Vier Zyklen hab ich abgewartet, um diese Zeilen zu tippen. Denn ich wollte sicher sein. Jetzt weiß ich: Eine Menstruationstasse ist für mich persönlich die beste Option während der Periode.

Die Handhabung war gewöhnungsbedürftig und erinnerte mich zunächst an die ersten zaghaften Versuche mit dem Tampon in meiner sehr frühen Jugend. Jetzt, wo die Tasse und ich uns besser kennen, möchte ich sie aber nicht mehr missen: Menstruationstassen sind günstig, sauber, umweltfreundlich, nicht gesundheitsschädlich, einfach in der Handhabung und lassen mich mitunter sogar vergessen, dass ich meine Tage habe. Was will frau mehr?


Was ist eine Menstruationstasse?

Menstruationstassen sind kleine Becher, die während der Periode in den Unterleib eingeführt werden und die Monatsblutung auffangen. Die meisten von ihnen sind aus medizinischem Silikon und können mehrere Jahre lang verwendet werden. Hat man das für sich passende Modell gefunden, hält es dicht und ist nicht spürbar.

Zunächst teile ich hier ein paar allgemeine, wissenswerte Informationen mit euch. Meine persönlichen Erfahrungen mit der Menstruationstasse lest ihr etwas weiter unten.

Menstruationstassen…

  • können bis zu 12 Stunden durchgehend getragen und so bequem daheim geleert werden.
  • ersetzen mit etwas Übung Binden, Tampons und Slipeinlagen.
  • sind gesundheitlich unbedenklich.
  • gibt es in verschiedenen Größen, Formen und Farben. Je nach Stärke der Periode, Alter der Frau,…
  • sind umweltschonend, weil sie bei richtiger Handhabung viele Jahre lang verwendet werden können.
  • eignen sich super für den Urlaub, Sport, Schwimmen… you name it.
  • trocknen die Scheide nicht aus.
  • können auch nachts getragen werden.
  • haben keinen nervigen Faden dran, der im Freibad aus dem Slip rutscht.
  • werden nach der Periode einfach ausgekocht und sind wieder einsatzbereit.

Was ist denn an Tampons und Binden schlecht?

Tampons sind – trotz ihrer großen Beliebtheit – umstritten. Sie begünstigen das Wachstum von Bakterien in der Scheide. Blut, das eigentlich abfließen und aus dem Körper soll, bleibt drinnen und in unmittelbarem Kontakt mit der empfindlichen Schleimhaut.

1. Gesundheit

Wenn ihr Tampons benutzt, ist es wichtig, sie nach maximal 4 bis 6 Stunden zu wechseln. Je länger derselbe Tampon in der Scheide verweilt, desto größer ist das Risiko, am seltenen aber sehr gefährlichen TSS zu erkranken. Der Großteil aller bekannten Fälle des „toxischen Schock-Syndroms“, das mit erheblichem Organ- und Kreislaufversagen einhergeht und tödlich verlaufen kann, ist auf zu lang getragene Tampons zurückzuführen. Vor allem in der Nacht sollten deshalb keine Tampons getragen werden.

Händewaschen vor dem Einführen ist wichtig, um das Risiko einer bakteriellen Infektion weiter zu senken. Je weiter die Periode fortgeschritten ist, desto einfacher ist es für Bakterien, zum Inneren der Gebärmutter durchzudringen, da weniger Blut ausgeschieden wird. Und genau diese Tage sind es doch bekanntlich, in denen Tampons theoretisch länger benützt werden könnten. Mehr lest ihr zum Beispiel in einem Artikel der „Zeit“ aus dem Jahr 1980, als das Thema aufgrund einer neuen Produkteinführung in den USA leider brandaktuell war.

Herkömmliche Tampons und Binden an sich können mitunter sogar giftig sein, da manche die krebserregenden Stoffe Dioxin und Furan sowie Pestizide enthalten. Women’s Voices for the Earth, die Herausgeberinnen des Berichts, sagen’s richtig: „Toxic chemicals don’t belong in feminine care products. Period.“

Wenn Menstruationstassen nichts für euch sind, solltet ihr auf Bio-Tampons und Bio-Binden umsteigen. Es gibt sie sogar GOTS-zertifiziert.

2. Umwelt

Ein Punkt, der für Tampons und Binden gleichermaßen gilt, ist die Unmenge an Mist, die sie produzieren. Konventionelle Produkte sind nicht biologisch abbaubar. Das heißt, in unseren Meeren schwimmen Unmengen an benutzten Monatshygieneprodukten herum. Viele Produkte enthalten Plastik, Binden oftmals eingearbeitete Saugkerne. Seit der Erfindung dieser Dinger ist also noch kein einziges komplett zerfallen. Ja… genau.

