Bücher öffnen neue Welten, lassen uns eintauchen, verstehen, dazulernen. Kindern die Begeisterung für Bücher weiterzugeben, ihr Interesse zu wecken und mit ihnen gemeinsam zu entdecken, ist für mich eine der schönsten Aufgaben, die wir Eltern innehaben. Aber wie geht das? Wie schaffen wir es, die Liebe zum geschriebenen Wort und die Achtsamkeit im Umgang mit Büchern weiterzugeben?


Bücher sind Schätze – besonders für Kinder

Mein Mann und ich lieben Bücher. Wir sind das einzige Pärchen, das ich kenne, das in den USA ganze Tage bei Barnes&Noble verbringen kann. Jeder für sich, in seiner Ecke, mit einem riesengroßen Stapel an Büchern. Zwischendurch genießen wir gemeinsam Kaffee, bevor wir uns wieder in die unterschiedlichen Abteilungen verkriechen. Ich vermisse den Geruch dieser zauberhaften Buchhandlungen, während ich diese Zeilen tippe.

Bücher sind das einzige, bei dem so gut wie alle Freunde und Verwandten wissen, dass wir davon gefühlt nie genug haben können. Wir finden: Auch unsere Tochter nicht.

Entsprechend wichtig ist es uns, unserer Tochter diese Liebe, Begeisterung und Wertschätzung weiterzugeben. Ihr zu zeigen, wie wundervoll bereichernd Bücher sein und wie viel sie uns lehren können.

Bei diesem Artikel möchte ich nochmal klar darauf hinweisen, dass wir uns von Montessori nur inspirieren lassen. Wir übernehmen, was sich gut anfühlt. Umgelegt auf Bücher sind das vor allem die Präsentation und die Wertschätzung. Empfehlungen, wie die Anzahl an Büchern sehr gering zu halten oder für Kleinkinder keine Bücher mit Fantasieelementen zu kaufen, passen für uns nicht.


Buchpräsentation nach Montessori

Bücher montessori-inspiriert darzubieten und einen gemütlichen Lesebereich zu schaffen, geht schnell und muss nicht teuer sein. Die Zusammenfassung vorweg: einfach alles übersichtlich in Reichweite platzieren, den Bereich einladend gestalten und los geht’s.

1. Immer in Reichweite

Ein Grundprinzip nach Montessori: Um Dinge selbst tun zu können, müssen Kinder rankommen. Wie bei den Basics zur Kinderzimmergestaltung nach Montessori – sowohl für Kleinkinder als auch beim Babyzimmer – gilt es auch hier, die Bücher in Sicht- und Reichweite des Kindes zu platzieren. Wir platzieren die Bücher meiner Tochter von Anfang an in Bodennähe.

2. Alles auf einen Blick erfassbar

Einmal mehr spielen Ordnung und Übersicht eine wichtige Rolle. Kinder sollen auf einen Blick sehen, woraus sie wählen können. Dabei ist klar: je mehr Bücher, desto schwieriger ist es, sie übersichtlich darzubieten. Ich sortiere deshalb einerseits thematisch – auch passend zur Jahreszeit – und andererseits nach Alter und Interesse meiner Tochter. So sind Weihnachtsbücher unterm Jahr im gewöhnlichen Bücherregal eingeschlichtet. Im Winter holen wir sie hervor, geben ihnen mehr Raum und räumen dafür z.B. Bücher übers Gärtnern vorübergehend zur Seite.

3. Regal oder Korb, was passt für uns?

Viele unserer Kinderbücher haben Platz auf der unteren Ablage unserer Anrichte im Wohnzimmer gefunden. Das für die Montessori-Pädagogik typische Bücherregal von Manine Montessori hielt vor ein paar Wochen Einzug in unser Heim und macht seither noch mehr Lust aufs Lesen. So geordnet ist automatisch alles in Griffweite und übersichtlich. Lieblingsbücher sind schnell gefunden und stellt unsere Tochter sie zurück, fallen sie nicht so leicht um.

Eine günstige Variante, um Bücher – besonders für Babys und kleine Kinder – an einem Ort zu präsentieren, sind Buchkörbe. Gerade wenn sie zu einem bestimmten Thema, wie zum Beispiel „Wald“ passen, bietet es sich an, in der Nähe ein aktuelles Naturtischlein samt Lupe zu platzieren. So verknüpft man unterschiedliche Welten auf ganz natürliche Weise.

Ein Teppich oder gemütlicher Sessel in unmittelbarer Nähe des Bücherregals lädt zum Verweilen und Stöbern ein. Sind die Bücher an einem hellen Ort, muss vor dem Lesen nicht erst das Licht aufgedreht werden.

Bücherkorb im Lesebereich nach montessori


Kindern die Liebe zu Büchern weitergeben

Achtsam und sorgsam mit den eigenen Habseligkeiten umzugehen, ist ein zentraler Punkt der montessorianischen Pädagogik. Wie können wir Kinder lehren, Bücher zu schätzen und behutsam mit ihnen umzugehen? Mindestens genauso wichtig sind Interesse und Begeisterung. Wertschätzung entsteht durch Mögen.

