Motherhood

Zeo Zebra vs. Leo Lausemaus: Erziehung, Sexismus und veraltete Geschlechterrollen im Kids-TV

mini and me vergleicht zeo Zebra und leo lausemaus

„Tragen alle Frauen Röcke? Warum putzen die nicht gemeinsam? Kann Papa Maus gar nicht kochen?“ – Fragen, auf die meine Tochter eigentlich nie kommen würde. Weil Mama natürlich auch arbeitet. Weil wir den Haushalt gemeinsam schmeißen. Weil Papa nicht nur Kindermädchen ist, sondern ein vollwertiger Elternteil.

Über Mamas, die kochen und putzen, Liebe, die nicht an Bedingungen geknüpft ist und darüber, dass Eigensinn und Durchsetzungsvermögen ihre Wurzeln in der frühesten Kindheit haben müssen, um später Früchte zu tragen.


„Das darf nicht wahr sein!“ Mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen hocke ich neben meiner Tochter auf der Couch. Im TV läuft die erste Folge „Leo Lausemaus“. Ich gucke Minis Papa, der hinter der Couch steht, ungläubig an: „Ist das deren ernst?!“ Er blickt skeptisch und seufzt: „Ja, anscheinend. Leider.“

Aber fangen wir am Anfang an.

Prädikat wertvoll: Wir lieben Zeo!

Nein, das ist keine Schleichwerbung. Zeo Zebra fand sich in dem Goodie-Bag, das wir aus Berlin von der Blogfamilia im Frühling mit nach Hause nahmen. Mini hatte bis zu dem Zeitpunkt noch keine DVDs und war gleich Feuer und Flamme.

Die Zeichnungen fand ich auf Anhieb süß und da Papa seine Affinität zu Bewegtbild ohnehin nicht verbergen kann, durfte unsere Tochter sich bald die erste Folge ansehen. Eine Episode dauert etwa 10 Minuten und so guckten wir in den darauffolgenden Wochen nach und nach die ganze erste Staffel.

Zeo steht mittlerweile beinahe täglich mit ein oder zwei Folgen am Programm und unsere Sammlung wurde um einige Staffeln erweitert. Wenn eine Folge vorbei ist und Mini merkt, dass ich den PS4 Controller in die Hand nehme, um die Konsole abzudrehen, schaut sie mich süß lächelnd an und fragt: „Zwei?“ Daraufhin lehne ich mich meistens nochmal zurück und guck mit ihr oder nütze die Zeit, um eines der 126 Dinge zu erledigen, die ohnehin auf mich warten. Papa kennt Zeo mittlerweile vermutlich auswendig.

So funktioniert Familie: Wir sind ein Team und füreinander da!

Zeo ist ein Einzelkind. Er lebt mit seinen Eltern, Großeltern und der Uroma in einem Haus. Mit seiner besten Freundin Elzie und seinem Vogel Poc erlebt er viele Abenteuer. Sowohl die Kinder, als auch die Erwachsenen leben ein aufmerksames, wertschätzendes Miteinander. Mama und Papa gehen zur Arbeit. Ich mag, wie Opa sich um Zeo kümmert und die Ideen, die sie gemeinsam aushecken. Zeo ist ein kluger und ehrlicher Charakter, der Kind sein darf und es meiner Meinung nach dennoch oder gerade deshalb schafft, auch Vorbild zu sein.

Die Serie ist positiv, lehrreich und behandelt für Kinder interessante und relevante Inhalte auf sehr intelligente und charmante Art. Zeo Zebra hat das Prädikat „wertvoll“.

zeo Zebra und seine Familie und freunde

Foto: zeosabenteuer.de

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Bei Zeo Zebra können männliche und weibliche Charaktere von ihrer Statur kaum unterschieden werden, auch die Frisuren sind ähnlich. Dass als Unterscheidungsmerkmal Frauen Röcke tragen und Männer Hosen, finde ich suboptimal und denke auch, dass es hier elegantere Lösungen gegeben hätte. Betrachtet man das Gesamtbild und hat Vergleichsmöglichkeiten, sind die Röcke angesichts dessen, was in der Kinderserie alles richtig gemacht wurde, in meinen Augen in Ordnung. Fallen euch bessere Möglichkeiten ein?

