kindern erlaubt seinen verständlichen und nachvollziehbaren Ärger in Form von Gewalt zu äußern, man egoistische Menschen hervorbringt. Denn so werden die Grenzen der betroffenen Person überschritten und das ist in keinster Weise ok. Ja, man kann Wut haben und auch mal aggressiv sein. Es geht nicht darum Emotionen zu unterdrücken oder diese zu werten, sondern darum, diese anders auszudrücken. Ich bin der Meinung, dass wir als Eltern die Verantwortung haben unseren Kindern beizubringen, dies auf eine gute Art und Weise zu äußern. Wie soll es als heranwachsendes Kind oder sogar als erwachsener Mensch dann mit Aggression umgehen? Spätestens dann wird keiner mehr Verständnis dafür haben. Aber wenn es mir nicht beigebracht wurde ,dass es nicht richtig ist… Ich persönlich halte es für sehr wichtig Kindern Grenzen zu setzen, spätestens wenn es die Grenzen eines anderen überschreitet. Wir leben nunmal In einer Gesellschaft, in der es viele Grenzen gibt. Ist es dann nicht wichtig unseren Kindern beizubringen diese zu respektieren und nicht nur nach seinen Gefühlen zu handeln? Ich halte es für einen starken Ausdruck von Liebe, wenn man sein Kind so erzieht und begleitet, dass es später gut in der Gesellschaft zurecht kommt. Und dafür muss es lernen nicht nur auf seine Bedürfnisse zu schauen, sondern auch auf die, auf die sich ihr Verhalten auswirkt.

  • Reply Steinmädchen 14. August 2018 at 7:53

    Mit diesen Gedanken schlage ich mich auch rum (sehr passende Formulierung an der Stelle) …
    grundsätzlich denke ich, dass alles was extrem ist, nicht gut sein kann und dementsprechend auch nicht nur das Eine oder das Andere richtig sein kann! Zum einen … wenn ich meine eigenen Gefühle stets unterdrücke, also Enttäuschung, Wut, Verzweiflung, schmerzhaftes Empfinden „weg mache“ damit es nicht um mich, sondern um mein Kind geht, was genau lebe ich dann vor?! Nicht genau dass, was ich durch das verbinden und begleiten gerade nicht will?
    Dann frage ich mich wie sich Empathievermögen entwickeln soll, wenn mein Kind nicht erfährt was in Anderen vorgeht wenn es tut was es tut?! Dann geht es auch darum den eigenen Körper kennenzulernen „Au dein Ellbogen ist ganz spitz, wenn du dich damit auf meinen Bauch stützt tut mir das weh“ und die Dosierung von Berührungen unterscheiden zu lernen, was ist fest, was ist sanft, kann mein Kind Berührungen dosieren? Hat es überhaupt die gleiche Empfindung wie ich? (Taktile Wahrnehmung!!)
    Gleichzeitig möchte ich natürlich nicht, dass mein Kind traurig ist und sich schlecht fühlt weil es aus einem Impuls geleitet etwas getan hat, was letztendlich natürlich garnicht in seiner Absicht lag!
    Zudem kommt es auf das Alter des Kindes, die jeweilige Situation und das Ausmaß an.
    Meiner Meinung nach geht es in jedem Fall darum die eigenen Gefühle wahrnehmen zu lernen, sie benennen zu lernen und einen Weg kennenzulernen mit ihnen umzugehen ohne dass jemand verletzt wird! Und das heißt eben auch die Bedürfnisse anderer wahrnehmen zu lernen denn wir sind soziale Wesen und es wird unser gesamtes Leben und auch das unserer Kinder um soziale Interaktionen gehen, sich abzugrenzen, auf sich acht zu geben und auch auf andere.
    Diesen Lern- und Entwicklungsprozess von Kindern zu begleiten und eine gute Balance zu finden ist wohl eine der größten Herausforderungen, denen wir als Eltern begegnen!

  • Reply Kerstin 29. August 2018 at 6:26

    Gewalt ist keine Option. Alles andere ist für mich eine Ausrede, welche versucht Gewalt zu rechtfertigen. Keiner will, dass sein Kind von anderen Kinder geschlagen wird, auch wenn sein eigenes ebenfalls schlägt. Meines Erachtens sollte nicht jeder Gedankendunst unreflektiert in die Welt getragen werden.

