Tippen mit einer Hand oder das Unbeschreibliche beschreiben

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Julia Spicker Photography

Es regnet. Du liegst in meinem Arm und schläfst. Schon wieder. Und endlich. In deinem Gitterbett war’s dir offenbar zu einsam. Versteh’ ich. Dass ich dich einhändig in den Schlaf schaukeln kann, hab ich in den letzten zwei Wochen gelernt. Noch bis vor kurzem fühlte ich mich Lichtjahre davon entfernt. Wobei, bis vor kurzem fühlte ich mich noch von vielem Lichtjahre entfernt, ohne das ich mir das Leben nun gar nicht mehr vorstellen kann. In einer Mami-Zeitschrift las ich unlängst etwas wie: “Die Geburt liegt erst ein paar Tage zurück, und dennoch fühlen Sie sich an ihren ersten Tagen zu Hause, als hätten Sie ein ganzes Leben durchlebt.” Stimmt.

In deinem Babytagebuch für’s erste Lebensjahr werden Mami und Papi dazu aufgefordert zu beschreiben, wie sie sich gefühlt haben, als du geboren wurdest. Die dafür vorgedruckten Zeilen sind noch leer. Ich hab lang darauf gestarrt (so lange du es in deinen langen kurzen Schlafphasen zulässt) und noch immer nicht die richtigen Worte gefunden. Ich glaube momentan auch nicht daran, dass ich sie finden werde. Papa muss ich noch fragen, vielleicht weiß er eine passende Antwort – du sollst schließlich was zu lesen haben, wenn du’s mal kannst. Wie beschreibt man das Unbeschreibliche? Vermutlich gar nicht, wäre ja ein Widerspruch in sich. Aber auch, wenn frau die logische Seite außen vor lässt und die Sache romantisch betrachtet, fehlen die Worte. Du relativierst alles und machst die Dinge doch so absolut. Manche lässt du verschwinden, andere machst du unendlich wichtig. Du bist in jeder Sekunde und in jedem Gedanken. Ich kann die Frage nicht beantworten. Nichts wird dem Gefühl, nichts wird dir gerecht. Manchmal gibt’s halt keine Worte.

Mein Arm wird schwer und mein Bein wird taub. Macht nichts. Schlaf, mein Baby.

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