• Emotionelle Erste Hilfe: Wie du durch Achtsamkeit das Weinen deines Babys sicher begleiten kannst (Video-Interview mit Thomas Harms)

    In der „Emotionellen Ersten Hilfe“ werden Eltern durch Einbindung des Körpers angeleitet, wieder in ihr Zentrum zu finden, so dass sie auch in schwierigen Momenten für sich und ihr Kind sorgen können. Ich habe den Körperpsychotherapeuten und Begründer der Emotionellen Ersten Hilfe, Dipl. Psych. Thomas Harms, in Wien zum Videointerview getroffen und mit ihm über seine Arbeit mit Familien und sein neues Buch „Keine Angst vor Babytränen!“ gesprochen. 

    Weinen: Die Weltsprache der Babys

    Babys weinen, wenn sie sich durch etwas gestört fühlen. Sie zeigen: „Hey, mir geht es nicht gut, mir fehlt etwas!“ Weinen ist also vernünftig, gilt es doch, die nächsten Menschen – in den meisten Fällen sind das wir Eltern – auf diesen Missstand oder das Unwohlsein hinzuweisen, damit sie helfen, begleiten oder Sicherheit spenden können.

    Das Ja zur Nähe heißt auch das Ja zu meinen eigenen Gefühlen. – Thomas Harms

    Das Schreien des Babys löst in uns Eltern viele Emotionen aus. Es macht etwas mit uns. Dass unser Gehirn so reagiert, ist aus evolutionärer Sicht durchaus sinnvoll: Würden wir uns um unseren Nachwuchs nicht kümmern, hätte die Spezies Mensch wohl nicht lange überlebt.

    Während ein gewisses Maß an Erregung oder „sich angesprochen Fühlen“ also erwünscht ist, kann das Weinen des Babys andererseits jedoch auch die schwierigsten Teile in uns freisetzen. Plötzlich treten vielleicht Selbstanteile zu Tage, die uns unangenehm sind und die wir entsprechend nicht spüren wollen. Da tauchen dann womöglich Aggressionen, Ablehnung oder Stress in uns auf. Wir kommen als Begleiter an unsere Grenzen. Das Problem: Sind Eltern selbst gestresst, können sie ihr Baby nicht mehr co-regulieren, ihm nicht zur Entspannung verhelfen. Ein belastender Teufelskreis entsteht.

    Emotionelle Erste Hilfe und sichere Bindung

    In der Emotionellen Ersten Hilfe werden Eltern durch Einbindung des Körpers angeleitet, wieder in ihr Zentrum zu finden, so dass sie auch in schwierigen Momenten für sich und ihr Kind sorgen können.

    Ein besonders wichtiger Gradmesser für die elterliche Verfassung ist die Atmung. Kommen Eltern im Rahmen einer „Bindungskrise“, wie Thomas Harms ausführt, in einen „zunehmenden Stresskorridor, beginnt dieser Stress sich vor allem in der Atmung zu spiegeln. Die Atmung rutscht nach oben in den Brustraum, sie wird flach, der Körper wird fest. Die Brustatmung haben wir wenn wir in Stress- und Belastungssituationen sind. Die Atmung ist also ein sicherer Marker: Bin ich in einer öffnungsbereiten Situation, also ruhig und gelassen? Bin ich in der Brust, verliere ich den Sicherheitskorridor, ich stehe mit dem Rücken zu Wand. In dieser Verfassung werden alle relevanten Regelkreise und Systeme gestoppt, die eigentlich dafür da sind, mit dem Kind Kontakt aufzunehmen. Bestimmte Neuronen, bestimmte Nervenverbände, die für Spiegelung zuständig sind und dafür, dass ich in Kontakt komme, werden sofort gehemmt. Umgekehrt, bin ich ruhig, werden genau die Hormone ausgeschüttet, die diese Nähe und Zärtlichkeit unterstützen.“

    In der emotionellen ersten Hilfe geht es erstmal nicht um eine Psychotherapie, sondern darum, dass das Nötigste gemacht wird, damit Eltern die Füße wieder auf dem Boden haben. – Thomas Harms

    Diese Ausführungen machen deutlich, dass etwas Bestimmtes im Körper passieren muss, damit Bindung und Nähe zustandekommen können: „Wenn Eltern anfangen, sich über die Atmung zu spüren, passiert etwas mit dem Kind. Wie ein Sendeturm, der wieder beginnt, auszusenden – und das Kind loggt sich ins System ein. Kommen die Eltern in diesen warmen Strom, beginnt das Kind zum Beispiel, die Schultern lockerzulassen, oder es atmet tiefer. Viele Eltern beschreiben auch, dass Kinder gefühlt schwerer werden, weil sie loslassen, sich fallen lassen. Ganz ankommen. Das Baby kann sich nur abseilen, wenn es weiß, dass das Gegenüber hinreichend sicher ist. Dann übernimmt das Baby die Sicherheit der Eltern: Mama, ich spür dich jetzt. Ich begegne dir.“