Was das bedeutet, können wir erst beginnen zu verstehen, wenn wir wissen, wie viele davon Frauen weltweit so im Schnitt verbrauchen. Die Rechnung ist nicht schwer: Gehen wir von 5 Tampons oder Binden pro Tag aus, sieben Tage lang, zwölf Mal im Jahr. Die Frau in unserem Beispiel hat ihre Periode vom 13. bis zum 53. Geburtstag. 420 Tampons pro Jahr, 40 Jahre lang. Nach dieser Rechnung benötigt eine einzige Frau im Laufe ihres Lebens ganze 16.800 Stück. Derzeit leben etwa 3,69 Milliarden Frauen auf der Welt. Ja, ne, will ich nicht rechnen.

3. Kosten

So ’ne Packung Tampons ist ganz schön teuer. Eine Packung Always Ultra Night mit 18 Stück Binden kostet bei Bipa 3,75 Euro. Damit komm ich nicht mal über eine Periode. 48 Stück O.B. Flexia Normal kosten bei DM 5,55 Euro. Eine Menstruationstasse kostet knapp 30 Euro und kann, je nach Modell, bis zu 10 Jahre lang verwendet werden.

Notiz am Rande: Seit ich keine Tampons mehr verwende, leide ich kaum noch unter Krämpfen und Schmerzen während der Periode. Meine Beschwerden sind viel weniger geworden.

Meine persönliche Erfahrung mit Menstruationstassen

Zugegeben, bis vor ein paar Monaten wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt. Ich habe mich niemals mit meinen Monatspflegeprodukten beschäftigt. Ich wusste, dass ich Binden ekelhaft finde und machte somit von der einzig mir bekannten Alternative Gebrauch: Tampons. Die fand ich zwar auch nicht prickelnd, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich nach etwas anderem umzusehen. Einfach mal zu googlen, zum Beispiel. Seltsam eigentlich, dass das bei dem Thema so unterging. Und das, obwohl ich mir nach dem 5. Einführversuch oft eine Tube Gleitgel gewünscht hätte. (War das zu viel Info? Ich bin sicher, ihr habt das auch schonmal erlebt!)

Eine Untertasse gefällig?

Dann kontaktierte mich Katie vom noch recht jungen Online Shop Untertasse.at und fragte mich, ob ich nicht mal eine Menstruationstasse ausprobieren möchte. Das fand ich super spannend! Zufällig stolperte ich genau an demselben Tag über einen Artikel, der auf die gesundheitlichen Gefahren von Tampons hinwies. Angeblich wurde in einer Studie mit jungen, gesunden Frauen nachgewiesen, dass ihre PAP-Werte sich nach dem Gebrauch eines Tampons von 1 auf 2 verschlechterten. Ich war erstaunt und erbost. Nämlich darüber, dass ich keine Ahnung gehabt hatte, was für krankmachende Scheiße ich mir da jedes Monat gutgläubig hineinschob.

Zu wichtig, ums nicht zu probieren

Ich ließ Katie wissen, dass ich sehr, sehr gerne ein bisschen Herumprobieren würde mit den Tassen. Sollte mein Selbstversuch erfolgreich sein, würde ich meinen Leserinnen davon erzählen. In diesem Fall wusste ich aber, dass ich es zumindest kurz erwähnt haben wollte, auch wenn die Menstruationstassen nichts für mich persönlich wären. Es ist einfach so ein wichtiges Thema, dass ich gar nicht anders kann, als euch davon zu erzählen. Aber na klar freu ich mich, dass ich die Tassen so toll finde. Meine persönlichen Gründe schildere ich ich noch weiter unten.

Wie hoch ist dein Muttermund?

Zunächst stellte Katie mir ein paar Fragen, um die für mich optimale Tasse zu finden. Sie wollte zum Beispiel wissen, wie alt ich bin, wie ich entbunden habe und wie stark meine Periode ist. Außerdem bat sie mich, während meiner Periode täglich die Höhe meines Muttermundes zu messen. Das war eines der Dinge, die ich hier gleich zu Beginn gelernt habe: Die Höhe des Muttermundes verändert sich während der Periode! Wieso wusste ich das nicht!? Wusstet ihr das?

Ein bunter Strauß an Menstruationstassen

Ich übermittelte alle Infos und freute mich tatsächlich auf meine nächste Periode. Was Neugier alles schafft…

Als ich das Päckchen von Katie in meinen Händen hielt, sah ich mir die Auswahl an Tassen an, die sie für mich getroffen hatte. Eine RubyCup, eine FemmyCycle und eine Lybera. Außerdem schickte sie mir einiges an Zubehör, zum Beispiel einen Sterilisationsbecher für die RubyCup, der praktisch auf Reisen ist, wenn man die Tasse nach der Periode gerade nicht im Topf auskochen kann.