    • Reply Jeannine 26. November 2018 at 22:48

      Also ist eine automatische Hirnreaktion eines Kleinkindes für dich in der Tat „Gewalt“? Ich gehe davon aus, dass du deine Auffassung von Gewalt kritisch geprüft hast und zu diesem Ergebnis gekommen bist. Und nein, es geht nicht um ein Kind, das ein anderes Kind schlägt. Wo liest du das? Es geht um dich. Um die Mama. Alles Liebe!

  • Reply Steffi 14. September 2018 at 7:44

    Sehr schöne Gedanken zum Thema! Finde auch, dass man mit den Gefühlen des Kindes verständnisvoll umgehen und an der Seite des Kindes sein sollte. Was ich mir hierbei an Beachtung noch gewünscht hätte, sind Ideen für Lösungsansätze, vor allem die von der Aggression betroffene (geschlagene) Personen zu schützen. Denn jemanden verletzen ist nicht ok. Sich hauptsächlich als Begleiter zu sehen, finde ich auch sehr treffend und gut beschrieben. Das Hinterfragen des Verhaltens halte ich persönlich für essentiell, um die Herkunft der Gefühle und Taten nicht nur zu achten sondern aktiv einordnen zu können und dann bewusst mit dem Kind handlungsfähig zu werden: „Warum bist du denn so wütend? Was brauchst du? Was denkst du, wie fühlt sich nun das andere Kind?“ …

  • Reply Erika 5. November 2018 at 0:01

    Ich finde Kinder brauchen von Anfang an klare Grenzen . Man kann Kinder nur bis 4Jahren erziehen . Danach kann man die Kinder nur mehr lenken und begleiten .Versäumt man diese Zeit ,dann wird es immer schwerer die Erziehung . Denn später lassen sich die Kids nichts mehr sagen .und reagieren nur mit Agressionen .Deshalb brauchen die Eltern in der heutigen Zeit immer mehr Erziehungshilfen , weil sie nicht mehr zurecht kommen . Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man am wenigstens Probleme mit den Kinder hat wenn man sie von Anfang sie erzieht und immer wieder dem Kind erklärt warum sie das nicht dürfen . Es ist mühsm aber sehr wichtig . Habe selber 3 Kinder und 3 Kinder die ich betreue.

    • Reply Jeannine 26. November 2018 at 22:48

      Was verstehst du unter „erziehen“?

  • Reply Nicole 22. November 2018 at 11:19

    Ich finde deinen Gdankengang schön und richtig. So lange das Kind nur schreit und tobt und auf dem boden liegt, funktioniert das auch bei uns. Bei uns fliegen aber ganz oft wirklich schwere gegenstände sehr zielstrebig und ich weiß mir bisher keinen anderen Weg, als meinen Sohn dann festzuhalten. Ich sage in dem Moment zwar ich habe dich lieb, aber das hier ist zu gefährlich, trotzdem komme ich mir brutal vor. Wie kann man ein Kind denn ganz praktisch liebevoll begleiten, wenn es versucht sich oder mich tatsächlich schwer zu verletzen ? Für Ideen bin ich dankbar

  • Reply Nira 26. November 2018 at 0:22

    Ich kann leider den Ansatz hier auch nicht teilen.
    Ist mein (Inneres) Kind weniger wertvoll als mein anderes Kind oder ist Kind A wertvoller als Kind B und darf deswegen nix sagen, wenn es gehauen wird? Ja, ich verstehe den Fokus auf dem Schlagenden, der selbst eine Not und ein unerfülltes Bedürfnis hat, dies zu tun. Das darf man nicht verkennen und das sollte mittelfristig geklärt werden, aber vom anderen, egal ob ich als Eltern oder anderes Kind, zu verlangen,dass man sich ganz selbstlos hauen lässt finde ich sehr fatal.
    Es nimmt die Authentizität, es nimmt die Chance zu lernen, es kommt nah an “ignorieren” und es vermittelt das ultimative Gegenteil von Courage nämlich „man darf nix sagen und muss so tun als wäre nix, wenn man Gewalt erfährt”. DAS soll mein Kind von mir bestimmt nicht lernen.

