„Mama, ich brauch dich!“ – Warum wir unsere Kinder und ihre Grenzen schützen müssen und uns das manchmal so schwerfällt (vor allem bei Menschen, die uns nahestehen)

Erstveröffentlicht am 20.2.2019

„Muss ich mein Kind schützen? Es geht für mich um so ganz banale Dinge. Wie zum Beispiel, wenn die Oma kommt, ein Küsschen von dem Kleinen will und er nicht. Ich bin da so unsicher: Muss ich ihn davor schützen? Oder ist das nicht auch etwas, wo er lernt, dass andere Menschen einfach anders sind und manches anders machen, als wir? Also: Darf das eh sein? Ich weiß nicht, wann ich mein Kind schützen soll und wann nicht.“

Wie dieser Mama geht es so vielen anderen Eltern auch: Wir erleben Dinge im Alltag – oftmals in direktem Kontakt mit jenen Menschen, die Zeit unseres eigenen Großwerdens wichtig für uns waren – die sich irgendwie „unstimmig“ anfühlen.

Manchmal, da piekst es nur ein wenig in uns drinnen, wenn wir ihr Verhalten in Bezug auf unser Kind beobachten. Und manchmal, ja manchmal, da entsteht so ein richtig fieser Druck auf unserer Brust.

Und wenn wir uns trauen würden, bewusst hinzufühlen, würden wir merken, dass unsere Atmung schon lange ganz flach und sperrig und auch irgendwie so eine Enge im Hals ist. Wir beobachten eine Situation (oder sind mittendrin) und sind angespannt, unschlüssig.

Wir wissen nicht, was „richtig“ ist, wissen nicht, was wir tun sollen. So viel Unsicherheit: Wir erleben uns als handlungsunfähig.

Grenzübertritte: Dieses Stechen in der Brust

Manchmal sind Erwachsene in der Art und Weise, wie sie sich auf Kinder oder andere Menschen beziehen, einfach „ungeschickt“. Das gibt es. Und es gibt Erwachsene, die moralisch verwerfliche, mitunter auch richtig gemeine Dinge tun. Das klingt hart und es ist wahr. Ob uns das gefällt oder nicht, und ob wir es gut annehmen können, oder uns wirklich dagegen sträuben, ändert nichts.

Wir können uns nun auf die suche nach Gründen für ihr „fragwürdiges“ Verhalten begeben. Und wenn wir das tun, werden wir viele Entschuldigungen und Rechtfertigungen finden.

Weil es auf so viele Familien zutrifft, nehmen wir hier mal die „engsten“ Verwandten als Beispiel:

  • Oma will mit dem Kind spielen. Als das Kind kein Interesse zeigt, sagt Oma: „Das macht mich jetzt aber sehr traurig!“
  • Opa will ein Küsschen vom Kind. Als das Kind „Nein“ sagt, zieht er es zu sich heran, „stiehlt“ eines und lacht.
  • Die Tante will mit dem Kind „balgen“, hebt es ungefragt schnell hoch über ihren Kopf und wirbelt es herum. Das Kind schreit, hat Angst. Es will nicht! Die Tante hört erst auf, als der Papa das Kind von der Tante wegnimmt und „Hey, Stop!“ sagt.
  • Oma will dem Kind die Jacke anziehen. Es will nicht. Die Oma daraufhin: „Ok, wenn du deine Jacke nicht anziehst, dann schenke ich sie dem Nachbarsjungen. So, schon zu spät!“ Das Kind weint und schreit. Die Mama steht daneben und traut sich nicht, etwas zu sagen.
  • Onkel und Kind spielen. Der Onkel beginnt, dem Kind immer wieder genau das Spielzeug wegzunehmen, mit dem es gerade spielt. Anfangs lächelt das Kind erstaunt und macht mit, aber die Sache kippt schnell: Das Kind ärgert sich, fühlt sich zusehends ohnmächtiger, weil der Onkel einfach nicht aufhört, obwohl das Kind deutlich zeigt, dass es ihm richtig schlecht geht. Der Onkel macht weiter und findet das „lustig“. Das Kind entfernt sich vom Onkel, geht an einen anderen Platz zum Spielen. Der Onkel kommt nach und macht weiter.

Puh, einmal tief durchatmen.

Keines dieser Beispiele habe ich erfunden.

Wie fühlt sich das an? Geh hinein in diese Beispiele, stell sie dir vor: Was machen diese Vorstellungen mit dir? Lass es zu! Was machen diese Gedanken, diese Bilder in deinem Kopf?

Ungerechtigkeiten und Grenzübertritte

Jeder Mensch empfindet und fühlt zum Beispiel Ungerechtigkeit, Grenzübertritte oder auch Boshaftigkeit anders. Was manche Menschen alleine beim Lesen beinah zu Tränen rührt, lässt andere vielleicht sogar ziemlich kalt. Oder aber wir spüren, dass da etwas „falsch“ läuft, und sind aber – so wie die Mama aus unserem Beispiel am Anfang – hin und her gerissen zwischen: Muss ich da einschreiten oder ist es noch OK?

Wenn wir ganz ehrlich in uns hinein hören, ist da eventuell auch ein leises „Ich trau mich nicht!“ tief in unserem Inneren, was uns unfähig macht, unser Kind zu schützen, wenn es uns braucht. (Gerade in Bezug auf die Großeltern, unsere eigenen Eltern: Hier ein gesünderes „Standing“ zu beziehen und sich mit seinen Werten, Vorstellungen und Regeln für die eigene Familie zu zeigen, kann ultimativ herausfordern.)

Wenn unsere nächsten Bezugspersonen während unseres eigenen Heranwachsens unsere persönlichen Grenzen nicht geachtet und uns nicht als die Menschen gesehen haben, die wir sind, sondern als „Objekte“, die sich zu beugen und zu funktionieren haben, dann hinterlässt das Spuren in unserem Gehirn.

Verantwortlich für die beschriebenen Unterschiede in der Wahrnehmung und Einordnung von gemeinen Verhaltensweisen und Grenzübertritten Erwachsener sind einerseits das eigene Großwerden, und andererseits zum Beispiel auch Dinge wie gesellschaftliche „Normen“, die ja auch rund um den Erdball unterschiedlich sind.

Ich möchte hier natürlich aufs eigene Großwerden eingehen.

Wenn unsere nächsten Bezugspersonen während unseres eigenen Heranwachsens unsere persönlichen Grenzen nicht geachtet und uns nicht als die Menschen gesehen haben, die wir sind, sondern als „Objekte“, die sich zu beugen und zu funktionieren haben, dann hinterlässt das Spuren in unserem Gehirn. Wir „funktionieren“ dann anders.