  1. Vorleben. Wie in so vielen anderen Bereichen, gilt das auch hier. Wie wir selbst mit Büchern umgehen, wie wir sie angreifen, wie oft wir sie benutzen – all das sehen unsere Kinder.
  2. Von Anfang an und oft anbieten. Egal ob kleine Büchlein aus Stoff, die ersten Bücher mit Seiten aus Pappe oder Papier: Kommen Kinder früh und regelmäßig – am besten täglich – in Kontakt mit Büchern, gehören sie zum Leben ganz einfach dazu.
  3. Verbalisieren. Ich habe ein paar Bücher aus meiner eigenen Kindheit, die mir am Herzen liegen. Eines davon seht ihr auf den Fotos zu diesem Artikel. Es ist das Disney Baby Buch. Meine Tochter weiß, dass dieses Buch schon sehr alt ist und ich als Kind mit meinen Eltern bereits darin gelesen hab. Weil ich es ihr gesagt habe, während wir zum ersten Mal darin blätterten, und es auch heute noch erwähne.
  4. Gemeinsam Buchhandlungen besuchen. Zeit dort verbringen. Wenn es uns Eltern Freude macht, so ist das doch ein schöner Weg, sie weiterzugeben und auf die Kinder überschwappen zu lassen.
  5. Bücher als Teil des Einschlafrituals etablieren. Gleich neben unserem Bett liegen Gute-Nacht-Bücher, die uns immer wieder in den Schlaf begleiten. Eine Zeit lang lasen wir jeden Abend „Pony, Bär und Apfelbaum“. Mittlerweile lesen wir  nicht mehr direkt im Bett.
  6. Neue Bücher in einem extra Korb anbieten. So wissen Kinder gleich, welche Bücher recht neu dazugekommen sind und können sich ihre liebsten aussuchen. Gerade für uns ist das praktisch, denn nach so einem Besuch in der Buchhandlung kann es schon sein, dass drei oder mehr neue Kinderbücher mit Heim genommen werden.

Übung des täglichen Lebens: Bücher öffnen, umblättern und schließen

Zum achtsamen Umgang mit Büchern gibt es bei Montessori entsprechende Übungen des täglichen Lebens. Sie sollen es Kindern ermöglichen, die behutsamen Bewegungen der Vorzeigenden nachzuahmen. Das macht gerade aufgrund der Tatsache, dass nach Montessori auch Bücher mit dünnen Seiten kleinen Kindern schon früh angeboten werden sollen, Sinn.

Ich kannte die Übungen vor meiner Recherche zu diesem Artikel nicht. Auch ohne gelang es uns intuitiv, unserer Tochter den behutsamen Umgang mit Büchern beizubringen. Weil wir damit nunmal nicht herumhauen oder sie zerdrücken, sondern als das begreifen, was sie für uns sind: Schätze.

Kinder lernen durch Nachahmung, immer. Auch beim Umgang mit Büchern hat das für uns gut funktioniert. Manchmal landet ein Gegenstand in einer Ecke, manchmal handelt es sich dabei um ein Buch. Ich finde das nicht schlimm. Kinder sollen Kinder sein dürfen. Und da fliegt schonmal was. Dennoch werde ich mir die einzelnen Schritte zum Öffnen, Umblättern und Schließen nochmal ansehen und gleich morgen meiner Tochter zeigen. Ich bin gespannt, was sie dazu sagt. Vermutlich fragt sie mich, warum ich heute so langsam bin.

In diesem Video seht ihr ab Minute 1:04 ein 19 Monate altes Mädchen und ihren Umgang mit dem Buch.


Der Montessori-Montag wird euch präsentiert von Mini and Me und nyani. Bei dem Münchner Label gibt’s hochqualitative, langlebige und super schicke Lieblingsteile für Babys und Kinder. Mini trägt das T-Shirt Nautila und den wunderschönen Rock Sonnentanz.


Bücher nach Montessori zeigen das echte Leben

Hält man sich buchtechnisch an die Empfehlungen Maria Montessori, so ist für sprechende Tiere und Fantasie allgemein kein Platz. Zumindest nicht bei Kleinkindern. Bücher sollen die Realität zeigen. So sind Bücher mit Fotos oder fotorealistischen Illustrationen klar zu bevorzugen. Sie sollen ganz kleinen Kindern dabei helfen, ihre Welt zu verstehen.

Das macht Sinn. Aber wir als kreative Eltern lieben Fantastisches und schöne Illustrationen und empfinden sie als enorme Bereicherung. Das unserer Tochter vorzuenthalten, würde nicht zu uns passen. Und wer weiß, vielleicht können Tiere ja sprechen und wir Erwachsene haben nur verlernt, zuzuhören.

Eines ihrer ersten Lieblingsbücher war das „Kleine Ich bin Ich“, meiner Meinung nach eines der wundervollsten Kinderbücher überhaupt. Ich habe bereits mit ihr darin geblättert, als sie etwa neun Monate alt war. Heute, mit knapp drei Jahren, lesen wir das ganze Buch gemeinsam. Ein weiterer Dauerbrenner ist „Pony, Bär und Apfelbaum“. Auch hier: Sprechende Tiere weit und breit.

Andererseits sind gerade die „Wieso, weshalb, warum“ Bücher eine echte Bereicherung. Sie sind relativ realistisch illustriert. Eine ganz wunderbare und montessori-freundliche Idee für Babys sind selbstgestaltete Fotobücher mit bekannten Gesichtern.

Ein Kinderatlas, Kurzbiographien echter Persönlichkeiten und Lexika aller Art sind eine Bereicherung. Bei uns haben sie genauso Platz wie Bücher mit sprechenden Tieren.


Wie hast du deinem Kind die Liebe zu Büchern weitergegeben?

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Themenverwandtes von Mini and Me:

Das wunderschöne Bücherregal wurde uns von Manine Montessori zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Weiterführende Lektüre:


Der Montessori-Montag wird präsentiert von Mini and Me und nyani. Auch dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem Münchner Kindermode-Label.

Fotos © Jeannine Mik, Mini and Me

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