… und dann kam Leo Lausemaus.

Mini und Papa stolperten irgendwann beim Herumzappen über die TV-Serie. Ich denke, sie lief auf SuperRTL. Die Schnecken wurden für lustig befunden und so fand wenig später die DVD der ersten Staffel ihren Weg zu uns nach Hause.

Mini war aufgeregt und wollte natürlich eine Folge gucken. Ehe ich mich versah, war die DVD auch schon im Player und los ging’s. „Wie süß!“, dachte ich, als ich das schöne Mäuseloch im Baum sah, das mit allerhand Menschenzeugs geschickt eingerichtet wurde. Man entdeckt Korken, alte Kerzen, Bücher und vieles mehr. „Sehr detailverliebt.“ Ich war vorerst positiv überrascht.

Wenn Mama mit Wespentaille und Schürze das Mäuseloch putzt

Und dann passiert es! Der schlimme Leo Lausemaus stürmt übermütig ins Haus hinein. Mit seinen schmutzigen Pfoten läuft er herum, hinterlässt überall dunkle Tapser. Mama, die mit weißer sexy Schürze den ganzen Tag damit verbracht hat, die Wohnung zu putzen, ist total verzweifelt. Zum Glück kommt da Papa von der Arbeit nach Hause, der zusätzlich Schmutz verursacht, sich neben Leo aufs Sofa fallen lässt und dessen Verhalten tadelt: „Jetzt muss Mama alles noch einmal sauber machen!“

Und Papa hat recht, es ist tatsächlich tragisch. Mama-Maus muss ob der schmalen Wespentaille darauf achten, während all der Hausarbeit nicht umzuknicken. Aber sie ist das anscheinend gewohnt: Sie seufzt noch einmal und bringt alles wieder auf Vordermann, damit sie anschließend für alle kochen kann.

Kein Schmäh.

Abgesehen davon, dass seine Eltern die Hausregeln an die Wand tackern, damit ihr Sohn sie auch ja nicht vergisst (und der dann nichts besseres zu tun hat, als sie zu zerknüllen und auf den Boden zu werfen), scheint Leo auf vieles einfach kein Bock zu haben.

Zwei Folgen hielten wir durch, dann war Schluss.

(Nachtrag, weil ich hier anscheinend missverstanden werde: Es ist nicht schlimm, das Mama „Hausfrau“ ist und daheim arbeitet – das mache ich auch. Ich finde es aber unter aller Sau, wenn Papa die Beine hochlegt und sowohl er, als auch Leo Mama alleine den Dreck wegmachen lassen, den SIE verursacht haben. Hier sollte die Familie gemeinsam anpacken und sich – wie in allen Lebenslagen – gegenseitig unterstützen. Dann würde das Aufräumen auch gleich viel mehr Spaß machen.)

leo lausemaus und seine Eltern vor ihrem mäuseloch

Foto: universumfilm.de

Kindliches Lernen braucht kein Negativbeispiel!

„Vielleicht ist ja die Buchvorlage schuld?“, dachte ich mir und fand schnell Titel wie „Leo will nicht essen“ oder „Leo sagt nicht die Wahrheit“ und „Leo will nicht teilen“. Auf der DVD liest sich fein „Regeln sind blöd“, „Jungs sind besser als Mädchen“ und „Das gehört mir“. Ja, die Thematiken dürften vom Kinderbuch vorgegeben sein, die Wespentaille sucht man bei der putzenden, kochenden Mama-Maus im Buch zum Glück aber vergeblich.

Egal ob Suppenkasper oder Struwwelpeter: Die Geschichte vom Kind, das etwas nicht tun möchte und dann sieht, was es davon hat, ist wohl so alt, wie Erziehung selbst.

Aber: Kinder brauchen kein Negativbeispiel in Buch oder TV, um auch ja schön „artig“ zu sein, zu „folgen“ und – schlussendlich – zu lernen. Ganz abgesehen davon, dass es gar nicht in unserem Interesse sein sollte, Kinder großzuziehen, die „artig“ sind und „folgen“. Wenn wir kritisch hinterfragende, selbst denkende Individuen mit Durchsetzungsvermögen auf ihrem Weg begleiten möchten, müssen diese Charaktereigenschaften auch irgendwo ihre Wurzeln haben dürfen.

