Im Ausland leben mit Kindern: Joana über Sonne, Schatten und Kunst in Miami im „Sunshine State“ Florida

Wie ist das denn eigentlich, mit Kindern im Ausland zu leben? Fern der Heimat, weit weg von Verwandten und mit anderen gesellschaftlichen Strukturen? In der Interviewreihe „Home away from Home“ erzählen Expat-Mamas von ihren Erfahrungen und geben Tipps und Inspiration für jene, die es vielleicht einmal wagen wollen… 

Home away from home

Mehr als 1,5 Jahre nach dem letzten Interview dieser Reihe freue ich mich sehr, Joanas Erfahrungen hier mit dir teilen zu können. Die Erzählungen der Mamas wecken in mir immer Fernweh und Abenteuerlust. Andererseits bleibe ich auch oft dankbar zurück, mit dem Gefühl, am für mich richtigen Ort zu sein.

Unser letzter Aufenthalt in Miami liegt noch nicht lange zurück und beim Lesen dieser Zeilen spüre ich wieder den warmen Wind und bin zurückversetzt in dieses unglaublich tolle Café auf der Lincoln Road Mall.

Danke dir, Joana!


Im Ausland leben mit Kindern: Miami, Florida, USA

Ich bin Joana, Künstlerin und Mutter von drei kleinen Kindern (1, 3 und 7 Jahre). Ursprünglich komme ich aus dem Münsterland und lebe nun mit meiner Familie in Miami Beach, in Florida.

Warum lebst du in Miami? Wie kam es dazu?

2008/2009 habe ich während eines Auslandsstudiums in Aix-en-Provence, Frankreich, meinen Mann kennengelernt. Er ist Amerikaner und hat für mehrere Jahre in Europa gearbeitet. Im September 2010 kam unsere erste Tochter zur Welt und kurz nach ihrer Geburt ging es beruflich für meinen Mann in Frankreich nicht mehr weiter.

Er hatte dann die Möglichkeit wieder in Miami, in den USA, zu arbeiten. Und da er dort auch schon lange eine Wohnung besaß, bot es sich für uns an, dorthin zu gehen. So bin ich dann mit meinem 3 Monate alten Baby nach Miami geflogen, habe erstmal die Zeit mit meinem kleinen Baby genossen und Miami kennengelernt.

Etwas später fing ich dann in Miami an künstlerisch tätig zu sein, was ich in Deutschland und Frankreich studiert hatte.

Wie ist das Leben in Miami?

Das Leben hier ist schon sehr anders zu Deutschland und es hat auch eine Zeitlang gedauert, bis ich mich richtig eingelebt habe. In Miami scheint fast jeden Tag die Sonne und richtig kalt wird es nie. Also die Jahreszeiten spürt man hier nur leicht. Wir können täglich draussen spielen und als Jacke braucht man lediglich manchmal eine Strickjacke.

Miami Beach, wo wir wohnen, bietet das Meer, Parks, viele schöne Lokalitäten, Kunst und Kultur. Es ist sehr multikulturell. Hier leben viele Lateinamerikaner und auch einige Europäer. Es fühlt sich manchmal mehr wie nach einer Hauptstadt Südamerikas an, mit vielen Menschen, die Spanisch sprechen! Diese Internationalität macht Miami sehr spannend und es ist wirklich kein main stream Amerika hier.

Miami Beach ist zwar eine Insel, aber dennoch ist es recht urban und man muss aufpassen, nicht zu rush hour Zeiten weit mit dem Auto fahren zu wollen. Da steht man dann viel im Stau. Ich versuche so wenig Auto wie möglich zu fahren, weil das ansonsten immer so anstrengend für die Kinder ist. Mindestens einmal die Woche fahre ich unsere Älteste mit dem Fahrrad zur Schule.

Hier in Miami Beach gibt es viele schöne Wohngebiete, durch die man wunderbar mit dem Rad fahren kann. Auch der Beachwalk bietet sich dazu an. Wenn man Felder, so wie in Deutschland sehen möchte, dann muss man circa 45min nach Norden oder Süden fahren. Weiter nach Westen liegen die Everglades. Ein großes Sumpfgebiet mit Alligatoren.