Dann ist es für uns womöglich „normal“ dass kindliche Grenzen etwas sind, über das der Erwachsene einfach je nach Lust und Laune drüberspazieren darf.

Unrechtsbewusstsein und Entwicklungstrauma

In diesem Zusammenhang müssen wir auch zumindest kurz von Traumata sprechen, und zwar Entwicklungstraumata, über die du unter anderem bei Dami Charf, Bessel van der Kolk oder auch Dan Siegel etwas lesen kannst.

In meinem Buch „Mama, nicht schreien! Liebevoll bleiben bei Stress, Wut und starken Gefühlen“, das im Mai 2019 erscheint, findest du eine verständliche und alltagsnahe Zusammenfassung der wichtigsten Auswirkungen solcher Traumata auf dein Sein und Lieben als Erwachsene und Elternteil.

Wir wissen heute, dass traumatische Erfahrungen etwas mit unserem Gehirn machen: Sie verändern es, hinterlassen einen bleibenden „Eindruck“. Bei einem Trauma wird der Frontallappen des Gehirns in Mitleidenschaft gezogen, wo auch unser Unrechtsbewusstsein sitzt. (Auch dazu liest du im Buch.)

Bei einem Trauma wird der Frontallappen des Gehirns in Mitleidenschaft gezogen, wo auch Sozialverhalten und Unrechtsbewusstsein sitzen.

Nicht alles, was wir sehen und erleben und sich irgendwie „komisch“ anfühlt bei uns selbst oder anderen, ist auch ein Trauma. Das ist wichtig! Es wär nicht klug, immer überall „Trauma!“ zu schreien.

Und gleichzeitig ist es auch heute so, dass gerade Entwicklungstraumata noch lange nicht jene tragende Rolle zugeschrieben wird, die für die Aufarbeitung von Kindheitserlebnissen notwendig wäre, um wirklich „frei“ zu werden und im Leben voranzukommen.

Trauma ist nicht in der Vergangenheit, es ist immer. Es wird zu der „Linse“, durch die wir unsere Welt sehen.

  • Kann es also sein, dass der Opa die Grenze des Kindes mit seinem gestohlenen Küsschen verletzt, weil seine Grenzen in seiner eigenen Kindheit von den Menschen, die er am meisten brauchte, verletzt wurden? Ja, das kann sein.
  • Ist es möglich, dass der Onkel, der das Kind, das nicht mehr mit ihm spielen will, malträtiert, und sich auch noch darüber freut, schwer traumatisiert ist? Und dass es nicht nur den Anschein erweckt, als hätte er eine ziemlich krasse Störung, sondern wirklich Tatsache ist? Ja, kann sein. (War in dem Fall aufgrund weiterer Beschreibungen sogar sehr wahrscheinlich. Das Kind aus dem Beispiel war beinah noch ein Baby, etwa 1 Jahr alt. Die Mama traute sich nicht, einzuschreiten und diese „Spielchen“ wiederholten sich immer wieder.)
  • Ist es möglich, dass die Oma, die sagt „Das macht mich traurig!“, wenn das Kind sie „ablehnt“, wirklich traurig wird, weil die Ablehnung, die sie in ihrer eigenen Kindheit erfahren hat, wieder laut wird? Ja, auch das ist möglich…

Und – und das ist das Allerwichtigste für uns als Eltern: Wir müssen unsere Kinder dennoch schützen!

Wir dürfen nicht die „Leiden“ und schwierigen Kindheiten bzw. Umstände unserer Eltern, Großeltern, Geschwister, Onkel, etc. dafür heranziehen, um ihr Verhalten zu beschönigen und unsere Kinder ebendiesem auszusetzen. Wir können an diese Geschehnisse denken, um sie besser zu verstehen, wenn wir das wollen. Und gleichzeitig gilt: Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn die Grenzen unserer Kinder mit Füßen getreten werden.

Du kannst deine Eltern, deinen Bruder, deine Schwester, und so weiter lieben, und gleichzeitig für dein Kind stark sein.

Schütze dein Kind – Nicht den Erwachsenen!

Und es kann richtig schwer sein! Weil wir selbst vielleicht auch nicht in einer ganz „heilen“ Welt aufgewachsen sind, weil vielleicht auch unsere Grenzen übertreten wurden. Weil wir vielleicht selbst mit den Dämonen, die uns begleiten, kämpfen.

Wir müssen unser Kind schützen und klar Stellung beziehen. Nicht gegen die andere Person, sondern für unser Kind!

Folge diesem in dir aufkommenden Gefühl von „Hey, da stimmt was nicht!“. Schreite ein, nimm dein Kind zu dir, spende Sicherheit. Dieses Gefühl tief in dir drinnen, möchte dir etwas zeigen. Nimm es wahr, lass es lauter werden. Es ist ein Hinweis.

Bezieh klar Stellung. Nicht gegen die andere Person, sondern für dein Kind!

Also, wie kann das konkret aussehen?

  • Ich kann sagen „Stop!“.
  • Ich kann dem Erwachsenen sagen, was ich nicht erlaube: „Ich erlaube nicht, dass du mein Kind küsst, wenn es das nicht will!“
  • Ich kann erklären: „Mein Kind will das nicht. Ich erwarte, dass du das akzeptierst.“
  • Ich kann mich ans Kind wenden: „Niemand schenkt deine Jacke her, keine Sorge.“ Und dann an die Oma: „Mach meinem Kind keine Angst. Hier wird nichts weggeworfen.“
  • Ich kann auch provokant sein, wenn ich das als sinnvoll empfinde: „Du übertrittst hier eine Grenze und meinem Kind geht es schlecht. Es weint! Du lachst. Merkst du was?“ (Das seh ich als recht angriffig und wenig zielführend, aber bei all den Emotionen kann es auch so und nochmal anders rauskommen. Hauptsache, wir unterbrechen die Handlung.)

Wir dürfen im letzten Beispiel zudem nicht davon ausgehen, dass der Mensch „etwas merkt“. Es kann sein, dass er es nicht merken will und es kann sein, dass er es wirklich nicht merken kann, weil er selbst zu „weit weg“ ist vom Spüren und seinem Unrechtsbewusstsein. Oder er merkt es eh, und es fühlt sich gut an für ihn! Das klingt krass, und dennoch gibt es Menschen, bei denen das so ist. Und wenn wir merken, dass wir es mit einem Menschen zu tun haben, dem es ein gutes Gefühl gibt, wenn andere leiden, und dieser Mensch sich keine Hilfe sucht, dann sollten wir zum Wohle unserer Familie entsprechende Konsequenzen ziehen. Zum Schutz.