Liebe an Bedingungen knüpfen? Bitte nicht!

Im Buch „Leo trödelt mal wieder“ geht Leo schon früher ins Bett, weil er tagsüber etwas dazugelernt hat. Seine Eltern sind verwundert und Papa sagt: „Ist er nicht eine kluge Lausemaus?“ Darauf die Mama: „Ja, das ist er, und darum haben wir dich auch so lieb, kleiner Leo!“

Liebe an Bedingungen zu knüpfen, ist wirklich immer eine gute Idee… Ironie off.

Alfie Kohn macht die bedingungslose Elternliebe in seinem wunderbaren Buch „Liebe und Eigenständigkeit“ zum zentralen Thema. Beim Gewünschtesten Wunschkind lest ihr in der umfassenden Rezension dazu:

„Unsere Liebe sollte nicht davon abhängen, wie sie sich verhalten oder welche Leistungen sie vollbringen, unsere Liebe sollte bedingungslos sein. Nun wird jeder Vater und jede Mutter einwenden, dass sie ihr Kind natürlich bedingungslos lieben und das wird auch tatsächlich so sein. Nur: es reicht nicht aus, bedingungslos zu lieben – entscheidend ist vielmehr, ob sich das Kind bedingungslos geliebt fühlt. […] Bei der heute weit verbreiteten Erziehung  – ich nenne sie mal „konventionell“ oder „traditionell“ – wird davon ausgegangen, dass Kinder hauptsächlich durch Verstärkung lernen: erwünschtes Verhalten wird gelobt, unerwünschtes bestraft. Beim bedingungslosen Erziehungsansatz geht man dagegen davon aus, dass hinter jedem Verhalten ein Grund steckt. Jedes Verhalten ist außerdem ein Ausdruck von Gefühlen und Gedanken. Wir sollten diese Gründe nicht ignorieren, indem wir uns allein auf die Beeinflussung des Verhaltens konzentrieren.“

mini-and-me-leo-lausemaus-veraltete-geschlechterrollen-im-kinderfernsehen-buchausschnitt

Foto: lingenverlag.de

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Zeo und Leo: Ein Buchstabe macht den Unterschied

„Leo Lausemaus“, so wie wir es bisher kennenlernen durften, widerspricht in zu vielen Punkten meinem grundsätzlichen Verständnis von wertschätzender und bedürfnisorientierter Elternschaft und modernen Geschlechterrollen, wie wir sie unserer Tochter vorleben.

Vielleicht hätten wir einfach noch ein wenig weiterschauen müssen. Vielleicht haben die FilmemacherInnen ja das ein oder andere Detail verändert und so ein neues, zeitgemäßeres Gesamtbild entstehen lassen. Vielleicht war ich zu Unrecht gleich so abgeschreckt. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich behaupte nicht, dass in die Entwicklung dieser Serie nicht viel Zeit und Liebe investiert wurde – das würde ich mir nie anmaßen. Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass mich der Teil des Ergebnisses, den ich kenne, enttäuscht.

Eigentlich war ich immer jemand, der es nicht nachvollziehen konnte, wenn Mütter sich über unzeitgemäße Geschlechterrollen im Kinderfernsehen aufgeregt haben. Ich dachte, dass immer noch wir als Eltern es sind, die unserem Kind Gleichberechtigung vorleben und TV-Sendungen demnach höchstens Randerscheinungen.

Dieser Meinung bin ich immer noch.

Aber nun verstehe ich, dass und warum Eltern sich über so etwas Gedanken machen.

Ich weiß jetzt, dass auch wir Inhalte für unsere Tochter „filtern“ werden, solange wir die Möglichkeit dazu haben. Diese Thematik wird für uns ja gerade erst relevant. Erfahrungsgemäß verändert sich meine Meinung in den kommenden Monaten, wie bei so vielen kinderbezogenen Themen, noch einige Male.

Post-It Notiz oder Aufdruck fürs nächste T-Shirt zum Schluss:

Geschlechterklischees sind, was wir daraus machen!

Ich geh jetzt die Küche putzen und kochen. Nackt.

