Mama arbeitet und die Frage: Wie machst du das?

Meine LeserInnen sind so toll! Das mal vorweg. Kürzlich erhielt ich auf Facebook eine Nachricht von H., deren Tochter im Juli zur Welt kam. Wie ich hat sie karenztechnisch wohl die Variante 12+2 gewählt, denn bereits im September soll sie wieder zu arbeiten beginnen. Bei mir scheint das alles „so reibungslos zu funktionieren“, die Kombination von Beruf und Kind, schrieb sie mir. Und ob ich darüber nicht mal bloggen wollte: Wie schaffst du das?

Mama arbeitet? Stress ahoi!

Nun, die ehrliche Antwort ist: Nicht ich schaffe es, sondern es schafft mich. Egal, wie viel oder wenig ich neben dem Mamasein beruflich mache, es ist anstrengend. Seit Mini auf der Welt ist, versuche ich, nicht mehr als einen „Termin“ pro Tag einzuteilen. Das heißt, entweder ich gebe Privatstunden oder ich gehe zu einem Kundengespräch. Oder zum Dreh, zur Moderation, ab und an zum Crossfit oder sonst wohin. Mehr als ein Termin lässt einen unangenehmen Druck in der Brust entstehen. Immer noch, obwohl Mini schon fast 10 Monate alt ist. Das kennt ihr anderen Mamas sicher.

Wenn Mini ein bisschen älter ist, möchte ich das Ganze wo möglich umstrukturieren. Mein Ziel ist es, alles soweit hinzubekommen, dass ich an etwa drei Tagen pro Woche „unterwegs“ bin, Termine wahrnehme und arbeite. Die restlichen Tage möchte ich gern bei der Kleinen sein, wenn es sich irgendwie einteilen lässt. Schließlich habe ich kein Kind bekommen, um es dann täglich abzugeben und selbst „auf lepschi“ zu gehen.

Mama hat Hilfe!

Diese Flexibilität ist für mich nur aufgrund von drei Faktoren möglich:

1. Ich bin selbständig. Das ist wirtschaftlich betrachtet in Österreich ein Fluch, aber dieses eine Mal im Leben kann ich sagen, dass die Selbständigkeit ein Segen ist. Freie Zeiteinteilung, juchu!

2. Minis Papa ist selbständig. Vorteile siehe Punkt 1.

3. Minis Großeltern fungieren als Babysitter und sie sind die besten, die man sich wünschen kann. Gerade dieser dritte Punkt erleichtert so vieles! Ja, er macht das meiste überhaupt erst möglich. Meine Eltern freuen sich wie Schnitzerl, wenn ich sie darum bitte, für ein paar Stunden auf Mini aufzupassen.

Wenn ihr mich zum Beispiel hier geliked habt, dann wisst ihr vielleicht, dass ich bereits drei Monate nach Minis Geburt wieder regelmäßig, einmal pro Woche, gedreht habe. Die Dreharbeiten nahmen im Schnitt 3,5 Stunden in Anspruch, mit Anreise und Vorbereitung kam ich auf etwa 5 Stunden. Mini nahm das Fläschchen nicht, also wäre es nicht möglich gewesen, sie über diesen Zeitraum daheim bei Papa oder ihren Großeltern zu lassen. Ich nahm sie also kurzerhand mit: Meine Eltern erklärten sich tatsächlich bereit, mit zum Dreh zu kommen und auf die Kleine aufzupassen. Wenn ihr Magen knurrte, wurde eine Drehpause eingelegt. Ohne meine Eltern oder dem wunderbaren Drehteam wäre es nicht möglich gewesen, so früh wieder zurückzukommen.

Egal, was ich mache, ob ich drehen oder im Tonstudio bin, Einzeltrainings oder Seminare abhalte: Ich teile mir bis heute alles so ein, dass ich nicht länger als drei Stunden von Mini weg bin… oder ich nehme sie – wenn möglich – mit.

Baby in Fremdbetreuung?

Puh, ist das schwer. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was ich tun würde, wenn ich Mini in „fremde“ Hände geben müsste, bevor sie sprechen kann. Letzteres ist für mich nämlich der Knackpunkt. Solange mein Kind mir noch nicht sagen kann, was es erlebt und welche Eindrücke es gesammelt hat, möchte ich es nicht zu jemandem geben, den ich nicht kenne. Die alte T-Shirt-Weisheit „Das Leben ist kein Wunschkonzert“ findet hier natürlich durchaus Anwendung und ich weiß, dass es viele Fälle gibt, in denen Mütter einfach keine Wahl haben.

Weil ich also überhaupt keinen Dunst von Babysitting und Co. habe, kann ich nur versuchen, mit dem Hinweis auf „Frag Frida“ zu helfen. Ich kenne die Plattform nicht aus persönlicher Erfahrung, wurde aber unlängst darauf aufmerksam gemacht. Vielleicht hilft’s ja. Bitteschön, der Link.

Alleinerziehend: Wie macht ihr das?

Weil ich unseren Alltag kenne und sehe, dass es selbst mit so viel Hilfe schon schwierig sein kann, einen klaren Kopf zu bewahren, frage ich mich oft, wie Alleinerziehende das hinbekommen. Mein verwöhntes Ich schreit ja schon nach einem Tropfen Selbstverwirklichung, wenn ich mal ein paar Tage durchgehend zu einhundert Prozent nur auf Mini fokussiert bin und sie aufgrund irgendwelcher Entwicklungsschübe oder Mondphasen ausschließlich auf mir schläft, was mir dann mein verbliebenes Bisschen Entspannung auch raubt.