In Miami ist Strand angesagt und man betreibt Wassersport. So machen wir auch manchmal kleine Bootstouren am Nachmittag auf dem Binnenwasser und um die Inseln hier. Bezüglich Kunst hat sich Miami wunderbar entwickelt. Es gibt tolle Museen (Perez Art Museum, Bass Museum), das Künstlerviertel Wynwood mit Galerien und Ateliers. Und einmal im Jahr, im Dezember findet die Kunstmesse Art Basel mit vielen weiteren Kunstmessen statt.

Miami ist sehr innovativ und ständig in der Veränderung, was es gerade so spannend macht. Es gibt sehr viele neue Szene Viertel, die sich erst in den letzten 10 Jahren entwickelt haben (Wynwood, das Design District, little river district etc). Aber auch ältere Gegenden, wie Coral Gables, sind wunderschön. In Coral Gables gibt es einen wunderschönen, alten Baumbestand (auch super als Kletterbäume geeignet) und einen sehr schönen botanischen Garten.

Wo sind die Unterschiede zu deiner Heimat?

Einer der größten Unterschiede ist, dass Amerika für das Auto konzipiert ist und es leider nur wenig Fahrradwege gibt. Auch gibt es keine richtige Stadtzentren, wie in Deutschland. Dafür fährt man in die shopping mall. Hier in Miami gibt es schon gewisse Viertel, die so einem Zentrum Nahe kommen, wie die Lincoln Road in Miami Beach, Miracle Mile in Coral Gables, South of 5th in Southbeach etc.

In Miami ist fast das ganze Jahr Sommer. Tops, Shorts und Flipflops all year round… für Kinder ein Traum. Ich bestelle nun fast alles online und gehe nur noch selten einkaufen. Auch Lebensmittel lasse ich mir häufig liefern. Die Preise sind ziemlich gleich zu denen im Geschäft. Dies vereinfacht viel. In der gewonnenen Zeit gehe ich lieber mit meinen Kindern draußen spielen.

Wie erlebst du die Schule bzw. den Kindergarten in Miami?

Ich wünschte, es gäbe hier mehr spielerische Kindergärten, so wie in Deutschland. In denen ganz viel gespielt wird und die auch einen schönen natürlichen Aussenspielbereich bieten. Das ist schwer zu finden. Alles ist recht verschult. Und die Spielplätze müssen immer extra sicher sein. Mit Tartanboden und langweiligen Plastikkletterkonstruktionen.

Unsere älteste Tochter geht auf eine Montessori Schule, die eine ganzheitliche Bildung bietet und auch noch Raum zum freien Spielen lässt. Die beiden Kleinen sind noch zu Hause.

Viele Kinder sind hier den ganzen Tag in der Schule oder in Nachmittagsaktivitäten eingebunden oder mit Hausaufgaben beschäftigt. Selten sieht man Kinder frei auf den Straßen spielen. Kinder ab acht Jahren kommen auch nur noch selten zu den Spielplätzen. Das finde ich schade.

Wie war der Umzug für deine Kinder? Für dich? Für deine Beziehung?

Der Umzug war recht unkompliziert, da mein Mann schon viele Jahre in Miami gelebt hat. Er kannte sich bestens aus, was natürlich einiges Vereinfachte.

Ich habe die ersten Monate mit meinem kleinen Baby genossen. Auch bin ich anfangs recht häufig wieder zurück nach Deutschland geflogen und habe etwas Zeit in der Heimat verbracht.

Wie hat dich das Auswandern persönlich beeinflusst? Wo musstest du wachsen?

Es hat mich definitiv beeinflusst und geprägt und unglaublich meinen Horizont erweitert. Ich mag die Offenheit der Amerikaner. Man kommt schnell mit fremden Menschen ins Gespräch. Wobei es dann oftmals bei einem oberflächlichen Kontakt bleibt. Die Menschen hier sind so busy und Verabredungen sind manchmal schwer hinzubekommen.

Ich mag den positiven Enthusiasmus der Amerikaner, ihren Drive und das Unternehmerdenken. Das ist sehr inspirierend.

Du bist Künstlerin. Woran arbeitest du gerade?