    Thomas Harms im Gespräch: Keine Angst vor Babytränen

    Im Herbst besuchte ich eine dreitägige Fortbildung für PsychotherapeutInnen mit Dipl. Psych. Thomas Harms, die ich als überaus bereichernd empfand. Kurz darauf las ich sein neues Buch „Keine Angst vor Babytränen“ – das erste seiner Bücher, das er nicht für TherapeutInnen, sondern für Eltern geschrieben hat – und konnte auch daraus viel mitnehmen.

    Ich möchte dir sowohl unser Gespräch, als auch die Lektüre des Buches von Herzen empfehlen.

    Inhalte im Überblick:

    00.00 Ein Plädoyer für die Berechtigung des Babyweinens
    02.25 Ungesunde Grundidee: „Wenn mein Baby nicht weint, bin ich gut!“
    03.30 Weinen als Weltsprache und körpersprachliche Meinungsfreiheit
    04.50 Was soll ich tun, wenn mein Baby schreit? Wie begleite ich?
    06.30 Innere Sicherheit der Eltern und die Bedeutung der Atmung
    11.15 Falsche Stabilität und verunsicherte Babys als Spür- und Bindungswesen
    14.10 Wie Eltern durch achtsame Selbstbeobachtung sicher begleiten können
    20.30 Bindungsängste und brüchige Bindungserfahrungen bei Eltern
    25.00 Eltern als Kühlsysteme: Kinder brauchen Erwachsene, die erwachsen sind
    29.05 Akutkrise: Wenn Eltern das eigene Kind als Feind erleben
    31.50 Ruhe oder Vollgas: Wie Babys auf elterliche Leuchttürme reagieren
    33.10 Körperliche Signale und wie Eltern das „erzählende“ Baby begleiten können
    37.20 Ich sehe dich: Wenn wir uns selbst sichern können, gehen wir anders auf unsere Kinder zu
    40.30 Selbstlösung: Nicht alles ist Trauma, manchmal geht es nur um etwas Stabilität
    41.25 Wann ist die Zeit für professionelle Hilfe von außen in Form einer Therapie gekommen?
    42.50 Starke Bindung stärkt die Lungen: Sicherheit vertieft den Atemprozess
    45.35 Wohin kann ich mich wenden?

    Verlosung: Gewinne „Keine Angst vor Babytränen“

    Ich freue mich sehr, zwei Exemplare von Thomas Harms neuem Buch an meine LeserInnen verlosen zu dürfen.

    Um mitzuspielen…

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    Teilnahmebedingungen:

    Wenn du am Gewinnspiel teilnimmst, erklärst du dich damit einverstanden, dass ich deinen Namen und Anschrift an den Psychosozial Verlag weiterleite, damit dir dein Buch zugeschickt werden kann. Teilnahmeschluss ist der 21. November um 24.00 Uhr. Die GewinnerInnen werden am 22. November ausgelost und per E-Mail verständigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Alle TeilnehmerInnen müssen über 18 Jahre alt sein und in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnen. Der Gewinn kann nicht in bar abgelöst werden. Sofern sich die GewinnerInnen nicht innerhalb von zwei Tagen bei mir melden, behalte ich mich vor, andere GewinnerInnen auszulosen. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook oder Instagram. Das Teilen der entsprechenden Social Media Beiträge und Markieren von FreundInnen ist erwünscht, aber keine Voraussetzung, um am Gewinnspiel teilzunehmen.


    Es ist an uns Eltern, eine Art „zweigeteilte Achtsamkeit“ im Kontakt mit unseren Kindern zu etablieren, die uns ermöglicht, gleichzeitig bei uns selbst und beim Kind zu sein, und es so angemessen und hinreichend gesichert zu begleiten.

    Damit wir Leuchttürme sein können, die nicht einfach das Licht ausknipsen, wenn es stürmt, sondern gerade dann hell erstrahlen und Sicherheit spenden. Damit wir da sind, wenn’s drauf ankommt.

    Ich hoffe, du konntest aus dem Interview mit Thomas Harms etwas für dich mitnehmen und freue mich auf deine Meinung und Erfahrungen in den Kommentaren.

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