Schule und Gleichwürdigkeit: Wie du dein Kind auch in dieser Zeit der Fremdbestimmung begleiten kannst (und warum Noten nicht existieren sollten)

Früher wurden sich nicht viele Gedanken darüber gemacht, ob überhaupt und wenn ja in welche Schule unsere Kinder gehen sollen. Heute haben wir – wie in vielen Bereichen – oftmals mehrere Möglichkeiten, aus denen wir wählen können. Das birgt viele Chancen in sich, genauso aber auch neue Herausforderungen. 

Expertinnengespräch: Schule und Gleichwürdigkeit

Mit Mag. Sandra Teml-Jetter von der Wertschätzungszone bespreche ich in dieser Folge deine Fragen zum Thema Schule: Wie passen Schule und Beziehungsorientierung zusammen? Was ist das „Problem“ an der Regelschule und wie können Eltern ihre Kinder hier achtsam und liebevoll begleiten? Was tun, wenn…? Wir widmen uns LeserInnenfragen, lassen unsere eigene Schullaufbahn Revue passieren und besprechen, wie Eltern ihr Kind in dieser sehr fremdbestimmten Zeit unterstützen können. Sandra erzählt von ihren Erfahrungen als Professorin an einem Gymnasium und auch beim Begleiten ihrer eigenen Kinder.

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Im Video widmen wir uns unter anderem folgenden Fragen:

  • Wie passt meine Haltung mit den hierarchischen Strukturen in der Schule zusammen?
  • Wie können wir als Familie mit der Fremdbestimmung, die Schule mit sich bringt, umgehen?
  • In die Selbstverantwortung uns aus der Opferrolle kommen: Kann ich nicht, oder will ich nicht?
  • Welchen Preis müsstest du bzw. müsste deine Familie zahlen, um gewisse Vorstellungen umzusetzen?
  • Wie können Lehrkräfte die Grenzen des (Schul-)Systems ausloten und in ihren Möglichkeiten gestalten?
  • Wie können wir mit LehrerInnen ins Gespräch kommen und die Allianz mit dem Kind dabei nicht brechen?
  • Leserinnenfrage: Was kann ich tun, wenn mein Kind nicht schlafengehen will, obwohl morgen Schule ist?
  • Wie du dir über deine eigenen Ängste im Hinblick auf die Schule bewusst werden kannst
  • Wie gehe ich mit dem Belohnungssystem in der Schule um?
  • Leserinnenfrage: Muss mein Kind Hausübung machen und braucht es einen Schreibtisch?
  • Wo liegen meine Grenzen als Elternteil?
  • Leserinnenfrage: Wie kann ich entscheiden, ob mein „Kann-Kind“ schon in die Schule gehen soll?
  • Leserinnenfrage: Soll mein Kind mitentscheiden, in welche Schule es gehen wird?

Wenn wir im nächsten Video deine Frage besprechen sollen, melde dich gerne zum Newsletter an. Du findest das Formular zur Anmeldung am Ende dieses Artikels.

Wie du deine Beziehung zu dir, deinem Kind und den Lehrern gestalten kannst

Lassen wir unsere Kinder in die große weite Welt, werden sie zwangsläufig mit Menschen konfrontiert werden, die nicht in Gleichwürdigkeit und beziehungsorientiert leben und entsprechend anders mit ihnen umgehen, als wir uns das wünschen. Fälle ich nun als Elternteil die Entscheidung, mein Kind in die Schule zu geben, geht es darum, zu Hause jenen Thematiken Raum zu geben, die dadurch auf das Kind zukommen. Suchen Kinder also das Gespräch mit uns, gilt es für uns, ihre Aussagen auch „sein“ zu lassen, und nicht etwa zu antworten: „Aber geh, sowas darfst du doch über deine Lehrerin nicht sagen!“ Wir fangen auf, stehen bei und begleiten. Auch, wenn es schwierig wird.

Wenn wir Verantwortung dafür übernehmen, was wir nicht wollen und eine Entscheidung getroffen haben, können wir diese Verantwortung mit Würde tragen und damit umgehen. Das können wir als Opfer der Umstände nicht. – Sandra Teml-Jetter

Viele Eltern sind angesichts des Schulstartes oder auch der schulischen Leistungen ihrer Kinder mehr in „banger Erwartung“ als „freudiger Hoffnung“. Hier hilft es, sich den eigenen Ängsten und Befürchtungen bewusst zu werden, um sie nicht aufs Kind zu übertragen. Die Frage, die wir uns selbst stellen dürfen, wenn wir uns hin zu uns selbst wenden, ist: „Wie kann ich dafür sorgen, dass ich gut zu etwas stehen kann? Was will ich?“ Und dann dem Kind zu signalisieren oder auch zu sagen: „Ich geh mit dir den Weg!“ Also, liebe Mama:

  • Achte auf die Beziehung zu deinen Kindern und den Lehrern.
  • Steh zu deinen eigenen Werten.
  • Lass dich nicht instrumentalisieren von den LehrerInnen.
  • Such den Dialog mit den LehrerInnen, sofern das möglich ist.
  • Reflektiere die Dinge, die LehrerInnen zu dir sagen.
  • Hab Vertrauen in deine Kinder und glaub ihnen.
  • Bleib in Kontakt und geh mit den sich offenbarenden Herausforderungen um.
  • Versuch bei Problemen das „große Bild“ und Zusammenhänge zu sehen.
  • Vertrau auf dein Bauchgefühl und höre die Wünsche und Vorstellungen deines Kindes.
  • Achte auf deine eigenen Projektionen und vergleiche deine Erfahrungen nicht mit denen deines Kindes.
Alfie Kohn über Noten und ihre Notwendigkeit

Alfie Kohns Worte im YouTube Video „Warum Noten nicht existieren sollten“ möchte ich hier gerne mit dir teilen. Ich habe sie für dich ins Deutsche übersetzt. Das gesamte Video ist 4 Minuten lang und ich lege es dir ans Herz.

