Tankstelle Natur: Warum unsere Kinder den Kontakt zur Natur unbedingt bewahren müssen und wie wir zurückgewinnen, was wir verloren haben (mit Achtsamkeitsübungen)

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Überall lesen wir, dass die Zeit draußen für Kinder so wichtig ist. Was uns dabei womöglich nicht immer bewusst ist: Wir Menschen sind Teil der Natur, über Jahrmillionen war unsere Existenz eng mit ihr verbunden. Binnen weniger Jahre hat sich das extrem verändert, diese Abhängigkeit rückt weit weg von unserem lärmigen Alltag. Es wird höchste Zeit, sich rückzubesinnen. Für die Gesundheit unserer Kinder und der Umwelt. 

Kinder, draußen. Stundenlang. Kleidung voll Dreck. Aufgeschürfte Knie. Bärenhunger. So war das, damals. Selbst wenn wir wissen, dass in der „guten alten Zeit“ zwar vieles alt war, aber sicher nicht alles gut, so ist dieser romantische Gedanke doch ein schöner.

Auch heute sehen wir Kindheiten wie diese, doch finden sie Großteils außerhalb von Städten statt. Im Trubel des Alltags kann es schwer sein, auch noch Zeit draußen, in der Natur, zu verbringen. Aber was macht das ursprüngliche Erleben von Natur, Erde und Pflanzen eigentlich so essentiell?

„In einer Gesellschaft, in der Kontakt immer mehr virtuell stattfindet, ist es wesentlich, dem Spüren und Fühlen Raum zu geben! Die Natur mit ihrer Farbenpracht, ihren Geräuschen, Düften und Geschmäckern und unterschiedlichsten haptischen Qualitäten, ermöglicht Kindern diesen sinnlichen und sinnvollen Erlebnisraum und macht wach für die lebendige Vielfalt des Lebens.“ – Mag. Sandra Teml-Jetter, Familienbegleiterin

Über Jahrmillionen lebten Menschen einen intimen Kontakt mit der Natur. In den letzten wenigen Generationen hat sich das enorm verändert, und heute erleben wir einen starken Bruch.

Nature-Deficit Disorder: Wenn wir den Kontakt verlieren

Der Amerikaner Richard Louv, Autor des Buches „Last Child in the Woods“, bezeichnet die Folgen der Entwicklung hin zu immer passiveren Kindheiten als „Nature-Deficit Disorder“. Als Gründe dafür führt er etwa die Flut an modernen Medien und immer stärker werdenden Ängste von Eltern an, die sie ihren Kindern mitgeben. Die Natur wird nicht mehr als natürlicher Teil des Lebens gesehen, sondern vielmehr als etwas, wovor es Kinder zu warnen gilt. Diese „Angstgesellschaft“, die geprägt durch sensationsgeile Medienberichterstattung und den Ermahnungen der Eltern heranwächst, bevorzugt „sichere“ Beschäftigungen gegenüber freiem Spiel. In den letzten Jahrzehnten gibt es ein immer reicheres Angebot für Kinder an Dingen, die sie drinnen tun können, darunter Kinderfernsehen, Videospiele und der Computer. Nur noch selten ist es die Langeweile, die Kinder nach draußen treibt.

Louv sieht zudem einen Zusammenhang zwischen Konzentrationsschwäche, Depressionen und krankhaftem Übergewicht bei Kindern und der immer geringeren Zeitspanne, die sie draußen erleben und sich als selbstwirksam inmitten der Natur erfahren. Körperlich aktiv zu sein und Naturerfahrung sind wichtig für die physische und psychische Gesundheit und das seelische Wohlbefinden. Negative Emotionen wie Angst oder Stress nehmen ab – sofort und auf lange Sicht.

Was die Natur uns lehrt

Wenn wir wollen, dass unsere Kinder auf die Natur achten, müssen wir ihnen den Kontakt mit ihr ermöglichen. Von Anfang an. Für eine gesunde Kindheit im Heute, und die Zukunft unserer Umwelt. Für mich sind es zwei Paar Schuhe, ob wir „mal wieder draußen sind“ oder ob wir uns bewusst als Teil der Natur erfahren. Ich glaube, es braucht das ganzheitliche Erleben und die gefühlte Verbundenheit mit allem, um sich auch mitverantwortlich zu fühlen und entsprechend Verantwortung zu übernehmen. Sowohl im Geiste, als auch im Tun.