    Es soll auch nicht lernen, dass ich ausflippe wegen jeglicher Gewalt, mich in eine Opferrolle hülle und nicht über den Tellerrand des Täters gucke, aber bitte doch nicht so wie hier empfohlen. Das finde ich einen sehr schlechten Rat und herzlich wenig Bedürfnisorientiert in Bezug auf den, der gehauen wird. Der hat hat ein Bedürfnis. Auch wenn es “nur ich” bin. Ich habe auch ein Bedürfnis danach, nicht geschlagen zu werden und wenn ich meine existenziellen Bedürfnisse leugnen muss zum Wohl anderer, was soll dann mein Kind davon lernen?

    • Reply Jeannine 26. November 2018 at 22:52

      Liebe Nira, dieser Text richtet sich an dich, als Mama. Es geht nicht um Hauen, Beißen, Kneifen… unter Kindern. Hier gibt es gravierende Unterschiede, die es in meinen Augen als Verantwortungsträgerin unbedingt zu beachten gilt. Aber zum Glück ist im Text auch mit keinem Wort eine Situation zwischen zwei Kindern gemeint. Ebenso wenig suggeriert der Text, still zu ertragen. Nein, ebenso empfehle ich nicht, jegliches Verhalten des Kindes zu ignorieren. Das würde ich niemals tun. Ignoranz verhindert Beziehung, und genau um Beziehung geht es hier. Ja, du hast Bedürfnisse. Aber gelingt es dir bei deinem Kleinkind, das gerade aufgrund einer entwicklungsbedingten, automatischen Hirnreaktion heraus handelt, weil es noch (!) keine anderen Optionen hat, nicht, dein Bedürfnis kurz zurück zu stellen, stimmt mich das doch nachdenklich. Vor allem wenn es mit dem Hintergedanken geschieht, dass „dien Kind doch lernen muss, dass…“ Unsere Kinder lernen, wenn wir vorleben. Und begleiten. Auch, wenn uns das dazu führt, vieles von dem was wir glauben zu wissen nochmal zu hinterfragen. Alles Liebe!

  • Reply Jule 4. Januar 2019 at 14:33

    Hallo!
    Als Mama eines kleinen „Ex-Beißers“ kann ich sagen, dass ich es natürlich nicht für gut halte, zurück zubeißen, zurück zuhauen oder sonst etwas.
    ABER auch ein Kind mit zwei oder drei Jahren kann verstehen, dass hauen weh tut.
    Selbstverständlich kommt das aufs Kind an – nicht jeder Zweijährige kann das. Unser Großer konnte das.
    Unser Großer biß, bis er mit 1 1/2 Jahren sprechen konnte. Aber wir haben ihm auch schon vorher gesagt, dass beißen doof ist. Und ich denke, er hat das auch verstanden; obwohl er natürlich nicht immer getan hat, was wir wollten 😉.
    Ich finde es auch einen Unterschied, ob Kinder „im Affekt“ hauen oder ob das „gezielt“ ist. Ersteres kann man oft schwer „abstellen“, zweites sollte auch als unerwünschtes Verhalten benannt werden.
    Unser Großer haut auch heute (inzwischen 5 Jahre) noch; aber wir besprechen das und er bekommt die Möglichkeit, seinen Frust am Kopfkissen auszulassen.

  • Reply Schneider 7. Januar 2019 at 13:43

    Ich kenne ein Kind das von Anfang an gehauen, gebissen (nicht nur ein bisschen, nein es bleiben Tage lang blaue Flecken und teilweise auch so tief das die Haut offen ist) hat.
    Heute ist dieses Kind 3,5 Jahre alt.
    Und was ist? Das Kind tut es immer noch!
    Sie tut das in den unterschiedlichen Situationen. Wen andere Kinder nicht das machen was die will. Wen sie Dinge will die andere Kinder haben…
    Und sie tut das mit so einer Wut und Agressivität das ich sicher sagen würde. Dieses Kind tut das bewusst um anderen Kindern weh zu tun weil sie damit bekommt was sie will!
    Ich denke da gibt es einige Kinder die das auch in jungem Jahren schon einschätzen können.
    Mit als Mutter fällt es unheimlich schwer meine Kinder so leider zu sehen wen dieses Mädchen wieder los legt.