„Wir brauchen keine Noten. Die Forschung zeigt, dass Noten drei Effekte haben. Erstens: Sie haben zur Folge, dass Schüler weniger Interesse an dem haben, was sie für eine Note lernen müssen. Zweitens: Sie bringen Schüler dazu, weniger schwierige Aufgaben zu wählen. Denn wenn es nur darum geht, eine 1 zu bekommen, wähle ich den Weg, bei dem das am einfachsten zu erreichen ist. Ich entscheide mich also für das einfachste Projekt oder das kürzeste Buch. Und drittens: Werden Schüler benotet, tendieren sie dazu, die Dinge oberflächlicher anzugehen. Sie werden weniger reflektieren und wirklich verstehen wollen und eher sagen: ‚Müssen wir das wirklich wissen? Kommt das zum Test?‘

Wenn ich als Lehrer unfähig bin, Schüler authentisch an meine Themen zu fesseln, muss ich zurückgreifen auf Bestechungen und Drohungen, um sie zum Lernen zu bringen. – Alfie Kohn

Das ist der Grund, warum großartige Schulen keine Noten vergeben und großartige Lehrer alles in ihrer Macht stehende tun, um ihre Schüler vergessen zu lassen, dass es Noten gibt, und sie manchmal auch ihre eigenen Noten wählen lassen. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der Menschen es nicht verstehen! Sie ignorieren die Fakten rund um Benotung und verwenden Noten, um Schüler dazu zu bringen, Dinge zu tun, an denen sie nachvollziehbarerweise wenig Interesse haben.

Wenn ich als Lehrer unfähig bin, Schüler authentisch an meine Themen zu fesseln, muss ich zurückgreifen auf Bestechungen und Bedrohungen, um sie zum Lernen zu bringen. Darum geht es bei Noten. (…) Wenn Menschen über ihre gesamte Karriere hinweg gesagt wird ‚Da musst du zuhören, das wird geprüft!‘, entsteht in ihnen die Idee, dass das der Grund ist, warum man Dinge tut: Mach, was beurteilt wird und beschäftige dich nicht mit Dingen, die nicht beurteilt werden. Es wäre wunderbar, wenn Schüler immun wären gegen diesen konstanten Trommelschlag. Aber die Wahrheit ist: Jedesmal, wenn Schüler darüber nachdenken, was sie für eine Note tun müssen, verlieren sie etwas als Menschen und Lernende.

Ein Lehrer, der irgendeinen Sinn für Integrität und Commitment fürs Lernen hat, wird die meiste Zeit seiner Karriere damit verbringen, Schüler dabei zu helfen, die „Sucht“ nach Bewertung zu überwinden. Nicht nur, indem er ihnen sagt, dass sie die Noten vergessen sollen, sondern indem er Noten immer weniger relevant und wichtig macht. Damit das natürliche Verlangen, Dinge zu tun, die wirklich für Befriedigung sorgen, wiederentdeckt werden kann. Auch von Schülern, die vergessen haben, was ihnen Freude bereitet.“


Wie war die Schulzeit für dich? Wie erlebst du sie nun mit deinen Kindern? Wir freuen uns, wenn du deine Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren unter diesem Beitrag mit uns teilst!

Erwähnte und weiterführende Links:
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Schule und Gleichwürdigkeit: Wie du dein Kind mutig durch die Schulzeit begleitest (Schule, Belohnung, Bestrafung, Fremdbestimmung, Schulkritik, Alfie Kohn, Jesper Juul, Gerald Hüther, Andre Stern, Arno Stern, Naomi Aldort, Benotung, Bewertung, Noten, Achtsamkeit, Beziehung statt Erziehung) #unerzogen #beziehungstatterziehung #kinderbegleiten #miniandme

Weitere Expertinnengspräche:

Alle Videos sowie schriftliche ExpertInnengespräche findest du in der entsprechenden Kateogorie: ExpertInnen im Gespräch.


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Jeannine ist 30, Autorin, dipl. Kommunikationstrainerin und Bloggerin aus Wien. Sie ist Veranstalterin einer Workshopreihe für bewusste Elternschaft, Beziehungsautodidaktin und leidenschaftliche Verbreiterin der Idee des „Conscious Parenting“ im deutschsprachigen Raum. Neben all diesen Labels ist sie mit ganzem Herzen Mutter einer kleinen Tochter, Verlobte, Wegbegleiterin und immerfort Lernende.

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2 thoughts on “Schule und Gleichwürdigkeit: Wie du dein Kind auch in dieser Zeit der Fremdbestimmung begleiten kannst (und warum Noten nicht existieren sollten)

  • Reply Maria 25. September 2018 at 9:30

    Danke für das schöne Interview!
    Für alle die sich dem Thema auch in Reimform (wieder )- berühren lassen wollen!
    https://www.youtube.com/watch?v=fTmM-KdEV4I
    https://www.youtube.com/watch?v=pBLJNe8hsKE

  • Reply Markus Schenk 2. Oktober 2018 at 18:28

    Vielen Dank für das Interview! Wir sind als Eltern auch schon sehr gespannt auf die neue Phase der Schule….es wird nicht nur für die Kinder auch für die Eltern nicht immer leicht werden ;-)

    Das Interview hat mir dafür aber gut geholfen die nötige Gelassenheit zu haben. Toll fand ich auch den Ansatz der Eigenverantwortung der Kinder!

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