In den allermeisten Fällen werden überschwängliche Großeltern und übermütige Onkels, Tanten und Co. wohl etwas überrascht sein. Vielleicht auch verunsichert, ob deiner „Ansage“.  Ob sie verstehen, was du da sagst oder warum dich etwas stört, ist erst in zweiter Linie interessant. Viel wichtiger ist, dass sie dich und deine Vorstellungen akzeptieren und zukünftig entsprechend anders handeln.

Wie genau sie reagieren, kann niemand vorhersagen. Höchstens du selbst, denn du kennst sie ja. Vermutlich besser, als du denkst. Wenn du dich in sie hineinversetzt: Wie werden sie wohl reagieren? Werden sie sich ein wenig unangenehm berührt entschuldigen? Werden sie deine Äußerung akzeptieren, respektieren? Werden sie dir für den Hinweis danken? Werden sie beleidigt sein? Wer weiß.

Sehr schwer, und dennoch notwendig

Und wenn die Mama, die mir ganz oben diese Zeilen schrieb, ihre Mama drauf hinweist, dass ihr Kind nur dann ein Küsschen gibt, wenn es das möchte, dann wird ihre Mama eben: vielleicht verwundert sein. Oder sie sagt: „Huch, ja du hast recht! Also, so machen wir das ab jetzt. Danke, dass du mir das gesagt hast.“ Wär das nicht schön? Und auch, wenn die Reaktion anders ausfällt: Sei mutig. Für dein Kind.

Unser Werden, unser Sein – das alles ist so vielschichtig und höchst individuell. Es kann deshalb auch hier nicht die eine Formel geben, nach der wir unser Handeln ausrichten sollten.

Unser Aufgabe ist es, unsere Kinder zu schützen und nicht anderen Erwachsenen zu gefallen!

Wir müssen immer wieder in uns selbst hineinfühlen. Auch hier geht es, einmal mehr, um unsere Verantwortung als Eltern. Manchmal braucht es dazu richtig viel Mut! Weil es so schwer sein kann, „gegen“ die eigenen Eltern „aufzubegehren“. Auch das ist je nach eigener Kindheit komplett individuell.

Unsere Aufgabe bleibt aber dieselbe, egal ob das einfach oder richtig schwer für uns ist: Wir sind für den Schutz unseres Kindes zuständig. Das ist unsere Verantwortung. Und nicht, unseren Eltern oder jemand anders um jeden Preis zu gefallen.


Vielleicht hattest du als Kind nicht den Schutz, den du gebraucht hättest. Vielleicht hast du dich manchmal ausgeliefert gefühlt. Jetzt, heute, hier bist du das nicht mehr! Du bist erwachsen!

Und nun geh hin, und mach dich groß und stark, FÜR dein Kind.

Ich wünsche dir Mut, Liebe und Vertrauen.

Quellen*:
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Text © Mini and Me, Jeannine Mik; Photo © Adobe Stock, Standard License

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Jeannine ist 30, Autorin, dipl. Kommunikationstrainerin und Bloggerin aus Wien. Sie ist Veranstalterin einer Workshopreihe für bewusste Elternschaft, Beziehungsautodidaktin und leidenschaftliche Verbreiterin der Idee des „Conscious Parenting“ im deutschsprachigen Raum. Neben all diesen Labels ist sie mit ganzem Herzen Mutter einer kleinen Tochter, Verlobte, Wegbegleiterin und immerfort Lernende.

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37 thoughts on “„Mama, ich brauch dich!“ – Warum wir unsere Kinder und ihre Grenzen schützen müssen und uns das manchmal so schwerfällt (vor allem bei Menschen, die uns nahestehen)

  • Reply Anonym 20. Februar 2019 at 13:49

    Vielen Dank für deinen Beitrag! Manchmal frage ich mich, ob man wirklich so viel über das Thema sprechen muss. Ist doch eigentlich ganz klar: Jeder hat seine Grenzen und die gilt es zu achten. Und dann passieren Dinge wie am letzten Wochenende. Da musste ich beobachten, wie eine Großmutter ihren ca. 1 1/2 jährigen Enkel auf den Po haute, weil dieser im Park Blumen anfasste und ihr das nicht passte. Das schlimme, die Mutter und der Opa waren dabei und keinen hat es gestört. Ich bin ruhig und bestimmt auf die Oma zu gegangen, habe ihr gesagt, dass sie das unterlassen soll, dass sie gesetzeswidrig handeln würde. Sie rollte nur mit den Augen, den Großvater störte das auch nicht wirklich, die Mutter auch nicht. Und ich stand da fassungslos, mit Wut im Bauch. Meine dreijährigen Zwillinge neben mir, dachte nur, was machen die mit dem kleinen erst, wenn er in die Autonomiephase kommt.
    Und immer wieder frage ich mich, was würde die Polizei machen, wenn sie Zeuge werden würde? Greifen sie ein? Oder ist der “Klaps“ doch eigentlich völlig legitim in unsere Gesellschaft?
    Und dann wird mir wieder klar: Wir können eigentlich nicht genug darüber reden und wir müssen die Grenzen der Kinder schützen.

  • Reply Anna 20. Februar 2019 at 14:13

    Jaaa! So wichtig! Weihnachten war bei uns echt krass. Ständig wurde mein Sohn von jemandem auf den Schoß genommen. Er hat sich dann losgerissen, kam zu mir und sagte „Mama das mag nicht“. Ich hab das dann eher subtil gelöst und laut wiederholt „du magst das nicht, wenn dich ständig jemand ungefragt anfasst? Das kann ich verstehen, das mag niemand.“ Damit war das Thema dann zum Glück erledigt.

  • Reply D. 20. Februar 2019 at 14:19

    Vielen Dank für einen weiteren wundervollen Beitrag, der mich zum Nachdenken bringt und darin bestärkt mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen.

  • Reply Claudia 20. Februar 2019 at 14:19

    Liebe Jeannine,
    Danke für diesen wertvollen Artikel. Mich gruselt es jedes Mal wenn ich solche Sachen lese oder höre. Ja du hast Recht, jeder Mensch bringt sein eigenes Erziehungspäckchen mit (ich hab mit traumatisierten Menschen gearbeitet – da gibts ja wahrlich genug schlimme Sachen). Und umso mehr freu ich mich über deine letzten Worte: es ist dennoch unsere Aufgabe unsere Kinder zu schützen, nicht anderen zu gefallen oder sie immer wegen ihrer Kindheit in Schutz zu nehmen.
    Danke für diese klaren Worte, die hoffentlich viele Menschen lesen und anregen werden!

