„Es tut mir leid, mein Kind.“ – Über die Welt, in die ich dich gebar

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„Das war es für heute mit den Nachrichten. Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend.“ Ich schalte den Fernseher aus und seufze. Eine Ka­tastrophenmeldung nach der anderen: Der Klimawandel ist nicht nur real, er kann mittlerweile auch kaum noch gestoppt werden. In Indo­nesien sollen weitere Hektar Regenwald abgeholzt werden – eine Flä­che größer als Deutschland in kürzester Zeit – um Palmöl in für Flora und Fauna todbringenden Monokulturen zu erzeugen. Atomkraftwerke als tickende Zeitbomben, die dennoch weiterhin wie Schwammerl aus dem Boden schießen. Tod, Hetze, Krieg, Ignoranz und Habgier.

Ich denke an ein afrikanisches Sprichwort: „Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ Ich lächle wehmütig. Ein schöner Gedanke, aber ich weiß nicht, ob ich daran glauben kann. Es bräuchte wirklich sehr viele „kleine“ und vermutlich auch „große“ Menschen, die an einem Strang ziehen, um wirklich etwas zu bewegen, global zu bewegen.

Als ich in Gedanken versunken an die Decke starre und versuche abzu­wiegen, wie viel jede von uns noch selbst in der Hand hat, meldet sich das Babyphone. Leise tapse ich ins Schlafzimmer und streiche meiner Tochter über ihr seidiges Haar. „Es tut mir leid.“, denke ich und sehe sie an. „Es tut mir leid, dass ich dich in so eine verkorkste Welt hineingeboren habe. Es tut mir leid, dass sie nicht sanfter ist, sicherer, friedlicher, dass die Menschen nicht ein klein wenig selbstloser sind.“ Unsere Welt kann ein schöner Ort sein, für uns persönlich, wenn wir Glück haben. „Ich hoffe, du hast Glück, mein Schatz.“

Während ich das friedlich schlafende Kind vor mir betrachte, besinne ich mich: Wenn diese Welt ein besserer Ort werden soll, muss ich bei mir selbst anfangen. Ich muss an das afrikanische Sprichwort glau­ben – wir alle müssen das. An jedem neuen Tag liegt die Möglichkeit zur Veränderung in unseren Händen. Es ist an uns, diesen Glauben in unseren Kindern zu entzünden. Sie zu lehren, dass ihre Handlungen Bedeutung haben – nicht nur für sie, auch für ihre Umwelt. Es ist jeden Tag aufs Neue unsere Aufgabe, die Welt zu erschaffen, in der wir leben wollen. Sei es im Umgang mit uns selbst, unseren Mitmenschen und der Natur um uns herum.

Drehen wir den Wasserhahn ab, wenn wir in der Sekunde kein Wasser benötigen! Lassen wir das Licht in der Küche nicht brennen, nur weil es so schick aussieht! Benutzen wir ein und dasselbe Einkaufssackerl, bis es kaputt ist! Verringern wir den Plastikmüll! Nützen wir öffentli­che Verkehrsmittel! Gehen wir wählen! Pflanzen wir Bäume! Essen wir weniger Fleisch! Kaufen wir nachhaltig! Vermeiden wir Palmöl! Sagen wir „Nein“ zu Atomenergie! Fördern und fordern wir faire Produktions­bedingungen für alle, überall! Helfen wir einander! Sehen wir hin und nicht weg!

Denn, Sie wissen ja: „Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verän­ dern.“ Wir können das. Fangen wir heute an!


Dieser Artikel erschien im April 2016 als Teil meiner Kolumne „Mama & Kind“ im österreichischen Lifestyle Magazin Baden Passion, Ausgabe 1/2016.

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PS: Im Zuge der Kolumne „Mama & Kind“ tippte ich bereits über die lebenslange Bindung, die ein Kind für zwei Menschen bedeutet und auch über den ersten Frühling als Mama.

Foto & Text © Jeannine Mik, Mini and Me

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Jeannine

Jeannine ist Unternehmerin, Buchautorin und als dipl. Kommunikationstrainerin seit über 10 Jahren in der Erwachsenenbildung tätig. 2019 eröffnete sie das Zentrum für bewusste Elternschaft und Persönlichkeitsentfaltung „Conscious Parenting Vienna“. Schreiben ist ihre Leidenschaft. Ihren ersten Blog tippte Jeannine vor mehr als 20 Jahren. Im Mai 2019 erschien ihr erstes Buch „Mama, nicht schreien!“, das innerhalb weniger Wochen zum #1 Spiegel-Bestseller avancierte. Die 33jährige lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Wien.

11 Comments

  1. Liebe jeannine.

    Dein Artikel hat mich zu Tränen gerührt. Da ich selbst eine kleine Tochter habe, kann ich mich gut hineinversetzen.
    Momentan hört man auch immer nur „Krebs hier“, „Tumor da“… „autounfall“, … etc.
    Echt Schimmel wie sich unsere Welt verändert. Man kann nur bei sich selbst starten. Danke für deinen Beitrag. Auf das ihn viele lesen und die Welt ein wenig besser wird. LG

  2. Sehr schön das beschrieben, was ich mir so oft denke! Auch ich schaue meinen kleinen Sohn oft an und frage mich, was er in seinem Leben alles erleben wird… Und wie du sagst, wir müssen bei uns selbst anfangen, Dinge zu verändern. Wo sonst?
    Liebe Grüße

  3. So bewegend. Du hast mich zu Tränen gerührt. Auch ich habe 2 kleine Mädchen und ich wünschte sie würden in einer heilen Welt aufwachsen. Die Realität sieht leider anders aus. Doch genau wie du es gesagt hast man muss bei dich anfangen. Also vermeiden wir Müll kaufen regional auf dem Markt einkaufen und lassen immer öfter das Auto stehen. Wenn jeder nur ein bisschen bewegt können wir zusammen so viel bewegen. Danke für deine Worte!!!

    • Hi Sarah, danke für dein Kommentar! ich finde es super, dass du selbst mit gutem Beispiel vorangehst und diese etwas „grünere“ Lebensweise deinen Kindern näher bringst, Hut ab! :)

  4. Ich finde deinen Artikel toll!
    Kleine Sachen können Großes bewirken!
    Stoffwindeln, Naturkosmetik, regional Einkaufen, Müll trennen, Sachen verschenken oder verkaufen,…
    Beim Wasser sollte man in unserer Region nicht sparen-die Leitungen werden wegen unseres Wassersparwahns jedes Jahr mit 1000Litern Wasser gereinigt, weil sie sich so zusetzen mit Schmutz. Lieber mehr Wasser benutzen und dafür weniger Waschmittel und keinen Weichspüler!

  5. Eines meiner Lieblingslieder ist von Maike Rosa Vogel und heißt die Welt ist schlecht. Darin singt sie: ich kann dich nicht beschützen, alles was ich kann ist lieben – und darüber, dass sie hofft, das unsere Liebe die Kinder so stark macht, dass sie auch mit der Welt zurecht kommen, die oftmals kein schöner Ort ist. Und genauso ist es ja. Zusammen mit den kleinen Dingen, die man eben sonst so probiert, um die Welt etwas besser zu machen. Danke für Deinen schönen Artikel.

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