Es ist wahr: Kinder bringen dich zum Nachdenken. Sie verstehen es wie niemand anders, dir die Augen zu öffnen, für die Welt, die dich umgibt. Du siehst die schönen Seiten, die anstrengenden und das Leben mit anderen Augen. Du begleitest dein Kind, führst es an der Hand, solange es das möchte und lässt es vorauslaufen, wenn es seine Flügel ausbreitet.

Und irgendwann entlang des Weges blinkt da vor dir plötzlich ein riesengroßes Plakat, auf dem steht: „Es ist fünf vor zwölf!“

Du bleibst davor stehen, denkst drüber nach, wie unsere Welt funktioniert, welche Probleme wir haben, wie es wohl weitergehen wird und was du eigentlich tagein, tagaus so treibst.

Gebannt nickst du und flüsterst: „Stimmt.“ Und es sticht in deiner Brust.

Vor diesem imaginären Plakat stand ich kürzlich. Es poppte einfach zwischendrin auf, ich hab nicht danach gesucht. Es war so beliebig wie das kleine Holzschild, das mein Mann und ich während unseres Road Trips durch Kalifornien und Nevada entdeckten. Mitten in der Wüste am Straßenrand stand es mit der Aufschrift „Pet Area“. Also, hier, genau an dem Fleck mitten im Nirgendwo, dürfen Hunde offiziell ihr Geschäft verrichten.

Genau so unverhofft fand mich die Einsicht, dass es tatsächlich höchste Zeit zu handeln ist, wenn wir unseren Kindern und Enkeln ein „Morgen“ schenken wollen. Ich traf den dringenden Entschluss, unser Leben grüner und nachhaltiger zu gestalten. Am besten jetzt gleich, am besten gestern.


Jetzt nachhaltiger leben: 5 einfache Schritte

Alles schön und gut, Mini-Erleuchtung und so. Vor allem aber ein Berg an Fragen. Nach einer kurzen Anwandlung, in der ich unsere Welt als ohnehin bereits verloren abstempeln und mich somit wieder einmal aus der Verantwortung ziehen wollte, beschloss ich, Babysteps zu gehen. Einen nach dem anderen, damit es nicht zu „weh“ tut.

Wie bei einer Diät: Ist sie zu krass, ziehst du sie nicht durch. Ich denke, mit einem grüneren Lebensstil, mehr Um- und Einsicht, ist es dasselbe. Was also tat ich als erstes?

1. Ich stellte meine Monatshygiene um.

Jede Frau auf dieser Welt, die etwa einmal im Monat ihre Periode hat, verbraucht während ihres Lebens rund 16.000 Monatspflegeprodukte. Also Tampons, Slipeinlagen und Binden. Beinah noch schlimmer ist die Tatsache, dass all diese Dinger früher oder später im Meer landen. Und gesundheitsschädlich ist das Zeug auch noch. Da wollte ich nicht mehr mitmachen.

Ich begann also, während meiner Periode eine Menstruationstasse zu verwenden. Über meine Erfahrungen und all die beunruhigenden Fakten zu herkömmlichen Produkten habe ich ausführlich berichtet. Erweitert und gleichzeitig vervollständigt wurde mein Monatshygiene-Sortiment kürzlich um Stoffbinden und Stoffslipeinlagen, über die ich noch gesondert schreiben werde.

Nun produziere ich während meiner Periode keinen Müll mehr. Gar keinen. Ich spare jede Menge Geld, denn so eine Tasse kostet zwischen 10 und 20 Euro und kann bis zu 10 Jahre lang verwendet werden. Außerdem riskiere ich meine Gesundheit nicht mehr. Und ich habe ein tieferes Verständnis für meinen Körper und die Menstruation.

2. Ich benutze keine Küchenrolle mehr.

Wenn man mal drüber nachdenkt, wird schnell klar, dass die zu einer der unnötigsten Erfindungen ever zählt. Warum nicht einfach mit einem Geschirrtuch (ab-)wischen? Ist das dreckig, wird’s gewaschen und kann wiederverwendet werden. Seit ich meinen Entschluss vor etwas mehr als zwei Wochen gefasst habe, brauche ich (trotz Kleinkind im Haus) täglich nur zwischen 0 und 3 Blatt Küchenrolle.

Als nächstes möchte ich Stofftaschentücher und -servietten kaufen oder, besser noch, aus geeigneten Stoffresten selber nähen. Auch für Abschminktücher gibt es wiederverwendbare Alternativen, eine wunderbare Anleitung findet ihr bei Littlebee.

3. Ich kaufe – wo immer möglich – unverpackte Produkte.

Vor allem mit Kind ist das oft nicht umsetzbar, aber ich bemüh mich. Zum Lebensmitteleinkauf beim Lebensmitteleinzelhandel bringe ich große Baumwolltaschen und kleine Stoffsäckchen fürs Gemüse mit. Da wir hauptsächlich Obst und Gemüse kaufen, stehen die Chancen dafür, Unverpacktes zu finden, meist ganz gut. Bei anderen Produkten gestaltet sich das schwieriger und ich bin in einigen Bereichen noch auf der Suche nach Lösungen.