  • Reply Joyce 20. Februar 2019 at 14:28

    Genau mein Thema!
    Genau die genannten Beispiele passieren bei uns immer wieder mit der Oma.
    Meine Tochter hat sich immer schon klar abgegrenzt, als Baby durchs Schreien, mittlerweile mit klaren Neins und indem sie die Person von sich wegstößt. Es sind deutliche Signale die trotzdem immer wieder ignoriert werden. Ich stehe meinem Kind bei, beziehe klare Position, bestärke sie und im letzten Schritt bin auch ich es die der Oma Stopp sagt.
    Ich habe der Oma erklärt, dass sie die Grenzen akzeptieren muss, dass sie keine Küsschen oder körperlichen Kontakt erzwingen darf und dass sie auch nicht äußern soll, dass sie traurig wäre wenn sie nun kein Küsschen o.ä bekommt.
    Sie akzeptiert es dann meist und verfällt im nächsten Besuch ins gleiche Muster. Sie sucht sich dann auch bewusst Situationen aus in denen mein Kind abgelenkt ist (Fernsehen schauen z.b) um sich dann neben sie zu setzen und sie zu streicheln. Ich lasse meine Tochter oft nicht mehr mit ihr alleine in einem Raum, sie besucht die Oma auch nicht mehr alleine. Mittlerweile ist mein letzter Ausweg den Kontakt generell sehr einzugrenzen oder abzubrechen. Ich finde es sehr schade, denn sobald das Eis zwischen den beiden gebrochen ist, spielen und toben sie auch ganz natürlich miteinander.

  • Reply Maya 20. Februar 2019 at 14:42

    Hallo ihr lieben,ich bin der Meinung dass wir Verantwortung für unser eigenes Verhalten und Handeln übernehmen müssen. Vieles zu überdenken ,alte Verhaltens und Glaubenssätze durchbrechen und neu zu kreieren ja neu zu gestalten. Auch eine oma kann lernen zu akzeptieren dass ihr Enkel sie trozdem lieb hat auch wenn er ihr kein küsschen gibt , der enkel kan ihr freundlich die hand schütteln oder sie auch einfach mit einem lächelnden hallo begrüssen. Unsere oma kommt nach einem klährenden gespräch super mit dem klar! Ich finde es sehr wichtig unsere Kinder zu schützen und unterstützen in ihren Entscheidungen und Handlungen das stärkt ihr Selbstwertgefühl und sie werden selbst filleicht mal Eltern die dann auch wieder gestärkte Kinder mit Selbstvertrauen auf die welt bringen,nur so kann sich etwas in unserer Gesellschaft verändern und bewegen.
    Wir lesen zuhause gerne das Buch ,,vom grosswerden und starksein,, von jana frey. Bettina gotzen-beek Löwe verlag
    Ein geniales Buch um kinder vieles zu erklähren sich selber zu reflektieren und überprüfen und einen neuen weg auf zu zeigen. Nein sagen ist wichtig!
    Alles liebe und viel spass beim Bilderbuch

  • Reply KernölRiesenrad 20. Februar 2019 at 15:21

    Ein sehr schöner, sehr wichtiger, sehr bewegender Artikel. Danke!

  • Reply Jenny 20. Februar 2019 at 15:39

    Gut, dass das mal gesagt wurde. Danke Jeannine. Als meine Tochter geboren wurde, hatte ich sofort einen sehr starken Beschützerinstinkt – interessanterweise gerade gegenüber der Familie. Und dann stand ich daneben, als mein Opa meine Tochter an den Händen gerüttelt und mit ihr geschäkert hat, kurz nachdem sie vor Reizüberflutung bitterlich geweint hat. Ich habe schon keine Luft mehr bekommen vor Anspannung, aber ich konnte nichts sagen. Das war so schwer. So ohnmächtig habe ich mich selten gefühlt. Schließlich habe ich ihm meine Tochter wortlos entzogen. Danach habe ich den Kontakt abgebrochen, weil ich mir nicht anders zu helfen wusste. Der Schutz meiner Kleinen steht an oberster Stelle. Und jetzt bin ich dabei mein Familientrauma zu verarbeiten. Ich bin gespannt wie sich die Beziehungen innerhalb meiner Ursprungsfamilie verändern werden.

  • Reply nora 20. Februar 2019 at 15:48

    Wir wohnen in Südeuropa, da sind die körperlichen Grenzen doch um einiges kleiner, tiefer als bei uns. Daran musste ich mich gewöhnen, hat ja seine Vor- und Nachteile. Wenn mein Kind etwas nicht will, das eine andere Person von ihm verlangt, „übersetze“ ich seine Reaktion. Nein, er gibt nicht gerne Küsschen. (Was hier sehr wichtig ist… ) Meist kommt dann die fröhliche Antwort, das sie es als Kind auch nicht mochten. Dann wird drüber gelacht und mein Sohn ist gerettet :) Oder die im Spiel störende Nachbarin, die die bei 20 Grad mit Wasser spielenden Kinder bei den Eltern verpfeifen will, da die Lungenentzündung nicht weit ist, versuche ich schnell in ein Gespräch über ihre Kindheit und „Kindheits-Unsinn“ zu verwickeln.
    Mein Sohn brauchte nach Weihnachten ein bisschen länger, um in den Kindergarten-Raum einzutreten. Die Erzieherin erzählte ihm darauf hin, das der Weihnachtsmann alles sieht und die Geschenke wieder wegnimmt, wenn er nicht gleich ins Zimmer rein kommt. Er sah mich erschrocken an und ich sagte ihm, das das nicht so sei, was seins ist, ist seins. Niemand nimmt das wieder weg.
    Allerdings wundert er sich über andere Regeln und Verhaltensweisen anderer Menschen, darüber sprechen wir und es ist mir wichtig, das er sie auch kennen lernt.
    Ich finde, schwierig ists vor allem beim Partner. Wenn dieser etwas macht, was mir nicht gefällt, sollte man danach drüber sprechen. Nicht vor dem Kind. Genauso anders herum. Es ist ihre Beziehung, in die ich nicht einfach rein platzen darf. Auch wenn oft die Löwin erwacht…

  • Reply Ja 20. Februar 2019 at 15:50

    Du triffst es auf den Punkt. Und doch bin ich so oft Ohnmächtig, ich weiss genau ich muss meine Kinder, vorallem die Grosse schützen und ich schaffe es nicht immer.

  • Reply Saskia 20. Februar 2019 at 16:08

    Sehr guter und ein unglaublich wichtiger Artikel ♡ ich mache es immer wieder bei meinem Kind. Eigentlich vollkommen unbewusst .. aber ich erfahre in dem Artikel Bestätigung . Danke!!!

  • Reply Christina 20. Februar 2019 at 17:21

    Danke für den tollen Beitrag!
    Das haben wir häufig mit meiner Schwiegermutter erlebt und dazu noch völliges Unverständnis wenn wir sie darauf angesprochen haben. Da kamen dann so Sätze wie, so lange der Kleine noch nicht nein sagen kann darf man ihn ja anfassen und küssen wie man will. Wir sollten uns nicht so anstellen.
    Das und einige andere Vorkommnisse haben dann dazu geführt dass wir den Kontakt unterbunden haben weil auch unsere Grenzen immer wieder überschritten wurden. So was kann dann leider das Ergebnis sein. Trotzdem würde ich es wieder so machen auch wenn ich zwischenzeitlich sehr daran geknabbert habe und unsicher war.
    Ich bin mutiger geworden!