    • Reply Stefanie Petter 4. März 2019 at 22:18

      Sie bekommt nicht, was sie will. Das ist also ein Trigger. Vorhersehbar beim Treffen mit diesem Kind. Dahinter steckt ein unaufgelöster Schmerz im Körper dieses Kindes, der so groß ist, dass sie nicht aufhören kann, sich immer wieder zu wehren, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Ein anderes Kind würde zu demselben Schmerz vielleicht auffallend angepasst und ruhig reagieren. Je größer die Aggression des Kindes, desto stärker ist der Hirnstamm aktiv, das bedeutet, das Kind verfällt in den Kampfmodus (immerhin besser als der Totstellreflex). Alle anderen Hirnaktivitäten sind eingeschränkt, einschließlich des Gehörs und des Sehsinns (Tunnelblick). Es hört kein Nein, es sieht nicht die Hand, die Stopp zeigt. Ein eingreifender Körperkontakt ist notwendig. Und danach eine Körperpsychotherapie. Für die Mutter und das Kind. Vielleicht hatte das Kind traumatische Bedingungen (Geburt, Säuglingsphase, Vernachlässigung, weil Mutter phasenweise depressiv, Vater weg, irgendein Schocktrauma im Krankenhaus, was auch immer…). Eine unsicher-ambivalente oder unsicher-vermeidende Bindung ist entstanden. Diese für den Körper und die Psyche bedeutsamen Stress kann dieses Kind mit diesen Charaktereigenschaften nur auf diese Art aushalten. Solche Verhaltensweisen sind ein Hilfeschrei nach Sicherheit, die durch die Mutter-Kind-Bindung eigentlich immer wieder erlebt werden sollte. (Google: z.B. Kreis der Sicherheit oder zum Thema Bindungstheorie Karl Heinz Brisch). Am Ende geht es immer nur um Sicherheit. Zutiefst. Bei uns allen, egal wie alt wir sind. Um Sicherheit im eigenen Körper. Und wenn ich schreibe zutiefst, dann meine ich es wörtlich. Nicht ein Gefühl, von dem wir eine Vorstellung haben, sondern wir fühlen es tatsächlich und wir strahlen es aus. Haben wir selbst wenig Gefühl von Sicherheit und Frieden in uns, spiegeln wir das an unsere Mitmenschen, auch an Kinder. Ich fühle, also bin ich( #romantischer Descartes ;-). Es gibt wunderbare traumtherapeutische Methoden (z.B. Somatic Experiencing, EMDR, PITT, TRE…), die zuerst der Mutter helfen können sich mit jedem Integrationserlebnis in sich zuhause zu fühlen und mit sich selbst und ihrem Leben von Monat zu Monat tiefer versöhnt zu sein. Dann wird sich das Kind auch verändern.
      Jeder von uns ist auf einer großen Skala sehr schwach bis extrem krankhaft dissoziiert, also in der Persönlichkeit gespalten, getrennt von der Liebe und damit getrennt von sich selbst und einer gesunden Selbstliebe. Das geschieht durch die Dinge, die uns widerfahren, sobald wir auf diese Welt kommen.
      Für alle, die nichts mit Psychologie und deren Methoden übrig haben: auf das Atmen konzentrieren und den Atem als sicheren Anker wahrnehmen. Die Luft fühlen. Regelmäßig einen Bodyscan machen.
      Liebe Grüße

  • Reply Nancy 14. Februar 2019 at 5:19

    Ein super schwieriges Thema, was man schon an den vielen verschiedenen Kommentaren sieht. Mein Sohn ist noch klein, beißt aber gern und das aus „Liebe“, weil es für ihn das ist, was er als Küssen versteht. Hier sage ich aber trotzdem, dass das weh tut, weil es wirklich schmerzt! Zeige ihm aber auch, wie er mir schmerzfrei seine Zuneigung zeigen kann. Wie es in den sogenannten „Trotzphasen“ (laut esper Juuls gibt es diese ja nicht) wird, wird sich dann rausstellen.
    Deinen Artikel habe ich mir aber gepinnt und werde ich mir dann wieder herauskramen ;)

