Babys sind Traglinge. Durch den engen Körperkontakt zu Mama und Papa fühlen sie sich geborgen. Die Nähe gibt Sicherheit und beruhigt. Vertraute Gerüche, bekannte Stimmen und anfangs noch schemenhaft wahrgenommene Gesichter lassen das Baby wissen: Ich bin da. Beachtet man nun noch ein paar Basics, die für die Gesundheit und Entwicklung des Babys wichtig sind, steht einer innigen Kuschelzeit (mit freien Händen) nichts mehr im Weg.


Babys tragen: 2 Dinge, die du unbedingt beachten solltest

Unterwegs traf ich eine junge Frau, die ich von früher flüchtig kenne. Mir fiel gleich auf, dass sie ihr Baby nah bei sich am Körper trug – eine wundervolle Entscheidung, um dem Baby Geborgenheit zu geben. Mir fiel aber auch auf, wie sie es trug: von der Mutter weggedreht und mit lose herunterbaumelnden Beinchen, ohne Stütze. Also potenziell gesundheitsschädigend für ihren kleinen Liebling. Gesagt habe ich allerdings nichts, denn eigentlich geht es mich ja nichts an. Ob das die richtige Entscheidung war, weiß ich bis jetzt nicht. Ich glaube nicht.

Ich bin keine Trageberaterin, habe mich aber wochenlang intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und recherchiert. Seit dieser Artikel online ist, gab es immer wieder Rückmeldung und Verbesserungsvorschläge von Trageberaterinnen, die ich gerne mit eingebaut habe. (Dennoch ersetzt er keinesfalls eine Trageberatung, die ich euch gerne empfehlen möchte!) Nun möchte ich euch gern die wichtigsten Fakten rund ums Babytragen mitgeben. Vielleicht liest meine Bekannte ja zufällig mit.

1. Die Blickrichtung:

Das Baby sollte immer zur Trägerin gewandt getragen werden. Bauch an Bauch. Es sollte nicht „nach vorne“ schauen. Das hat drei gute Gründe:

  • Für die gesundheitlich unbedenkliche Haltung muss das Baby beim Sitzen im Tuch bzw. in der Trage einen rundlichen Rücken haben, ähnlich wie im Mutterleib. Der formt sich automatisch, wenn es die ergonomisch korrekte Haltung einnehmen kann. Ist das Baby aber „von der Trägerin abgewandt“, sprich blickt es nach vorne, bringt das den Rücken und die Wirbelsäule in eine unvorteilhafte und potenziell gesundheitsschädliche Position.
  • Der zweite Grund ist die Tatsache, dass der Körper der Trägerin als eine Art Schutzschild für das Baby fungiert. Werden ihm die Eindrücke zu viel, kann es sich leicht vom Geschehen abwenden, indem es das Köpfchen in Mamas Brust vergräbt.
  • Zu guter Letzt kann das Baby so Blickkontakt mit seiner Trägerin aufnehmen. Vor allem in den ersten Wochen, wo Babys nur wenige Zentimeter weit sehen, bildet das Gesicht der Bezugsperson den einzig vertrauten Anhaltspunkt.

Die Blickrichtung sollte für die gesamte Tragedauer so bleiben. Das Baby oder Kleinkind über längere Zeit mit Blick nach vorne zu tragen ist keine gute Idee. Ist das Baby ein paar Monate alt und die Trägerin bekommt den Eindruck, dass es gerne mehr sehen würde, ist zum Beispiel das seitliche Tragen eine gute Option. Auch das Tragen am Rücken ist eine Variante, die Geborgenheit fürs Baby und Handfreiheit für die Trägerin bedeuten kann.

2. Die Anhock-Spreizhaltung:

Die Anhock-Spreizhaltung (auch als M-Haltung bezeichnet) ist die orthopädisch korrekte Position, in der die Beinchen des Babys während der gesamten Tragedauer verweilen sollten.

Tragen, bei denen der Steg zwischen den Beinen zu kurz ist und diese deshalb einfach „hinunterhängen“, sind physiologisch ungesund. In der Anhock-Spreizhaltung sind die Beine etwa auf Bauchnabelhöhe des Kindes „angehockt“ (also die Knie in derselben Höhe wie der Bauchnabel) und leicht nach außen gespreizt.

Ist das Baby richtig angehockt, macht sich der Rücken rund und unnötige Belastungen der jungen, unausgereiften Gelenke werden vermieden. Das korrekte Tragen im Tragetuch fördert die Bildung gesunder Hüften und kann als präventive oder auch unterstützende Maßnahme bei Hüftdysplasie eingesetzt werden.

Was ist noch wichtig?

  1. Eine gute Babytrage stützt den Kopf des Babys.
  2. Es sollte darin aufrecht sitzen und gehalten werden. Das ist zumeist dann gewährleistet, wenn der Stoff der Trage eng am Körper des Babys anliegt.
  3. Das Baby muss natürlich ausreichend Luft bekommen und die kleinen Beinchen sollten zwar gut gehalten, aber nicht eingeschnürt werden.