  • Reply Ilona 20. Februar 2019 at 17:22

    Oh wie wichtig dieser Beitrag ist!! So wunderbar, dass du dieses Thema aufgegriffen hast. Das wird einige Mamas bestärken nach ihrem Bauchgefühl zu handeln (- wie mich auch)!

    Ich muss oft gegen die Erpressungen der Oma (SchwieMu) „arbeiten“, bei fast jedem Besuch. Das ist anstrengend, es stört die Stimmung und ich mach mich immer unbeliebter und unbeliebter. Mein Mann meint, ob ich nicht irgendwann alles „lockerer“ sehen könnte.. neee, will ich nicht, denn es betrifft meine Kinder. Ist mir mittlerweile egal, ob ich mich unbeliebt mache.

    Und als letztens mein Vater die 3-jährige um 21:30 packte und in ihr Bett brachte (nachdem sie von 18-20 Uhr geschlafen hatte – ihr wisst was das heißt (hab sie schlafen lassen weil angeschlagen)) und mit einem bestimmerischen „ab ins Bett! Jetzt ist Schluss“ den größten Familienstreit seit 10 Jahren auslöste, wusste ich, dass ich meine Kinder NIE einen einzigen Abend bei meinen Eltern lassen würde. Denn durch so eine derart boshafte (und auch gewaltbehaftete) Umgangsweise wurden bei mir einige Grenzen überschritten. Das möchte ich meinen Kindern ersparen.
    Bzw: das habe ich meinen Kindern zu ersparen!

  • Reply Noemi 20. Februar 2019 at 17:24

    Danke für diesen so wertvollen und wichtigen Artikel
    Am Anfang beschreibst du diese Situationen und forderst uns auf hinzuschauen, was es in uns macht. Und da ist mir wieder richtig bewusst geworden, was ein grosses Thema von mir ist: ich fühle mich unsichtbar, mein inneres Kind ruft immer wieder: hey, siehst du mich? Ich bin hier!
    Und das macht es für mich unglaublich schwierig, mein Kind zu schützen. Ich traue mich nicht, habe eine riesen Angst vor Ablehnung… Dein Artikel ermutigt mich und ich hoffe so sehr, dass ich immer mehr für meine Kinder (und auch für mich) einstehen kann.
    Danke

  • Reply Cornelia Schürrer 20. Februar 2019 at 18:30

    Wie passend. Kurz bevor ich den Artikel gelesen hab, war der Opa da und ich fand mich (bzw mein Kind) 1:1 in der gleichen Situation wieder. Einfach ganz toll der Artikel, danke dafür. Überhaupt der geht blog ist mega. Ich möchte es so umsetzen aber allerdings fällt es mir schwer, ich möchte den Opa nicht verletzen.

  • Reply Aleks 20. Februar 2019 at 19:11

    Oh wow! Danke Dir für diesen so wichtigen Artikel! Das trifft genau meine Punkte. Knallhart erwischt! Die ersten Monate nach der Geburt meiner Tochter habe ich sehr mit dem Thema zu kämpfen gehabt und mittlerweile setze ich mich aber zum Wohle meiner Tochter durch und es tut mir sehr gut! Nachdem ich mich einmal überwunden habe ihre und auch meine Grenzen zu wahren, wurde es wie eine Befreiung. Das erschreckende für mich ist, dass ich am Verhalten meiner Mutter ihr gegenüber immer wieder mit meiner eigenen Kindheit konfrontiert werde.

    Danke dir für die Mühe einen solchen Artikel zu schreiben! Er bestärkt mich immens!

  • Reply Tanja 20. Februar 2019 at 19:34

    Ein toller Artikel, in dem ich unsere anfängliche Situation wiedergefunden habe und der mich darin bestärkt, weiterhin auf meinen Bauch zu hören und für mein Kind einzuschreiten, wenn es selber nicht in der Lage dazu ist bzw. das Gegenüber nicht begreift, dass mein Kind nicht will. Es ist schwierig und anstrengend, die zurechtzuweisen, die man liebt, aber die Liebe zu meinem Kind steht über allem und das gibt mir die Kraft und den Mut mich für mein Kind immer und immer wieder einzusetzen und stark zu machen. Vielen Dank!

  • Reply Stefanie Hendel 20. Februar 2019 at 20:36

    Sehr guter Artikel,
    Ein Thema was mich sehr berührt und auch oft an meine Grenzen bringt. Leider habe ich schon handlumgsohnmächtig daneben gestanden, wenn mein Kind zB über den Kopf gestreichelt wurde obwohl es das nicht wollte, oder geküsst trotz seines ‚Neins‘. Es ist ein langer Weg, wenn man selbst damit aufgewachsen ist, das eigne Grenzen von nahestehenden Personen übergangen wurden. VIELEN DANK FÜR DEN GUTEN BEITRAG

  • Reply Anne 20. Februar 2019 at 20:55

    Vielen Dank! Ich habe mich schon oft bei Erwachsenen unbeliebt gemacht, weil ich meine Kinder schützte. Dennoch gibt es für mich nicht den allergeringsten Zweifel, das Grenzen der Kinder zu beachten sind. Meine Tochter weinte, weil sie sich weh getan hatte. Eine fremde Frau sagte: du bist aber nicht hübsch,, wenn du weinst! Und du willst doch eine hübsche Prinzessin sein? Ohne Worte . Manche Menschen sind so wahnsinnig dumm.

  • Reply Daniela 20. Februar 2019 at 21:16

    Danke ,danke ,danke ,es ist so wahnsinnig wichtig genau hinzuschauen und hinzuhören !!

  • Reply Svenja 20. Februar 2019 at 22:05

    Auch ich bedanke mich von Herzen für deine tollen, super wichtigen Artikel!! Ich las hier gerade in einem anderen Kommentar, dass das eigene innere Kind so oft getriggert wird, was das Verhältnis zu der Ursprungsfamilie angeht! Genau so ist es bei mir auch! Mein Sohn ist nun 10 Monate und ich habe schon einige kleinere und größere Konflikte, insbesondere mit meiner Mutter, durchgestanden.

    Auch, wenn es mir ganz viel Kraft abverlangt, stehe auch ich für meinen Sohn ein und spüre diesen starken Beschützerinstinkt seit seiner Geburt.

