Eine Leserin schrieb mir unlängst, dass es eine so große Herausforderung ist, Kind und Job unter einen Hut zu bringen. Dass sie einen neuen Job annehmen möchte, aber noch nicht weiß, wie und ob es sich ausgeht. Ich wollte diesen Input reifen lassen, recherchieren, mit Expertinnen sprechen und Vereinbarkeit zu einem großen Thema machen. Und dann kam so eine Nacht und so ein Morgen wie heute, wo ich an meine Grenzen stoße. Weil mir Vereinbarkeit manchmal wie ein Mythos erscheint. Ein Arschloch-Mythos.

Diese Zeilen mussten raus. Seht es als Geständnisse einer ehrgeizigen Rabenmutter, die manchmal das Gefühl hat, alles falsch zu machen. Um sich dann wieder zu fangen und zu sehen: Mein Kind ist das Wichtigste. Alles andere sind Randerscheinungen. Nervige Randerscheinungen…


Heute ist einer dieser Tage. Ich habe bis 2.3o Uhr gearbeitet. Weil es schon wieder etwas Neues gibt, das ich mir mal ansehen sollte. Ein neues Feld, das ich erschließen sollte um mit meiner Arbeit weiterzukommen. Weil ich mir gedacht hab: hey, vielleicht brauch ich eine neue Struktur. Vielleicht lasse ich dieses weg und nehme dafür jenes dazu. Irgendwas. Weiterkommen. Mehr erreichen, mehr verdienen, besser leben.

Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Um 6.00 Uhr war Tagwache. Wie du dir vorstellen kannst war ich nicht das, was man als super Mama bezeichnet. Müde, grantig, kaum ansprechbar. Und komplett überfordert. Ich war wütend auf mich selbst, weil ich wiedermal so lange vor dem PC saß. Warum bist du nicht früher ins Bett gegangen, hab ich mir gedacht. Obwohl ich genau wusste, warum. Weil ich eine Abgabe hatte. Ich war spät dran, weil ich die Abgaben davor alle fristgerecht schaffen wollte.

Das ist einer der Ansprüche, die ich an mich als Unternehmerin hab. Ich bin selbständig. Was ich mache, was ich meinen Kunden verspreche, muss passen. Ich habe hohe Qualitätsansprüche und liebe meinen Job. Entsprechend möchte ich abliefern – immer. Freilich schaff ich das nicht, aber das steht woanders.

In meinem Hirn rattert es. Was kann ich noch machen? Wie gehe ich die nächste Baustelle an? Ich muss noch 24 Mails beantworten. Ach, die Fotos hab ich ja noch gar nicht bearbeitet. Wann ist der Vortrag? Wieso ist denn schon Mittwoch? Und wie bin ich mit dieser Firma verblieben?

Irgendwo zwischendrin steht meine Tochter, die gerne einen Apfelsaft hätte.

Überforderung.

Heute war einer dieser Tage, an denen sie gleich morgens ihre Lieblingssendung gucken wollte. Und es war OK. Und ich war froh, denn so konnte ich noch 20 Minuten arbeiten. Das war nötig, sonst hätte ich einen Kunden vertrösten müssen. Und das geht in meiner Welt gar nicht. Ich bin zuverlässig – 100 %! Das muss ich sein, als Selbständige. Denn sonst gehen meine Kunden woanders hin und ich verdiene nichts.

Letztens saß ich mit einer lieben Bekannten und geschätzten Kooperationspartnerin beim Brunch. Sie sagte mir, dass noch so viele Mails auf sie warteten. Aber es war Freitag Mittag. Sie mache jetzt mal Wochenende und montags, wenn sie wieder im Büro sitzt, antwortet sie dann.

Ich konnte nur müde schmunzeln. Ich erzählte, dass es für mich kein Wochenende gäbe. Die Mails, die ich vielleicht erst in drei Tagen beantworte, könnten für mich versäumte Chancen bedeuten.

Und das ist wiederum fernab meiner Realität. Denn mittlerweile sind es so viele Mails, dass ich nur 1 bis 2 Mal die Woche dazukomme, zu antworten. Weil es so viel anderes zu tun, zu schreiben, zu bearbeiten gibt.

Es fällt mir immer schwerer, mit meinem Kopf wirklich bei meiner Tochter zu sein.

Die Nachtschichten werden immer mehr. Kind schläft? Ab zum PC!

Schaue ich mal einen Abend nur fern oder – Überraschung! – verbringe Zeit mit meinem Partner, habe ich das Gefühl, ins Hintertreffen zu geraten.

Denn ich kenne die Berge, die erledigt werden wollen und ich weiß ganz genau, dass sie nicht kleiner werden, wenn ich mich nicht ans Abarbeiten mache.