Letzte Woche war erst Papa krank, dann ich, dann Mini. Bei unserer Kleinen war’s so schlimm, dass ich mit ihr ins Krankenhaus musste. Krank sein mit Kind ist ja der Oberhammer. Wie schnell komme ich da an meine Grenzen! Ich kann gar nicht beginnen, mir vorzustellen, was Alleinerziehende auch hier leisten müssen. Wir Mütter funktionieren ja ohnehin non-stop, wachend und schlafend. Aber das alleine stemmen? Chapeau und keine Ahnung, wie ihr das anstellt. Und jetzt stellt euch mal vor, ihr seid alleinerziehend, zeitweise mal krank und müsst auch noch arbeiten gehen… siehste?

Karenz-Modelle als netter Versuch

Ich verstehe so gut, dass H. sich gestresst fühlt, bei dem Gedanken, ab September wieder komplett ins Berufsleben einzusteigen. Vollzeit arbeiten mit einem Baby daheim? Vermutlich für die meisten Mütter kein allzu schöner Gedanke. Idealerweise würde eine Mama mit ihrem Baby, meiner Meinung nach, gute zwei Jahre daheim bleiben. Diese Möglichkeit gibt uns Vater Staat auch, mit Daumen mal Pi 550 Euro monatlich. Das ist definitiv besser als nichts, aber bei dem Betrag kann ich nicht umher, mich in der Sekunde zu fragen: Ist das dann tatsächlich eine Option? Ich meine, ganz ohne nebenher selbständig zu arbeiten und ganz ohne einen erwerbstätigen zweiten Erziehungsberechtigten an der Seite von Mutter und Kind. 550 Euro für Mutter und Kind, über zwei Jahre hinweg. Eine Summe, mit der sämtliche Ausgaben gedeckt werden müssten. Sicher möglich, aber sauhart. Das kann nicht der Sinn eines Karenz-Modells sein, bei dem auf das leibliche und psychische Wohl der jungen Mutter und ihres Nachwuchses Rücksicht genommen werden soll.

Ab in die Montessori-Krabbelgruppe?

Seit kurzem beschäftige ich mich mit Kindergarten-Optionen für Mini. Von einigen Seiten hörte ich bereits, wir wären jetzt schon spät dran. Google spuckte mir bisher nur wenige zufriedenstellende Antworten aus, immer stört mich irgendetwas am Kindergarten und teilweise erreichten mich bereits schlechte Erfahrungsberichte von Eltern. Ich bin ja zugegeben in vielen Bereichen ein bisschen „eso“, wenn man’s so nennen kann. So finde ich den Montessori-Ansatz, im Gegensatz zu vielen anderen in meinem Umfeld, interessant. Beim Montessori Campus Wien in Hütteldorf gibt es zum Beispiel eine Kleinkindgruppe für Kinder zwischen 1,5 und 3 Jahren. Das Ganze ist privat zu bezahlen und keine günstige Angelegenheit, aber vielleicht eine Option für dich, liebe H. Hier ist die Homepage.

So funktioniert die Sache mit Kind und „Karriere“ also momentan bei uns. Ich hab mich sehr über H.s Nachricht gefreut und hoffe, ein bisschen Licht in die Sache gebracht zu haben. Auf eure Kommentare oder gern auch private Nachrichten bin ich schon sehr gespannt: Wie läuft bzw. lief das bei euch ab?

Liebe H., ich wünsche dir viel Kraft und Ausdauer für den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Über kurz oder lang wünsche ich dir aber auch viel Spaß dabei! Darling, just fucking own it! 


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Jeannine ist 30, Autorin, dipl. Kommunikationstrainerin und Bloggerin aus Wien. Sie ist Veranstalterin einer Workshopreihe für bewusste Elternschaft, Beziehungsautodidaktin und leidenschaftliche Verbreiterin der Idee des „Conscious Parenting“ im deutschsprachigen Raum. Neben all diesen Labels ist sie mit ganzem Herzen Mutter einer kleinen Tochter, Verlobte, Wegbegleiterin und immerfort Lernende.

www.mini-and-me.com

5 thoughts on “Mama arbeitet und die Frage: Wie machst du das?

  • Reply stefanie s 13. Oktober 2015 at 19:03

    Ohne meinen Mann würde ich mit den knapp 600 euro im Monat nicht auskommen. Aber für mich ist echt wichtig, so lange es geht bei meinem Kind zuhause zu sein… somit bleibt nichts andres übrig. :)

    Lg

    • Reply Jeannine 13. Oktober 2015 at 19:20

      Ich geb dir völlig recht, die Zeit beim Kind ist unersetzbar. Es ist mir auch sehr wichtig, die meiste Zeit bei ihr zu sein. Meine Karenz neigt sich dem Ende zu und ich bin gespannt, wie wir das nun alles regeln werden. Ich möchte auf jeden Fall weiterhin so viel und lang wie möglich bei ihr sein und hoffe, wir finden da eine gute Lösung! :)

  • Reply Lilla 15. April 2016 at 8:03

    Hut ab – klingt anstrengend, aber schön! Kannst stolz auf dich sein!

    • Reply Jeannine 15. April 2016 at 20:19

      Jö, vielen Dank meine Liebe! :)

  • Reply Petra von Mein kleines ICH: "Ich riskiere lieber zu scheitern als mich ewig zu fragen: Was wäre, wenn?" • MINI AND ME 18. September 2016 at 20:00

    […] PS: Ich habe schon einmal darüber geschrieben, wie ich Kind und Karriere verbinde. […]

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