    Viele Grüße
    Nancy

  • Reply Kristin 17. März 2019 at 14:05

    Was mich in dem Kontext umtreibt ist, wie ich mit den Aggressionen anderer Kinder auf mein Kind umgehe. Meine Kleine wurde schon mehrfach von anderen Kindern gebissen oder auch geschlagen, zB in der Kita oder auf dem Spielplatz. Teilweise hatte sie schon einen vollständigen Gebissabdruck eins fremden Kindes in grün und blau auf der Wange für 1,5 Wochen. Sie geht damit wunderbar um, zieht sich kurz zurück und spielt grundsätzlich vorbehaltlos weiter mit den betreffenden Kindern. Ich kann das nicht, bin fassungslos und mag mich mit manchen Eltern/Kindern gar nicht mehr verabreden, weil es dann immer eskaliert. Ich kann sie ja nicht physisch leiden sehen.
    Aber wie spreche ich das bei anderen Eltern an? Als Außenstehende ist mir deren Reaktion oft zu oberflächlich und ich würde gern wissen, welche Strategien oder Umgehensweisen sie mit dem Thema haben. Steht mir das zu? Oder soll ich abwarten und hoffen, dass es bald vorbei geht?
    Ich kann mein Kind natürlich nicht vor allem im Leben bschützen und sicherlich sind diese Reaktionen mancher anderer Kinder nicht bösartig, sondern eine Art „Notsituation“. Mir blutet aber natürlich das Herz, wenn mein Kind vor Schmerzen weint, die ihm ein anderer zugefügt hat.

  • Reply Tina 23. April 2019 at 5:09

    Hallo. Vielen Dank für diese Gedanken. Wir haben es lange so gehandhabt, allerdings wissen wir nun nicht richtig weiter. Wir sehen es genau so, dass das Kind es noch nicht anders kann und man Verständnis für die Gefühle des Kindes haben muss, aber unser 3jähriger schlägt, beißt und tritt unsere 8 monate alte Tochter so heftig, dass wir ihn nicht begleiten können. Er gefährdet teilweise ihre Gesundheit! Wir befinden uns mittlerweile in einem Kreislauf und es wird immer heftiger. Was für einen Ansatz würden Sie denn hier sehen?

  • Reply Julia 17. Mai 2019 at 17:52

    Unsere fast zwei jährige schlägt vor allem Papa „aus Spaß“ es ist eindeutig kein Wutanfall. Sie tritt, schlägt und lacht dabei und ist nicht zu stoppen, was macht man, wenn es nicht mit dem klassischen Wutanfall samt fehlender Impulskontrolle zu tun hat?

  • Reply Mari 9. Juli 2019 at 21:09

    Warum ist es denn eigentlich so schlimm egoistisch zu sein, wenn es authentisch ist? Weshalb sollte ich meinem Kind nicht sagen dürfen, dass es mir grade weh tut. In meinen Augen ist das kein Vorwurf, sondern eine Tatsache. „Schatz, du tust mir weh, bitte hör auf damit!“. Ich lebe das so vor, auch weil ich möchte, dass mein Kind das im umgekehrten Falle auch so macht. Ich kann wirklich nichts negatives daran sehen. Die NOT meines Kindes sehe ich deshalb trotzdem und ich glaube es auch genauso intensiv dabei zu unterstützen, wie du es beschreibst. Erziehen ist blöd und reaktionär, da sind wir einer Meinung, aber ich finde es sehr gewagt, eigene Gefühle nicht mitteilen zu wollen, um das Kind zu schützen. Diesen Schutz brauchen sie nicht. Voraus gesetzt ich stelle fest und werfe nicht vor. LG Maria

  • Reply Kristina 15. Juli 2019 at 14:18

    Hallöchen,
    ich war auch gerade etwas irritiert bei dem Artikel. Auf welche Erkenntnisse genau stützt du deinen Text? Wissenschaftliche Studien? Woher kommt dieser Gedanken, dass das kindliche Gehirn das einfach nicht kann? Ich verstehe das „Problem“ eher als ein Reifeprozess der begleitet werden sollte. Und zwar beim ersten Biss anders als beim letzten. Indem ich authentisch bleibe, zeige das die eigenen Gefühle in Ordnung sind, aber auch die Folgen in der Umwelt (wie Schmerzen bei mir) spiegel. Deinen Grundgedanken finde ich gar nicht schlecht, dass Beißen nicht als mutwillige Aggression zu werten. Aber wann und in welcher Form sollen die Kinder ihre Impulse zu kontrollieren (und nicht zu unterdrücken)?
    Liebe Grüße
    Kristina