    Da waren so einige Situationen, die mich zum kochen brachten:

    – Mein Sohn (gerade mal 6 Wochen jung oder so), Oma (meine Mum) und ich gehen eine Runde mit dem Kinderwagen spazieren (im Nachhinein bereue ich, dass ich nicht viel eher mit dem Tragen begonnen habe, aber ich traute mich da noch nicht so wirklich ran und Kinderwagen war ja immer so „normal“… Kannte man ja so… „Babies fahren im Kiwa…“🙄🙄) Mein Sohn war bis er in dem Ding sitzen konnte überhaupt kein Fan des Kinderwagens, wie ich dann auch irgendwann akzeptiert habe. Naja, anderes Thema. Auf jeden Fall fing er nach nur einigen Metern Spazierens im lauten Hamburg an zu weinen. Ich meinte direkt, wir kehren um, nach Hause, damit er wieder an meinen Busi und dahin wo es ruhig ist kann. Meine Mutter hatte sich aber in den Kopf gesetzt, dass wir doch sooo schön klischeehaft spazieren und meinte „ach komm, er beruhigt sich bestimmt gleich wieder, Babys weinen halt.“ Und fuhr energisch den KiWa voran, mit meinem schreiendem, unglücklichen Baby! Als das Weinen etwas abflachte, er aber dennoch wimmerte und ich merkte, ihm geht es einfach nicht gut in diesem scheiss Kinderwagen (sorry, emotionales Flashback gerade) sagte sie doch auch noch glatt leicht erhaben „siehst du, er hat doch schon aufgehört…“ Es zerriss mir das Mutterherz! Ich sie überemotional angeschrien „Wir gehen jetzt sofort zurück!!!“

    Es regnete plötzlich, wir hatten keinen Schirm dabei, die blöde KiWa Folie auch vergessen. Konnte ihn nicht auf den Arm nehmen (Regen)… Ich war völlig gestresst und hysterisch. Und sie hat es überhaupt nicht verstanden….

    Die Dinge oder Sätze, die mich am Meisten triggern (in Bezug auf meine eigene Kindheit, in der ich in meiner Lebendigkeit oft gedrosselt wurde) und nun in Bezug auf meinen Sohn:

    – „nun wein‘ doch nicht vor dem Kind“ (wenn ich vor meiner Mutter oder Oma mal weinen muss, weil ich erschöpft oder traurig bin) – Generell wird weinen durch sie untersagt. Habe noch heute Situationen mit meiner Mutter, in denen sie energisch fordert „hörst du jetzt mal auf zu weinen (oder heulen – mein Lieblingswort in dem Kontext… Ähm nee…)

    Dann über meinen Sohn:
    „Hach, der Y. ist soo ein braver/artiger/lieber Junge“ (Mein absoluter Aufreger!!!!!!! Jeeeeeedes Mal aufs Neue!!) Und ich werde nicht müde, ihnen diese ätzenden Betitelungen auszureden! Dialog dazu:

    „Warum ist er denn „brav“? Was heißt das für ein Baby? wann ist es denn bitte nicht „brav“?“

    „Na manche Kinder schreien/weinen ja so viel… Und er ist so ein liebes Kind…“

    „Aber wenn sie weinen, haben sie doch meistens einen Grund???“

    Also ganz ehrlich, das treibt mich wirklich zur Weißglut, weil es die Ganzheit der menschlichen Gefühlspalette einfach mal komplett verleugnet und es sooo soo unfair ist, einen (vor allem heranwachsenden) Menschen danach zu kategorisieren bzw ihm seine völlig legitimen Gefühle abzusprechen. Kein wunder, dass ich noch heute viele (vermeintlich) negativen Gefühle abspalte und wiederum bei anderen selbst schwer ertragen kann :( Insbesondere bei meinem Sohn… WENN er dann mal „unbequeme“ Phasen hat, gerate ich super schnell in Stress…

    Auch „schön“ von meiner Mutter, die meinem Sohn bzw uns für ihn sehr viele Dinge kauft … schöne Unterstützung, aber manchmal mit den Worten: „Wenn Oma dann bald mal kein Geld mehr hat, kann sie das auch nicht mehr…“

    Oder sie fummelt jedes Mal an seinen Haaren rum und „plant“ bereits, wie seine Haare dann bald geschnitten werden… „und dann lassen wir dir die Haare schön lang wachsen und schneiden dir so einen Surferhaarschnitt… so etwas länger und richtig gutaussehend…“ Irgendwie reizt mich das, weil a) sie das nicht zu bestimmen hat und b) mich diese Oberflächlichkeit was Äußerlichkeiten, vor allem bei kleinen Kindern, angeht nervt!

    „Man isst nicht mit den Händen…“
    „Doch, darf er!“
    „ooh ohh, das ganze gematsche. Oma hat doch gerade hier sauber gemacht…“

    Vor einigen Wochen noch:
    „Er hat Hunger! Er kriegt doch nur den Busen. Wird er davon denn satt. Nun gib ihm doch mal was richtiges!“

    „Nun gib ihm doch mal ein brötchen in die hand. Alle kinder knabbern eins unterwegs“
    „ich möchte nicht, dass er zur reinen ablenkungsbeschäftigung mit nem fetten brötchen in der hand dasitzt. er hat doch gerade den busen gehabt und kriegt später mittag?!“

    Oder meine Oma heute vor dem frühstück ihm direkt so ein brötchen in die hand gedrückt beim spielen?! „äähm, wir essen doch gleich alle zusammen. da wollte ich ihm gern das brötchen geben und nicht davor“

    Komme mir dann manchmal so spießig vor?

    Ich weiß, es geht hier auch oft um meine Grenzen… Und dadurch, dass es mir selbst schwerfällt meine zu wahren, ist es dann auch echt nicht einfach die meines Sohnes zu 100% zu schützen…

    „Lass ihn nicht immer ohne Windel herumrennen, dann piescht er überall hin. Das neue Sofa“
    „ähm ich möchte, dass er auch mal erfährt, wie es sich ohne windel anfühlt…? Können wir ihm bitte nicht seine körpererfahrungen nehmen, nur weil wir nicht putzen wollen?“

    Hach, ihr seht, ich kann mich da echt in Rage schreiben ;)

    Danke für dieses wichtige Thema!!

    Ich möchte auch noch viel viel mutiger werden, was das angeht! Und auch bewusster… Bei einigen Dingen bin ich glaube ich doch noch ein wenig zu zaghaft… zB das Geküsse der Verwandten… Vielleicht küssen wir als Eltern ihn auch viel zu viel. Da möchte ich nochmal drauf achten. Erwische mich öfters dabei, dass ich denke „hmm nerve ich ihn mit dem ganzen Geküsse nicht vielleicht auch mal?“

    • Reply Svenja 21. Februar 2019 at 7:35

      Oops, eine Nacht drüber geschlafen, lese ich gerade nochmal so über meinen Text und muss sagen, vieles davon ist irgendwie doch mehr in meinem eigenen Grenzbereich🤭🤭🙈🙈 Aber für mein Empfinden auch in dem meines, noch so kleinen, Sohnes… Bin da in meinen Schilderungen ein wenig ausgeartet. Der Text war ja hauptsächlich auf die Grenzen des Kindes bezogen.

