Sport nach der Geburt und in der Stillzeit

Seit ich denken kann, war ich ein Sportmuffel. Zwar hab ich in meiner Jugend fleißig alles mögliche ausprobiert – bei Karate blieb ich sogar zwei Jahre lang hängen – aber sonst war da nichts, vor allem nichts Regelmäßiges. Mit den Jahren wurden diverse Körperteile freilich ein Bisserl weicher, aber da sich alles im Rahmen hielt, erachtete es einfach nicht als wichtig, mich mehr als notwendig zu bewegen. “Notwendig” war an manchen Tagen zum Beispiel nur der Weg zu Laptop. (Ja, auf die Toilette und in die Küche musste ich meistens auch irgendwann einmal.) Ich fühlte mich wohl in meiner Haut.

Und dann kam die Schwangerschaft. In ein paar Monaten ging ich auf wie Germteig. Noch Babykugel herumtragend sah ich mich plötzlich mit dem Bedürfnis konfrontiert, viel viel viiiel Sport zu machen, um endlich wieder wie ich selbst auszusehen und mich auch so zu fühlen. Als auch die letzten Wochen der Schwangerschaft überstanden waren, die sich in die Länge ziehen wie Kaugummi auf der Schuhsohle und an manchen Tagen mindestens genau so nervenaufreibend sind, dachte ich: “Endlich. Bald. Nur noch ein paar Wochen!”

“Ich stille. Darf ich mitmachen?”, war auch eine der ersten Fragen, die bei der Ankündigung der #8WMFC auftauchten. Deshalb möchte ich heute ein Gespräch mit meiner Hebamme Erika Heimhilcher mit euch teilen.

“Während dem Wochenbett, das sechs bis acht Wochen dauert, erholt sich der Körper von der Geburt und die Hormone stellen sich um.”, erklärte sie mir kurz nach der Geburt meiner Tochter. “In dieser Zeit solltest du dich schonen und dir und deinem Baby Zeit geben, euch kennenzulernen und in eurem neuen Alltag anzukommen. In oder nach dieser Zeit ist ein Check-Up bei deiner Gynäkologin vorgesehen.” In meinem Fall waren es neun Wochen, bis ich aufgrund des Notkaiserschnitts eine Sportfreigabe von meinem Frauenarzt bekam. “Bevor du wieder mit deinem gewohnten Sportprogramm beginnst, ist es wichtig, den Beckenboden zu stärken.” Als Erika das sagte, nickte ich verlegen. “Gewohntes” Sportprogramm…

Beim Beckenboden horchte ich aber auf, denn diese komplexen Muskeln im Unterleib sind sehr interessante, wichtige Kerlchen. Wenn man fleißig Beckenbodenübungen macht, so wird das im Englischen gerne als “preserving the love channel” bezeichnet. Tja, da werden wir hellhörig, was? “Der Beckenboden wird während der Schwangerschaft und der Geburt stark beansprucht und anschließend, durch das stressige Mamadasein, oft vernachlässigt oder ganz vergessen. Dabei ist er so wichtig! Der Beckenboden besteht aus drei verschiedenen Muskelschichten, die du durch gezieltes Anspannen “erfühlen” und mit verschiedenen Übungen auch trainieren kannst. Nach der mehrwöchigen Schonfrist sollte mit leichter Rückbildungsgymnastik begonnen werden, bei der der Beckenboden gestärkt wird. Hierfür gibt es Kurse, in die du deinen kleinen Zwerg mitnehmen kannst und dich nicht extra um eine Kinderbetreuung kümmern musst.” Mit dem Laufen und Hüpfen nach der Geburt solltet ihr länger als zwei Monate warten. Eurem Beckenboden zuliebe.

Auf meine Frage, ob Sport während der Stillzeit überhaupt ratsam ist, bekam ich ein klares “Ja!” zur Antwort: “Für den Sport an sich gilt, lieber langsam wieder zu beginnen. Gib dir und deinem Körper Zeit, sich an die körperliche Anstrengung zu gewöhnen. Während der Stillzeit ist es wichtig, einen gut sitzenden Sport-BH zu tragen. Wenn du das Gefühl hast, der BH scheuert an der Brust, verwende Stilleinlagen. Das sollte helfen, wunde Brustwarzen zu vermeiden.” In meinem Kopf poppte sofort die Urban Legend der versiegenden Milchmenge bei anstrengendem Sport auf, aber wie schon gesagt: Es handelt sich hier wirklich um eine Legende. Sport beeinflusst die Milchmenge in der Regel nicht. “Achte aber darauf, ausreichend zu trinken. Zwei Liter Flüssigkeit pro Tag, mindestens.”, mahnte Erika, “Und stille am besten vor dem Sport. Mit ‘leerer’ Brust sportelt es sich im Allgemeinen leichter, als wenn sie prall gefüllt ist und du bist vermutlich etwas ruhiger und konzentrierter beim Sport, wenn du weißt, dass dein Baby gerade erst getrunken hat.”

Mit diesem Input sehnte ich mich also jener Zeit entgegen, in der ich nach all den sportfreien Jahren endlich Bewegung in mein Leben bringen könnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ja noch keine Ahnung, dass dieses kleine Wunder in meinem Arm schon für einen regelrechten Wirbelsturm sorgen und die Gedanken an meine Figur weit in den Hintergrund rücken würde.

Immer sagen alle, wie schnell die Zeit vergeht und ich finde ja, sie haben recht. Mit einem Baby jedoch, sieht man sich gefühlt mit einer gänzlich neuen Zeitrechnung konfrontiert. Das ist allerdings ein Thema für einen anderen Tag.

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Erika Heimhilcher ist Hebamme
im Goldenen Kreuz Privatspital.
Sie bietet Geburtsbegleitungen,
Geburtsvorbereitungskurse und
Nachbetreuungen an. (Kontakt)

Viel Spaß beim Sporteln!

 

Photo Credit: fotolia

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