  • Reply Silvia 27. September 2019 at 7:43

    Hallo zusammen!
    Ich war wirklich sehr interessiert an einer Lösungsidee, die mal anders ist – finde es daher schade, dass der komplette Artikel zwar beschreibt, wie es NICHT geht und aus welchen Gründen. Dass aber die eigentlich „richtige“ Idee gerade mal einen minikleinen Absatz einnimmt, leider ohne konkrete Beispiele. Mir hat das gar nicht geholfen, denn so weit war ich vorher auch schon.
    Mein Kind, 20 Monate, befindet sich in der schönen Autonomiephase und war eben nicht einmal wütend oder traurig – es hat zum Grenzen austesten gehauen und mich dabei provokant angelacht. Welche Emotion benenne ich da und wie zeige ich Verständnis dafür? Zumal der Wortschatz und die kognitiven Fähigkeiten des Kindes meine Kommunikation sehr einschränken.
    Es geht übrigens auch eine Mischform: Man kann durchaus sagen „Ich sehe, du bist wütend, aber hauen geht nicht. Das tut weh und ich möchte das nicht“. Was spricht denn dagehen?? Verständnis und Grenzen, das klingt gesund und authentisch für mich. LG Silvia

  • Reply Truthy 16. Oktober 2019 at 21:05

    Ich teile die Idee, dass Kinder in einem Moment der Aggression in Not sind und sie Wege lernen können, die Emotionen so auszudrücken, dass sie sich schlussendlich selber aus Ihrer Lage retten können.
    Auch ich finde es schwierig auf aggressive Handlungen meines Kindes zu reagieren. Mein Ziel ist es neutral zu bleiben. Natürlich möchte ich mein Kind nicht ignorieren, sondern erstmal die schwierige Situation umschiffen, mir dabei selbst treu blieben und dann in Ruhe nachzudenken. Ich nehme dabei die Aggression des Kindes durchaus als Emotion wahr, die in diesem Moment mich trifft – und denke, dass hier dazu gehört, zu sagen, dass dies so nicht passt – auch wenn sie nicht explizit gegen mich persönlich gerichtet ist. Allerdings helfen dem Kind hier meine Emotionen nicht (ich teile die Meinung, dass meine emotionale Reaktion eine egoistische ist).
    Ich denke, dass es richtig ist, ruhig ‚Nein‘ zu sagen, bzw. sich zu schützen (Hand des Kindes wegschieben oder Pulli vorziehen) da es authentisch ist und aus der Situation hilft. Ich finde es passend, emotionslos zu bleiben, also frei von Wut und Trübsal zu bleiben. Dies fällt mir manchmal schwer, geht aber. Schaffe ich es nicht, neutral zu bleiben, versuche ich, eine andere Person einzubinden. Nicht in die Situation, sondern zur Betreuung des Kindes, damit ich mich kurz erholen kann.
    Im Nachhinein erkenne ich oft erst den Grund bzw. Auslöser für die merkwürdige Reaktion, nämlich dass mein Kind irgendwo überfordert war und mir das, wenn auch schlecht gemacht, mitteilen wollte. Bestimmt helfe ich meinem Kind, indem ich ‚zeige‘ wie ich Emotionen – Wut etc. verarbeite. Vor allem aber kann ich überlegen, wie ich die Konfliktherde reduziere, die mein Kind überfordern.

    Ein als ‚frech‘ oder ‚dreist‘ interpretiertes Lachen des Kindes in der Situation ist meiner Meinung nach missverstanden. Bei uns war Beißen und ins Gesicht kneifen anscheinend sogar an überschwängliche Zuneigung gebunden (entwickelte sich aus den süßen Babyküsschen). Da wäre es doch sogar fatal negativ zu reagieren. Bei uns half ein kurzes ‚Nein, bitte vorsichtig, Du hast jetzt Zähne‘ und danach trotzdem kuscheln.
    Mag dies vielleicht der Grund sein, warum einige Kinder die ‚Gewalt‘ oft wiederholen? Vielleicht empfinden sie die negative Reaktion der Eltern als unlogisch und inkonsequent und stellen immer wieder dieselbe ‚Frage‘?

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