      • Reply mokey 23. Februar 2019 at 16:09

        Ich glaube, genau das ist das schwierige daran. Dass wir in solchen Situationen unsicher sind, was die Grenzen des Kindes sind und was die Erinnerungen an die eigene Kindheit.
        Fühlt es sich für das Kind gerade auch falsch an? Oder ist es unsere Erinnerung, die es sich gerade falsch anfühlen lässt?
        Und das macht es so schwer. Denn einerseits will man sein Kind ja schützen (damit es ihm nicht genauso geht wie uns als Kind), andererseits will man sich nicht „anstellen“.
        Und so steht man daneben, die Situation fühlt sich nicht richtig an, aber man ist auch nicht in der Lage zu handeln. Und genau das ist mit dem inneren Kind und dem triggern gemeint. Man wird wieder zu dem hilflosen Kind.
        Es ist schwer, sich durchzusetzten, obwohl man den anderen nicht verletzen will. Aber anders lässt sich der Kreis wohl nie durchbrechen. Und eigentlich sollte eine gute Beziehung auch aushalten, dass man nicht einer Meinung ist. Also das die Mutter der Oma sagt „früher war das vielleicht so, aber für mein Kind will ich das nicht!“

  • Reply Rahel 20. Februar 2019 at 22:27

    Danke für diesen Artikel! Ich kenne diese Probleme und habe meine Schwiegermutter nach einiger Überwindung darauf angesprochen. Ich war so erleichtert, als sie völlig einsichtig war (küssen erwarten zur Begrüßung) und mir zustimmte. Seitdem fällt es ihr zwar schwer, aber sie zeigt total, dass sie sich verändern will. Manchmal kommt einem das Ansprechen darauf so schwierig vor und ist vielleicht gar nicht so schlimm. Ich habe es mit dem Thema „Schutz vor sexuellem Missbrauch/ ein Kind kann nicht unterscheiden, ob es jetzt der vertrauten Oma den Kuss geben muss oder dem vertrauten Lehrer“, das finde ich die logischste Erklärung um Verständnis zu erwarten. Traut euch!!❤️

  • Reply Iris 21. Februar 2019 at 8:08

    Liebe Jeaninne,
    ich finde deine Artikel immer sehr durchdacht, zeitnah und aus dem Herzen geschrieben 🤗. Ich habe noch eine ganz kleine Tochter mit 3 1/2 Monaten und hoffe dass ich den Mut finde genau das zu machen bzw. darf ich mich gerade als Mama sehr weiterentwickeln 😃. Danke für deine spannende Arbeit 😍. Alles Gute Iris

  • Reply Barb 21. Februar 2019 at 8:50

    Ja! Danke!

  • Reply D. 21. Februar 2019 at 9:41

    Eine ganz wichtiger und passender Artikel. Ich kenne bisher keine Familie, in der es nicht mal zu solchen Situationen kam. Umso wichtiger ist dieser Beitrag und deine, wirklich stimmige Sichtweise, um Eltern zu bestärken für ihr Kind einzustehen.
    Bei unserer Tochter kam es auch zu einer Situation zwischen ihrem Vater und mir, weil er zu tiefst getroffen war als sie sich nicht von ihm trösten lassen wollte und er uns beide dann fest gedrückt hat als sie auf meinem Arm war. Sie wollte sich raus drücken und dieses Signal wurde nicht ernst genommen. Bis ich „Stop jetzt“ gesagt habe. Er war sehr traurig und verletzt, hat sich zunächst zurückgezogen. ABER: seitdem achtet er ihr Nein! immer und vertritt es auch gegenüber anderen wenn diese es es nicht wahrnehmen (wollen). Das hat mir gezeigt, dass es sein MUSS, dass wir das Wort erheben oder Situationen unterbinden wenn unsere Tochter es nicht selber schafft.
    Dabei wollen wir ihr aber auch zu aller erst die Möglichkeit lassen, es selbst zu tun. Und auch zu schauen ob es auch ihre Grenze ist, wo es unsere wäre. Denn auch das gibt es. Das sie Situationen nicht unterbindet die ich persönlich nicht mögen würde (wildes Toben)
    Eine andere Sitution ist verbale Androhung von allein gelassen werden. „Wenn du nicht gehst, gehen Mama und ich alleine.“ Da gehe ich direkt mit ihr in den Kontakt und erkläre ihr, dass ich sie nie alleine lasse wenn sie nicht möchte. Meine Reaktion ist da aber auch personenabhängig. Es gibt Menschen wo ich in der direkt Konfrontation anbringe, dass wir ihr nicht mit so etwas drohen. Und es gibt die Menschen wo ich es meiner Tochter direkt erkläre und die direkte Konfrontation vermeide.
    Ich habe auf jeden Fall durch die Geburt meiner Tochter auch in anderen Bereichen gelernt meine Meinung öfter mal zu äußern ( Auf der Arbeit – Pflege ) anstatt es hinzunehmen wie es eben gemacht wird.
    Ich freue mich auf das Buch im Mai. Deine Artikel sind so toll, unverschönt und öffnen die Augen. Danke dafür!!!

  • Reply Armina 21. Februar 2019 at 9:44

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich befinde mich ganz oft in so einer Situation und bin ehrlich manchmal damit ziemlich überfordert, auch weil ich einfach nicht weiß, was ich dann für eine Situation bekomme. Bei einigen Personen habe ich einfach die Angst, das es eskaliert, einfach aus anderen Situationen heraus, wo diese Personen bei jeglicher Kritik einfach in die Luft gegangen sind und ich nicht möchte, dass das vor meiner Tochter passiert. Ich habe noch keinen Weg gefunden, dass sowohl meine Tochter als auch mein Bauchgefühl zufrieden sind.

  • Reply Anne 21. Februar 2019 at 12:09

    Danke, danke für diese wichtigen Zeilen! Ich wünschte es würde jeder lesen. Ich habe in vielen Situationen lange nichts gesagt. Aus Angst, das war mir immer klar. Aus Angst zu verletzen, aus Angst unangenehm aufzufallen, aus Angst vor negativen Reaktionen. Irgendwann habe ich angefangen Stopp zu sagen und dann kurz erklärt. Mit Herzklopfen und rotem Kopf, aber stolz auf mich, dass ich meine Tochter verteidigt habe. Das Gefühl hielt danach lange an, viel schöner, als das schlechte Gewissen, das ich hatte, wenn ich mich nicht traute… Dein Beitrag bestätigt und unterstützt mich.