Schließlich kommt mein Mann gleich von der Arbeit heim und will verwöhnt werden.


Ihr seid riesengroße Lausemaus-Fans und ich hab was komplett falsch verstanden oder einfach keine Ahnung? Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit Kindersendungen gemacht?

Ich freu mich über eure Meinung, Kritik oder gern auch Bestätigung – in den Kommentaren! 😀

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Leo Lausemaus © Studio Bozzetto&Co.
Zeo Zebra © CyberGgroup Studios

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(Inklusive 9 Artikel, die mir dabei geholfen haben, ein Stückchen mehr die Mama zu werden, die ich sein möchte und Buchempfehlungen.)

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5 Kommentare

  • Reply
    Katharina
    10. August 2016 at 19:45

    Liebe Jeannine!

    Ich bin da ganz deiner Meinung. Leo Lausemaus wird hier nicht gekuckt und auch die Bücher werden weitgehend vermieden. Mir waren die Geschichten und Charaktere von Anfang an leider nicht sehr sympathisch und ich kann mit deren Erziehungsansichten auch nicht viel anfangen.

    Ich würde lügen wenn ich sage bei uns wird nicht TV gekuckt. Meiner Meinung nach ist das aber auch völlig in Ordnung, solange Dauer und Programm mein Kind nicht überfordern – why not? Es ist ja nicht so dass man jeden Tag ununterbrochen die Flimmerkiste laufen lässt und ich finde es doch sehr wichtig dass sie einen normalen und gesunden Umgang damit kennenlernen.

    Unsere absolute Lieblingsserie ist „Jonalu“
    Kennst du die? Zwei Mäuse und ein Marienkäfer erleben in jeder Folge ein tolles Abenteuer- dabei wird gesungen, gereimt und getanzt. Die Kinder werden aufgefordert mitzumachen und was ich auch ganz toll finde ist, dass in jeder Folge ein weiterer Freund zur Hilfe eilt und jeder aus einem anderen Land kommt und die Kinder somit auch mit fremden Sprachen spielerisch ein wenig in Kontakt kommen.

    Jonalu kann ich wirklich voller Überzeugung empfehlen!

    Liebe Grüße
    Katharina

  • Reply
    Andrea
    10. August 2016 at 19:53

    Ich hab mir noch nie genauer überlegt, was für ein Bild diese Kinderbücher vermitteln, aber der Artikel liefert einen guten Denkanstoß. Allein schon wegen der beiden letzten Sätze ist er unbedingt lesenswert 😉

  • Reply
    Stefanie
    10. August 2016 at 20:09

    Hallo…
    Ich kenne nur zeo flüchtig. Leo Lausemaus haben wir noch nie gesehen. Zum Glück offensichtlich. :-O

    Da wir Prime haben (und ich persönlich vom TV Programm wenig halte, da ich den Fernseher nicht schon in der Früh einschalten will wenn die Kinsersendungen für die kleinen laufen) sehen wir nur ausgewählte Sendungen.
    Besonders beliebt bei uns ist Peppa Wutz, Bobo (ein Waschbär) und der SandMann vor dem schlafen gehen. ☺
    Liebe Grüße

  • Reply
    Danja
    11. August 2016 at 18:59

    Ganz schrecklich auch als Leo total enttäuscht ist, dass er eine Schwester bekommt, denn die kann ja gar nicht Fußball spielen! 😳 Unsere Kleine würde am liebsten den ganzen Tag kicken und hat ganz schön komisch geguckt, als wir das vorgelesen haben. Bei Leo muss man das halbe Buch kommentieren mit: „So ein Quatsch, das stimmt ja gar nicht! Mädchen können super Fußball spielen…“ etc. Bei uns werden die zwei Leo Bücher bei nächster Gelegenheit unauffällig aussortiert…

  • Reply
    Bubenmamas aufgepasst: So wird dein Kind hoffentlich nicht zu Donald Trump Junior - Fräulein im Glück
    10. Oktober 2016 at 7:04

    […] als Eltern ankämpfen gegen eine Kultur, die unseren kleinen Söhnen täglich in der Werbung, in Serien und beim Spielzeug vorzeigt, was „typisch Mann“ zu sein hat und dass Dominanz und Aggressivität […]

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