Einfach ist das unverpackte Einkaufen bei kleinen Lebensmittelhändlern, die sich darauf spezialisiert haben. Einer davon ist der Greißler in Wien. Dort gibt es auch „Essentials“ wie Reis, Nudeln, Müsli, Gewürze, Essig und Co. ohne Einwegverpackung. Es können eigene Verpackungen mitgebracht oder dort vorhandene Einweckgläser ausgeborgt bzw. gekauft werden. Die sind übrigens schnell zu meinen neuen besten Freundinnen in der Küche geworden: Einweckgläser wohin man sieht. Küchenschränke werden mithilfe von Gläsern und anderen wiederverwendbaren Behältern übrigens auch übersichtlicher. So wird weniger übersehen und keine Lebensmittel mehr verschwendet.

4. Ich stieg auf unverpacktes Toilettenpapier aus Bambus um.

Beim Greißler hab ich neben Lebensmitteln auch meine Bambus-Zahnbürste mit Maisfasern und das geniale Toilettenpapier von Smooth Panda gefunden. Weiches, reissfestes und ungebleichtes Klopapier aus Bambus ohne Plastikverpackung, ohne Tierversuche. Laut WWF werden täglich 270.000 Bäume für Hygienepapier gefällt. Höchste Zeit also, Papier zu sparen.

„Bambus stirbt nach dem Schlagen nicht ab! Stattdessen bringen unsere Pflanzen jedes Jahr neue Triebe hervor, die wir über Jahrzehnte hinweg ernten können. Bambus enthält mehr Zellstoff als Bäume und wächst deutlich schneller. Für den Anbau der Powerpflanze werden keine Dünger oder Pestizide benötigt und schon nach drei Jahren können wir das erste Mal ernten.“ – Smooth Panda

Ich habe 48 lose Rollen im Recyclingkarton bestellt. Mit dieser Menge sollten wir als 2,5 Personen Haushalt mindestens ein halbes Jahr auskommen. Übrigens hab ich’s durchgerechnet: preislich kann Smooth Panda mit konventionellen Premium-Marken locker mithalten. Rechnet nach und probiert es aus, lohnt sich!

5. Recycling ermöglichen: Ich trenne Müll noch sorgfältiger.

Das Ziel ist klar: Wir möchten so wenig Müll wie möglich produzieren. Bei Punkt 3 habe ich schon beschrieben, dass ich versuche, Verpackungsmaterial zu vermeiden. Auch Produkte, die nur einmal verwendet werden können und dann weggeworfen werden (wie zum Beispiel Plastikflaschen oder Glasflaschen, auf die es kein Pfand gibt) vermeide ich wo möglich.

Da wir von einem Zero-Waste Haushalt momentan aber noch weit entfernt sind – wir nähern uns ja gerade erst an ein „Minus-Waste“ Leben an – war das korrekte Trennen des Mülls ein vorerst wichtiger Schritt. Papiermist, Glas- und Plastikflaschen habe ich immer schon getrennt. Der Rest kam einfach ins Sackerl unter der Spüle und gut war’s.

Nun trennen wir mit mehr Bedacht. So wird zum Beispiel sämtlicher Kunststoff extra gesammelt, nicht nur die Plastikflaschen. Lebensmittelreste kommen in einen kleinen Tischmistkübel aus Chrom, um später kompostiert zu werden. Hierfür möchte ich in den kommenden Wochen einen „Kübelkompost“ in unserem Garten ansetzen. In irgendeiner Ecke, in der wir uns nicht täglich aufhalten. Eine Variante für Wohnungen wäre eine Wurmkiste. Mit der liebäugle ich nach wie vor.

Getränkekartons können komplett recycelt werden, dafür gibt es die Öko-Boxen von der ARA. Wusstet ihr das? (In den österreichischen Bundesländern gibt’s gelbe Tonnen für Getränkeverpackungen. Danke für den Hinweis, Andrea!) Für mich ist das besonders wichtig, da ich kaum noch Kuhmilch trinke. Und Pflanzenmilch gibt es leider fast ausschließlich in Tetra-Packs zu kaufen. (Ich glaube aber, auch dahingehend habe ich kürzlich eine gute Alternative gefunden, über die ich hoffentlich bald mehr berichten kann.)

pet area in nevada

Veränderung startet bei Dir!

Warum ich nicht schon früher etwas verändert habe, weiß ich nicht. Irgendwie fühlte ich mich nie verantwortlich. Den Kopf in den Sand zu stecken und einen auf unschuldig zu machen, war einfach. Bequem. „Geht mich nichts an, sind die anderen.“

Nein. Du bist es!

Du, und jede deiner Entscheidungen, jeden Tag, an dem du atmest.


Ich nehme euch mit auf meine Reise. Mein Wissen, meine Gedanken und Entdeckungen teile ich mit euch in der neuen Kategorie „Simple Green Living“.

Habt ihr Tipps und Erfahrungen für mich? 

Ich freue mich über jede Hilfe auf diesem langen Weg zum kleineren Fußabdruck.

Zero Waste: 5 einfache Schritte, um sofort nachhaltiger zu leben und dabei Geld zu sparen

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