Meine Arbeiten, inspiriert durch meine direkte Umwelt, bestehen aus Überlagerungen, fragmentarischen Zeichnungen und ausgeprägten Farbflächen. Themen sind dabei Gegensätze von Urbanismus und Natur, Innenansichten und Außenansichten, bestimmte und unbestimmte Plätze, Nähe und Ferne, Stille und Unruhe, Überlagerungen und Freilassungen, Auflösungen und Sehnsüchte, Leichtigkeit und Selbstversunkenheit. Inspiration bieten darüber hinaus meine Kinder. In unserer heutigen Zeit, gerade in Amerika, verliert das ‘einfache’, kindliche Spiel besonders draußen in der freien Natur immer mehr an Bedeutung. Schulische Aufgaben und angeleitete Aktivitäten gewinnen an Überhand.

Vor ein paar Monaten habe ich die Künstlergemeinschaft THE LINE MIAMI gegründet. THE LINE MIAMI ist eine Künstlergemeinschaft, mit dem  Ziel Künstler für kollaborative Ausstellungen, ortsspezifische Projekte und Installationen auf der ganzen Welt zu verbinden. Der Fokus dabei liegt auf zeitgenössischer, verschiedener und nicht traditioneller Zeichnung in Kombination mit anderen Medien. Ein derzeit laufendes Projekt ist das THE LINE DRAWING PROJECT auf Instagram. Weitere Projekte sind in Arbeit. Unser nächster Ausstellungsentwurf soll eine grosse Rauminstallation werden, zusammen mit Künstlern und Personen aus anderen Berufsgruppen, die ortsunabhaengig arbeiten. Es geht um das Thema Leben und Arbeiten im Einklang. Ihre Arbeiten sollen den Prozess ihres künstlerischen Schaffens zum Ausdruck bringen.

Was macht ihr in Miami am liebsten? Ausflugtipps? Liebste Orte?

Wir unternehmen in Miami viel als Familie zusammen. Dazu gehört, dass wir häufig an den Strand oder in den Pool gehen, gemeinsame Radtouren machen, bei denen mein Mann dann nebenher joggt, zum Wochenmarkt gehen (upper east side farmers market), kleine Bootstouren um Miami Beach, Ausflüge in die Museen (Perez Art Museum, Bass Museum, Frost Science Museum), Ausstellungen in Galerien anschauen oder im South Point Park in Miami Beach spielen und dann anschließend dort bei Smith and Wollensky am Wasser Abendessen.

Möchtest du für immer dort bleiben?

Ich mag es hier in Miami. Aber das ganze Jahr über in Miami zu sein, ist manchmal etwas zu viel. Ein Gegengewicht dazu ist toll. Für mich sind es die Reisen nach Deutschland und nach Colorado in die Berge, wo wir neben Miami viel Zeit verbringen.

Ich könnte es mir auch gut vorstellen noch mal ganz woanders in den USA zu leben. Im Moment ist es aber für mich wichtig hier in Miami die guten Dinge schätzen zu wissen und zu geniessen.

Würdest du es wieder tun?

Ja, auf jeden Fall. 


Wäre für dich ein Leben auswärts, vielleicht auch in den USA, denkbar? Wenn du weitere Fragen an Joana hast, melde dich gerne bei mir. Und auch, wenn du selbst mit deiner Family im Ausland lebst und Teil dieser Interview-Serie sein möchtest: Schreib mir!

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Die Fotos wurden mir von Joana F. zur Verfügung gestellt.

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Jeannine ist 30, Autorin, dipl. Kommunikationstrainerin und Bloggerin aus Wien. Sie ist Veranstalterin einer Workshopreihe für bewusste Elternschaft, Beziehungsautodidaktin und leidenschaftliche Verbreiterin der Idee des „Conscious Parenting“ im deutschsprachigen Raum. Neben all diesen Labels ist sie mit ganzem Herzen Mutter einer kleinen Tochter, Verlobte, Wegbegleiterin und immerfort Lernende.

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One thought on “Im Ausland leben mit Kindern: Joana über Sonne, Schatten und Kunst in Miami im „Sunshine State“ Florida

  • Reply Julia 4. Dezember 2018 at 15:09

    Hi Jeannine,
    das hört sich echt interessant an! Auch wenn ich selbst noch nicht in dem Alter bin eine eigene Familie zu gründen, ist es doch nicht mehr all zu weit entfernt. Und ich finde es immer spannend zu hören, wie Menschen leben und warum. Vielen Dank für dieses tolle Interview mit Joana.
    Love, Julia
    http://www.postvonjulia.de

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