Letzte Woche, wieder bei einem Termin: „Einen Blog kannst du ab einer gewissen Größe nicht alleine machen“, sagt mein Gegenüber. Und er hat Ahnung. Er hat recht.

In den vergangenen 30 Tagen wurde mein Blog zum ersten Mal über 100.000 Mal aufgerufen. Einhunderttausend! Das ist enorm! Ich habe mir das erarbeitet in nur 2 Jahren. Nachts. Denn ich habe ein geliebtes Kleinkind, das nicht in den Kindergarten geht.

Wir haben es versucht, zwei Tage lang für 5 Monate und wir haben es wieder sein gelassen. Es hat nicht gepasst.

Ich habe Hilfe, von einem selbständigen Mann und von den Großeltern. Also erledige ich nur 90 % der Arbeit nachts. Die restlichen 10 % kann ich tagsüber machen, wenn es sich gar nicht anders ausgeht.

So wie heute, wo ich keine Kraft habe.

Wo ich nach 3 Stunden Schlaf aufgestanden bin und mein Kind dann mal etwa 1 Stunde ferngesehen hat. Ich mit dem Laptop daneben. Dann hab ich mich wieder hingelegt. Papa hat übernommen und als er auch weg musste, an die Großeltern übergeben.

Seither ist sie – mit einer kurzen Unterbrechung – bei ihnen.

Es ist nun 16 Uhr. Ein Tag für mich. Ein Tag, den ich brauchte. Um zu atmen und zu arbeiten. Denn das ist es, was ich tue.

Und ich schreibe diese Zeilen, weil sie raus müssen. Weil ich trotz aller Professionalisierung, die die Branche und ich selbst von mir erwarten, auch noch einen Personal Blog habe, der in meinen Erfahrungen und Gedanken wurzelt.

Die Selbständigkeit ist ein Segen – und sie ist ein Fluch. Manchmal.

Denn wenn ich nicht arbeite, verdiene ich kein Geld.

Wenn ich nicht konstant abliefere, gehen meine Kunden weiter oder nehmen mich gar nicht wahr.

Das bringt mich dazu, dass ich diese Mauer durchbrechen muss. Ich muss es schaffen, nicht von meinen Zahlen abhängig zu sein. Denn das ist die Wahrheit als berufliche Bloggerin: Stimmt die Reichweite, stimmt das Geld.

Aber diese Reichweite ist nicht fix, die variiert. Und wenn man authentische Inhalte bringen und sich selbst nicht verkaufen will, dann ist das eine Tatsache, die so bleibt. Mal erreicht man mehr Menschen, mal weniger.

Und mir geht es nicht um die Masse. Für mich sind meine Leserinnen keine anonyme Anzahl an Personen.

Für mich sind es Frauen, Mütter, mit ihren eigenen Problemen, Gedanken und Freuden. Und es ist für mich das Schönste, sie zu inspirieren. Sie zu erreichen und ihnen etwas mitgeben zu dürfen. Das ehrt mich so sehr!

Die Mails die ich erhalte, in denen mir meine Leserinnen schreiben, was sie beschäftigt – sie sind das Wertvollste, das meine Arbeit hergibt.

Denn das ist mein Wunsch, mein Ziel. Ich will helfen, unterstützen.

Und wenn sich durch dieses Herzausschütten hier und heute, das ja so gar keinen wirklichen Nutzen mit sich bringt, weil es einfach nur ehrlich und seufzend und unter Tränen geschrieben wird – wenn genau dieser Text einer einzigen anderen arbeiteten Mama das Gefühl gibt: „Ah schau, andere verkacken auch! Andere übernehmen sich auch! Andere starren auch neben ihren Kindern in den Laptop, weil es manchmal eben nicht anders geht!“

Wenn ich das schaffe, habe ich gewonnen.

Dann weiß ich, dass ich noch richtig bin. Am richtigen Weg – der manchmal einer breiten, offenen Straße gleicht und manchmal einem Trampelpfad, auf dem ich mir beinah ein Bein breche.

Ich liebe meine Leserinnen, sie bereichern mich so ungemein und sie machen es mir möglich, daheim zu arbeiten.

Auch wenn ich zu wenig schlafe, den Kopf manchmal nicht beim Kind sondern noch immer in der Arbeit habe… Ich darf das machen, dafür bin ich dankbar.

Jetzt trink ich noch einen Kaffee.

Dann hol ich meine Tochter.

Dann widme ich mich ihr, mit allem Herz und allem Hirn, bis sie schläft.


Seid ihr arbeitende Mütter? Wie geht’s euch damit?

Nachtrag vom 26. April 2017: Janni und Thomas von Ich bin dein Vater haben meinen Artikel in ihrem 3. Podcast ausführlich diskutiert und einige sehr spannende Inputs gehabt. Reinhören lohnt sich!

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