  • Reply Theresa 21. Februar 2019 at 22:04

    Vielen lieben Dank für den tollen Beitrag.
    Mein Baby ist erst ein paar Monate alt und es passiert dass andere, entfernt Bekannte oder auch wildfremde Personen auf uns zu kommen und uns zunächst freundlich interessiert ansprechen. Das ist soweit auch schon und meist nett. Allerdings ist es mir nun schon mehrmals passiert dass diese Personen meiner Tochter ins Gesicht fassen oder in die Wange kneifen. Ich kann mich da gar nicht schnell genug wegdrehen (Baby ist in der Trage). Mir tut das richtig leid und empfinde es als übergriffig meiner Tochter gegenüber aber bin jedes mal leider so baff und sprachlos dass ich nichts sage.
    Hast du einen Tipp für mich?
    Ich habe mir einmal fest vorgenommen der nächsten Person direkt zurück in die Wange zu kneifen, aber das traue ich mich ja doch nicht.
    Liebe Grüße, Theresa

    • Reply anonym 5. März 2019 at 12:27

      Das ungefragte Anfassen meiner Kinder in der Trage oder außerhalb von fremden Menschen kenne ich. Das ist extrem übergriffig. Ich wollte auch gerne mal „zurückfassen“, damit Sie spüren wie sich das anfühlt. Ich habe es aber immer dabei belassen zu sagen:“ Nicht anfassen! Wir kennen uns doch gar nicht!“
      Kinder werden ständig als Objekt gesehen, an denen man seine eigenen Bedürfnisse befriedigen kann. Schrecklich! Und auch nett gemeinte Dinge, wie Kinder in der Schlange vorzulassen oder mit dem Auto plötzlich mitten auf der Straße stehen zu bleiben, damit das Kind rüber geht, tragen nicht zur Vorbereitung auf das wahre Leben vor und verwirren die Kinder.

  • Reply K. 22. Februar 2019 at 7:42

    Wir erwarten unser erstes Kind, und ich weiß jetzt schon, dass es Konflikte mit meinen Eltern geben wird.
    Meine Mutter ist die absolute „Küsschen-Oma“. Sie freut sich jetzt schon darauf den Kleinen „von oben bis unten abzuknutschen“. So hat sie es mit mir gemacht und ihre Mutter auch mit mir. Das ist normales liebevolles Verhalten für sie und sie ist jetzt schon total verrückt vor Vorfreude auf „Ihr“ Enkelkind.
    Insgeheim hoffe ich dass der Kleine nicht anlehnend ihr gegenüber ist, damit es nicht zum großen Streit kommt, weil ich ihn schützen will.

    Ich selber habe irgendwann im Teenager-Alter aufgehört sie zur Begrüßung / zum Abschied auf den Mund zu küssen, weil sich das für mich nicht mehr richtig anfühlte, sondern gebe ihr seitdem Küsschen auf die Wange. Damit kommt sie manchmal heute noch nicht mit klar, und reagiert verletzt.

  • Reply Anonym 22. Februar 2019 at 10:56

    Ein toller und inspirierender Artikel- für mich sehr ansprechend geschrieben. Vielen vielen Dank, kann mir echt was mitnehmen und fühle mich bestärkt auf mein Bauchgefühl zu hören.
    Alles Liebe!

  • Reply Juliane 22. Februar 2019 at 12:40

    Danke!
    Der Artikel/ das Thema ist so wichtig! Mir geht es ähnlich (ähnliche Erfahrungen, ähnliche Gefühle). Ich finde es aber richtig schwer, für die Grenzen meines Kindes (2 J.) einzustehen. Ich lerne gerade erst, meine eigenen Grenzen klar zu haben. Und wachse da sozusagen rein im Zuge der Mutterschaft. Das tut gut (und ist auch so wichtig für mein Kind). Es ist aber auch viel emotionale Arbeit.
    Der Artikel bestärkt mich vor allem in 2 Dingen: meinem Bauchgefühl zu trauen und die Grenzen meines Kindes/ sein Wohlbefinden hochzuhalten (und nicht die Liebe zur Harmonie oder Bequemlichkeit voranzustellen).

  • Reply Angelika 22. Februar 2019 at 15:45

    Liebe Jeannine,
    ich kann mich nur vielen vorangegangen Kommentaren anschließen: ganz wichtiger und toller Artikel. Vielen Dank dafür!

  • Reply Serina 27. Februar 2019 at 21:05

    Ich bin sehr dankbar über deine Gedanken.
    Danke für die Anregungen.. Ich kann dir nur zustimmen das es unsere Aufgabe ist unsere Kinder zu schützen und sage aber auch das es nicht immer leicht ist.
    Habe mir schon dein Buch vorbestellt und freue mich auf Mai und vieles mehr!!!

    Mach weiter so und teile deine Gedanken bitte mit uns..
    LG

  • Reply merly 20. Mai 2019 at 21:15

    Das haben diese großartigen Zauberer für mich getan. Ich glaube nie an Magie, bis ich versucht war, es zu versuchen. Mein Mann und ich hatten viele Probleme, zusammen zu leben. Er wird mich nicht immer glücklich machen, weil er sich in eine andere Frau außerhalb unserer Ehe verliebt hat. Ich habe mein Bestes versucht, um sicherzustellen, dass mein Mann diese Frau verlässt, aber je mehr ich mit ihm spreche, desto mehr macht er mich traurig, und meine Ehe wurde geschieden, weil er sie mir nicht gibt. Angesichts all dieser Schmerzen und Ängste habe ich mich entschlossen, diese Zauberer zu kontaktieren, um herauszufinden, ob es zwischen mir und meinem Ehemann wieder funktioniert. Dieser magische DR PEACE erzählte mir, dass mein Mann wirklich in einem großen Chaos steckt, dass er magisch bezaubernd ist, also sagte er mir, dass er alles wie gewohnt tun würde. er fuhr fort und sprach den Zauber für mich, nach 3 Tagen sprach er den Zauber auf meinen Ehemann. Er hat sich komplett verändert. Er entschuldigte sich bei mir und sagte, wie er mich behandelte, dass er nicht wusste, was er tat. Ich und mein Mann sind wieder zusammen. Ich danke DR PEACE sehr, dass sie mir jemals meinen Ehemann zurückgegeben haben. Ich möchte ihn alle für diejenigen kontaktieren, die Probleme im Zusammenhang mit Ehe- und Beziehungsproblemen haben. Er wird es für Sie lösen. Seine E-Mail-Adresse lautet hier: doctorpeacetemple@gmail.com
    WhatsApp: +2348059073851
    Viber: +2348059073851

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