Der Umgang mit der Natur öffnet die Sinne und schult den Verstand. Was Kinder beispielsweise beim Klettern erleben, kann nichts ersetzen. Augen, Hände und Füße müssen bewusst eingesetzt werden, um sicher einen Schritt vor den nächsten zu wagen. Die Tragkraft der Äste wird eingeschätzt, und Kinder erfahren – erst übermütig und nach dem ersten Mal ausrutschen bereits vorsichtiger – ihre körperlichen Grenzen. Sie handeln bewusst und erleben das tolle Gefühl, ihr Ziel zu erreichen. Diese Erfahrungen, kombiniert mit der absoluten Konzentration aufs Jetzt, sind wichtig für die kindliche Psyche.

„Der junge Mensch braucht seinesgleichen – nämlich Tiere, überhaupt Elementares: Wasser, Dreck, Gebüsche, Spielraum. Man kann ihn auch ohne dies alles aufwachsen lassen, mit Stofftieren, Teppichen, auf asphaltierten Straßen und Höfen. Er überlebt es, doch man soll sich dann nicht wundern, wenn er später bestimmte soziale Grundleistungen nicht mehr erlernt.“ – Alexander Mitscherlich, Psychoanalytiker

Draußen im Alltag

Ich bin sehr froh darüber, einen Kindergarten gefunden zu haben, in dem die Kinder jeden Tag rausgehen – egal, wie das Wetter ist. Natürlich ist es nur „unser“ Kindergarten geworden, weil jedes Kind frei entscheiden kann: Draußen Zeit zu verbringen ist eine Möglichkeit, kein Muss. Die Kinder spielen im naturbelassenen Garten, kümmern sich um Pflanzen, sehen kleine Bäume wachsen und arbeiten mit Naturmaterialien. Hole ich meine Tochter ab und die Kleidung ist matschig, die Schuhe mehr braun als rosa, weiß ich, dass sie viel erlebt hat.

Besuchen wir die Oma in Niederösterreich, blüht meine Tochter auf. Da sind all diese Tiere, so viel Platz, so viel Grün und entsprechend so vieles, das es zu entdecken gilt. Immer neu und anders. Die Zeit in der Natur vergeht immer wie im Flug und machen wir uns abends auf den Heimweg, schläft unser zufriedenes, müdes, ausgepowertes Kind in den allermeisten Fällen gleich im Kindersitz unseres Autos ein.

Entspannung und Abenteuer – für die Kinder und für uns selbst

Auch wir Erwachsenen können draußen auf- und durchatmen. Besinnen wir uns auf den Moment, nehmen die Umgebung bewusst wahr und hören die Vögel zwitschern, spüren den Wind, so hat das etwas Beruhigendes.

Nicht umsonst ist die Empfehlung Nummer eins bei Überreiztheit im Alltag mit Kindern „eben schnell rauszugehen“. Es wirkt, und zwar auf alle Beteiligten.

Egal, ob wir Suppe aus Blättern kochen, einen Käfer vom Gehweg ins Gras setzen, eine Hummel beobachten oder auch eine von Katzen ziemlich zugerichtete tote Maus entdecken: Das ist Natur. Wir begeben uns auf die Suche nach verschiedenen Pflanzen, springen in kleine Bäche und balancieren auf umgestürzten Bäumen.

All das sind Erlebnisse, die meine Tochter aufgeregt resümieren lassen: „Heute haben wir ein Abenteuer erlebt!“

Freies Erleben – ohne Einschränkungen

Wann immer wir draußen sind, ist es für mich essentiell, meine Tochter so wenig wie möglich einzuschränken. Ich besinne mich bei ihren abenteuerlichen Experimenten darauf, dass meine Angst in den allermeisten Fällen bei mir bleiben darf. Ich beobachte, bin da und halte mich doch zurück. Phrasen wie „Sei vorsichtig!“ oder „Tu dir nicht weh!“ haben nur in meinem Kopf Platz. Meine Tochter will ich damit nicht belasten.

Eben so wenig möchte ich, dass ihre Kleidung sie einschränkt beim Erforschen. Ich musste als Mama in der Tat erst wieder lernen, dass Klamotten Gebrauchsgegenstände sind. Sie sollen Erleben begleiten und nicht erschweren. Hübsche Kleidchen, die meine Tochter so mag, dürfen dreckig werden. Ja sie sollen es! Das „gute Gewand“, das doch bitte sauber bleiben soll, haben wir nicht. Nichts soll sie einschränken.

Unsere Wildlings sind Schuhe, die alles mitmachen und mit diesem Gedanken von Natur und freier Kindheit entwickelt wurden. Die dünne, flexible Sohle macht aus jedem Schritt eine Sinneserfahrung. Sie schränken Kinder in ihrer Bewegung nicht ein, sondern ermöglichen einen natürlichen Gang und schützen die Füße gleichzeitig vor Verletzungen. Zudem sind sie sehr leicht, bieten Halt und Flexibilität, wo der Kinderfuß es braucht. Wo immer möglich nutzt Wildling Naturstoffe, wie Baumwolle, Hanf, Leinen und Kork. Ich trage das Modell Tanuki Yoru, meine Tochter den Rotfuchs.