Gut Ding braucht Weile…

Dann ging es ans Ausprobieren und ich muss sagen, dass ich die Tasse zunächst als extrem gewöhnungsbedürftig empfand. Ich hatte keinen Plan, wie ich sie einführen sollte. Ich wusste zwar theoretisch, wie es geht, aber praktisch klappte es nicht. Es wäre sicher hilfreich gewesen, meine Nägel von Anfang an ganz kurz zu schneiden, für diese „Übungsphase“. So verunsichert verwendete ich die Tasse meiner Wahl – die RubyCup, die war mir sympathisch – während der ersten Periode nur zwei Mal. Ein Monat später startete ich wieder einen Versuch, denn ich wollte, dass das klappt. Es musste klappen!

Nun, vier Perioden später, gibt es manchmal noch immer Situationen, wo ich die Tasse offenbar nicht ganz korrekt einführe, weil sie sich innen nicht „öffnet“. Sie muss sich aber öffnen, also „aufploppen“, damit auch alles schön dicht ist. Abgesehen davon bin ich mittlerweile recht versiert, fühle mich mit meiner Tasse wohl und möchte sie nicht mehr missen.

Dran bleiben lohnt sich!

Geholfen haben mir die unglaublich tollen YouTube-Videos eines jungen Mädchens, das mit 16 Jahren so offen über ihre Periode spricht, als wäre es „das Natürlichste auf der Welt“. Bei ihr hab ich erfahren, dass ich den Stiel auch kürzen oder ganz abschneiden kann. Das hab ich gemacht und seither passt meine Tasse für mich viel besser! Ich überlege, vielleicht noch eine härtere Tasse zu probieren. Die Lybera fand ich tendenziell etwas weich, die FemmyCycle habe ich noch nicht ausprobiert, weil ich mich erstmal mit einer Form richtig wohl fühlen wollte, bevor ich mich an etwas Neues wage. Steht als nächstes auf der Liste!

Vielleicht hat es nur bei mir etwas gedauert, bis ich mich sicher fühlte. Vielleicht gibt es ja auch hier Autodidaktinnen, die sich gleich super zurecht finden. Bei mir was es nicht so, aber nun bin ich sehr, sehr froh, dass ich mir diese Zeit gegeben habe. Ehrlich, probiert es aus, diese Tasse ist das Coolste!

Wenn ich meine Tage nicht mehr so stark habe, kann die Tasse bis zu 12 Stunden drinnen bleiben. Das heißt meine Damen, dass wir beinah vergessen können, dass wir unsere Periode haben. Wie genial ist das denn? Und es stimmt, ich bin teilweise wirklich abends schon beim Arbeiten gesessen und mir ist eingefallen, dass ich ja noch was „da drinnen“ hab. Haha!

Für ein unverfälschtes Körpergefühl

Die Menstruationstasse hat mein Körpergefühl verändert. Sie hat mir viel über mich und meine Monatsblutung beigebracht. Ich sehe nun das Blut und ich sehe, dass es einfach nur reines, klares Blut ist, das da aus meinem Körper kommt. Es ist nicht schmutzig, nicht ekelhaft und vor allem nicht so viel, wie man bei Tampons und Binden vermuten könnte. Ich fände es wunderbar, Menstruationstassen auch sehr jungen Frauen zugänglich zu machen. Sie ihnen zum Beispiel an Schulen zu empfehlen. So sehen sie, was da passiert und dass es weder stinkt, noch schmierig oder sonstwie etwas ist, wofür sie sich schämen müssen.

Ich bin Katie super dankbar, dass ich durch sie auf die Menstruationstassen aufmerksam geworden bin. Ihre Beratung war so lieb, diskret und professionell. Vor allem, wenn ihr selbst noch keine Erfahrung mit Untertassen habt, ist es sicher gut, wenn jemand für euch eine Vorauswahl trifft und euch bei Fragen zur Seite steht. Eine Beratung von Katie kann ich euch wirklich ans Herz legen!


Die Tasse hat mein Verhältnis zu meiner Periode verändert. Das klingt so doof, aber ich denke, wenn ihr sie selbst ausprobiert und dran bleibt, werdet ihr wissen, was ich meine. Vielleicht verwenden sie ja einige Leserinnen schon und können das nachempfinden?

Als nächstes möchte ich Stoffbinden ausprobieren. Einfach so, weil’s mich interessiert. Habt ihr hier Erfahrungen?

Ich freu mich auf euer Feedback und eure Fragen! Wenn es Fragen zu den Tassen und Produkten an sich sind, die ich nicht zuverlässig beantworten kann, leite ich sie gern an Katie weiter.

 


Quellen und weiterführende Links:

Die Produkte wurden mir von Untertasse.at zur Verfügung gestellt. DANKE! :)

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