Tragehilfen: Geborgenheit für Babys und Kleinkinder

Grundsätzlich wird zwischen Tragetuch, Ring-Sling, MeiTai und Komforttrage unterschieden.

Tragetücher korrekt zu binden braucht Übung, aber keine Sorge: Auch wenn manche YouTube-Videos im ersten Moment verwirren, so sind die meisten Bindevarianten schnell durchschaut. Eine Stunde mit einer ausgebildeten Trageberaterin in eurer Umgebung ist weise investiertes Geld. Sie zeigt euch Tragevarianten, die zu euch passen und auch, wie ihr sie korrekt bindet.

Wie bei so vielen Themen der Elternschaft gilt auch hier: Jede Trägerin, jedes Baby und jede Familie ist anders und stellt entsprechend individuelle Ansprüche an die Trage bzw. das Tragetuch.


Unsere Erfahrungen mit diversen Tragehilfen

Tragetuch

natürliches tragetuch für babys und Kleinkinder von mama LukaVor Minis Geburt legten wir uns zwei wunderschöne Tücher von Pollora zu. Das Binden klappte und die Qualität ist gut, aber mir persönlich waren die Tücher zu lang (6 m) und der Stoff zu schwer.

Als unsere Tochter ein paar Wochen alt war, bestellte ich mir ein Tuch der Firma Storchenwiege, mit dem ich absolut zufrieden war. Der leichte Stoff vergibt klitzekleine Ungenauigkeiten und eignet sich perfekt für Anfängerinnen.

Wunderschön und sehr hochwertig gearbeitet sind auch die Tücher von Mama Nuka, Babytragetücher aus 100 % Bio-Baumwolle und mit natürlichen Farben gefärbt. Hinter dem Unternehmen stehen zwei Frauen aus Berlin, die sich damit ihren Traum erfüllen.

Seit ein paar Wochen rundet ein leichtes, gelbes Tragetuch, das Weleda in Zusammenarbeit mit Didymos weben ließ, unser buntes Repertoire ab. Didymos war es auch, durch die ich die Bindevariante „Kreuztrage“ kennenlernte. Die ist so simpel, dass ich sie gern früher gefunden hätte. Mit der Kreuztrage kann ich meine Tochter (2,5 Jahre) auch heute noch tragen, da sie schnell herausgehoben und auch wieder reingesetzt ist, ohne das Tuch zu öffnen.

MeiTai

Nach ein paar Monaten wollten wir unsere Tragemöglichkeiten erweitern. Bei meiner Recherche stieß ich auf den MeiTai „Mysol“ von Girasol, der sich von der Machart an traditionellen asiatischen Babytragen orientiert.

Ein guter MeiTai verbindet für mich einfach das Beste aus beiden Welten: ergonomisch lässt er, wie ein Tragetuch, keine Wünsche offen und ist dabei praktisch anzulegen wie eine Komforttrage.

Girasol verwendet für die Herstellung der Tragen nur naturbelassene Baumwolle. Der Mysol besteht zur Gänze aus Stoff und ist sehr einfach und schnell zu binden. Der Mysol ist durch die variable Nackenstütze und den längenverstellbaren Steg an das Baby anpassbar, wodurch es immer in der ergonomisch richtigen Haltung sitzt. Einen ausführlichen Testbericht mit Fotos gibt es auch.

Auch mit knapp drei Jahren verwenden wir den MySol noch gerne, zuletzt bei unserem sonnigen Wochenende in Berlin. Eine absolute Kaufempfehlung von meiner Seite.

Komforttrage

Als Mini ein halbes Jahr alt war, bekamen wir zu Weihnachten den Ergo Baby Carrier geschenkt. Das erste Mal verwendet haben wir sie erst, als unsere Tochter 18 Monate alt war.

Zunächst nahm ich die Trage aufgrund des sonst gewohnten, weichen Stoffes als recht sperrig und unhandlich wahr. Als ich sie fertig angelegt hatte – was sehr schnell geht – und Mini darin saß, fühlte ich mich aber doch wohl darin. Der Kleinen schien es auch zu gefallen. Das Gewicht des Babys verteilt sich gleichmäßig und es in die Trage zu setzen bzw. wieder rauszuheben geht flott.

Für mich ist so eine „fertige“ Komforttrage gefühlt eher etwas für ältere Babys bzw. junge Kleinkinder. Sie ist praktisch, aber nicht so angenehm wie eine Variante aus weichem Stoff.


Das sind sie, in aller Kürze: die wichtigsten Infos zum Thema Baby tragen und meine persönlichen Erfahrungen mit diversen Tragehilfen. Ich würde mich freuen, wenn ihr etwas erfahren habt, das ihr noch nicht wusstet.

Wenn ihr denkt, es gibt in diesem Artikel etwas Wichtiges zu ergänzen oder sogar zu korrigieren, lasst es mich bitte wissen.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Babys richtig tragen mit Tragetuch oder Comfort-Trage: 2 Dinge, die du für die Gesundheit deines Babys unbedingt beachten solltest

Weiterführende Links:

Quellenverweise:

Dieser Artikel wurde erstmalig veröffentlicht am 27. September 2015.

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