Zwei kleine Achtsamkeitsübungen (nicht nur) für Kinder
1. Die Sinne wecken

Zeit in der Natur, in Wald und Wiesen, lässt uns runterkommen. Abschalten vom Alltag. Auch Kinder sind in unserer Gesellschaft durch (vermeintlich sinnvolle) Frühförderung, Kindergarten und Schule manchmal gestresst. Eine kleine Achtsamkeitsübung, der wir uns gern „so nebenbei“ widmen, kann dabei helfen, mit allen Sinnen im Jetzt anzukommen.

Benenne…

  • 5 Dinge, die du siehst.
  • 4 Dinge, die du hörst.
  • 3 Dinge, die du fühlst.
  • 2 Dinge, die du riechst.
  • 1 Ding, das du schmeckst.
2. Wolken beobachten

Ich erinnere mich daran, wie dieses Gefühl von Ruhe und Frieden sich in mir ausbreitete, als wir unsere Yoga-Stunden unter freiem Himmel im letzten Sommer liegend beendeten. Wir atmeten ruhig, ließen Gedanken kommen und gehen. Zunächst mit geschlossenen Augen, dann mit offenen. Ich beobachtete die Wolken, sah Vögel vorüberfliegen. Entdeckte Formen und Farben, die nur zu oft verborgen bleiben, richten wir unseren Blick nicht immer mal wieder nach oben, gen Himmel.

Nehmt eine gemütliche Decke mit nach draußen, legt euch gemeinsam darauf und schaut in den Himmel.

Seht, ob ihr in den Wolken Tiere, Menschen oder Objekte erkennt.

Wer entdeckt was?

Seht, wie die Formen der Wolken sich verändern, wie sie langsam vorüberziehen.

Vielleicht willst du mit deinem Kind bei der Gelegenheit darüber sprechen, dass unsere Gedanken irgendwie wie Wolken sind. Sie verändern sich, ziehen vorüber. Wir können unsere Gedanken beobachten wie die Wolken am Himmel. Wäre es nicht spannend, was dein Kind dazu zu sagen hat?


Bei all den Dingen, die getan werden wollen, kurze Sequenzen im Freien in einen verplanten Tag zu quetschen, ist besser als nichts. Besinnen wir uns aber darauf, was wirklich wichtig ist, sehen wir: Es sind diese anderen Dinge, die wir quetschen sollten.

Denn das neugierige Erforschen, Versinken im Jetzt und in den Entdeckungen, freies Spiel und Erleben sind essentiell.

Wie viel Zeit verbringt ihr im Freien? Welche Veränderungen in eurem Tagesablauf könntet ihr vornehmen, um sie öfter zu ermöglichen?

Mehr über Wildling Shoes:
Buchempfehlung:

„Mut – Wie Kinder über sich hinauswachsen“, Nicola Schmidt*

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29. Selbständige Bloggerin, freie Autorin, Kommunikationstrainerin und Schauspielerin. Mama, Verlobte, Wienerin. Cappuccino und Bitterschokolade gehen immer. “Being a mother is learning about strengths you didn’t know you had, and dealing with fears you didn’t know existed.”

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2 thoughts on “Tankstelle Natur: Warum unsere Kinder den Kontakt zur Natur unbedingt bewahren müssen und wie wir zurückgewinnen, was wir verloren haben (mit Achtsamkeitsübungen)

  • Reply Eva 8. August 2018 at 10:46

    Hallo
    ein wunderschöner und so wichtiger Artikel. Danke.
    Ich und vorallem meine drei Söhne sind sehr viel draussen. Sie lieben die Natur und wünschen sich immer wieder die besonderen Orte in der Umgebung zu besuchen. Höhle, Bach, Fluss, Teich, etc.
    Doch auch unser Garten wird viel bespielt.
    Die Hühner und Küken werden geliebt.

    Es ist so wichtig.
    Gruss Eva

  • Reply Valentina 9. August 2018 at 12:29

    “Hole ich meine Tochter ab und die Kleidung ist matschig, die Schuhe mehr braun als rosa, weiß ich, dass sie viel erlebt hat.” 😍 mit 3 Buben und keinem Kindergarten bin ich gefühlt immer draußen bei welchem Wetter auch immer- Wir in der Natur bestimmt unseren Lebensalltag was ich wundervoll finde:) Danke für die Achtsamkeitsübungen – die erste finde ich besonders lieb

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