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Nachhaltige Monatshygiene: Erfahrungsbericht nach einem Jahr Zero Waste (Menstruationstasse & Stoffbinden FAQ)

Zero Waste Menstruation: Erfahrungsbericht nach einem Jahr mit nachhaltiger Monatshygiene (Menstruationstasse, Stoffbinden, Zero Waste, Simple Living, Zero Plastic, Plastikfrei, Frauengesundheit, Regelschmerzen, Mensutruationsbeschwerden, Körpergefühl, Mini and Me)

Angenommen, du hast deine Periode von deinem 13. bis zum 53. Geburtstag. 420 Tampons pro Jahr, 40 Jahre lang. Nach dieser Rechnung benötigst du im Laufe deines Lebens ganze 16.800 Stück. Neben den gesundheitlichen Nachteilen, die mit konventionellen Hygieneartikeln einhergehen, bedeutet das bei der Vielzahl an menstruierenden Frauen weltweit auch eine riesengroße Belastung für die Umwelt.

Höchste Zeit also, etwas daran zu ändern.


Zero Waste Menstruation: Nachhaltige Monatshygiene

Als ich vor etwa 1,5 Jahren gefragt wurde, ob ich eine Menstruationstasse testen wollen würde, wusste ich gar nicht, was gemeint ist. Ich googelte und war von der Vorstellung, eine Silikontasse anstelle eines Tampons in meinen Unterleib zu schieben, erst nicht angetan. Aber ich las nach, informierte mich und war auch im Austausch mit Katie, die in ihrem Online Shop Tassen verkauft. Es brauchte nicht lange, bis ich wusste: Ja, ich will.

Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut. Im Gegenteil!

Menstruationstasse: (kl)eine Begleiterin für bis zu 10 Jahre

Nach mehr als vier Monaten testen verfasste ich damals einen umfangreichen Artikel mit allen Infos zur Menstruationstasse sowie den Nachteilen konventioneller Pflegeprodukte. Die betreffen nämlich nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit und den Geldbeutel.

Auch wenn ich mich nicht als Autodidaktin bezeichnen würde, wenn es um Tassen geht, so kam ich doch schnell gut damit zurecht und hatte mich nach ein paar Zyklen auch an die Tasse und ihre Handhabung gewöhnt.

Es klingt vielleicht befremdlich, wenn du selbst (noch) keine Erfahrungen mit einer Tasse gemacht hast, aber: Mein Körperbild hat sich extrem verändert. Ich habe nun einen gänzlich anderen Blick auf die weibliche Menstruation. Das Blut ist – entgegen dem, was wir oft lernen und die Eindrücke, die wir gewinnen, wenn wir ein Tampon nach mehreren Stunden wechseln – nicht ekelhaft und riecht auch nicht seltsam. Es ist einfach nur Blut.

Weil ich es sehr wichtig finde, jungen Mädchen diesen neutralen Blick auf ihre Menstruation zu ermöglichen, bin ich absolut dafür, sie als echte Alternative bereits bei Jugendlichen zu etablieren und hier auch zu informieren. Daheim, in Schulen und überall sonst, wo derlei Themen Platz finden können.

Seit ich keine Tampons mehr verwende, habe ich auch kaum noch Regelschmerzen. Die meisten der Frauen, mit denen ich gesprochen habe und die ebenso auf Menstruationstassen umgestiegen sind, haben diese Erfahrung bestätigt.

Gar kein Mist mehr: Stoffbinden und Stoffslipeinlagen

Bald war für mich klar, dass ich auch Slipeinlagen und Binden, die ich teilweise verwendete, durch nachhaltige Alternativen ersetzen wollen würde. Da ich kein „Fan“ von Binden bin, war mein Gedanke der, sie zur Sicherheit daheim zu haben. Mein hauptsächliches Interesse galt den Slipeinlagen, die vor allem in den ersten Tagen der Periode als „Backup“ dienen sollen.

Ich sah mich also – einmal mehr – online um und stieß bald auf die Windelmanufaktur.  Hier verkauft Stephanie, neben selbstgenähten Stoffwindeln mit allem drum und dran – auch Stoffbinden und Slipeinlagen. Wir mailten einige Male hin und her und sie beantwortete mir meine Fragen rund ums Thema und zu ihren Produkten. (Ihre Antworten liest du etwas weiter unten im Artikel.)

Wenige Tage später erhielt ich die Binden und Slipeinlagen, die ich allesamt auch heute noch verwende. Jede einzelne. Und die meisten sehen in der Tat aus wie neu.

Ohne Klebstoff? Verrutscht da nichts?

Erst war ich unsicher und konnte mir nicht vorstellen, dass Binden aus Stoff auch wirklich dichthalten könnten. Sowohl bei den Binden als auch bei den Slipeinlagen war ich besorgt, sie könnten zudem eventuell verrutschen. Denn klar, die Wegwerfartikel kommen allesamt mit einer dicken Schicht Kleber (der Weichmacher enthält) daher, damit auch ja alles sitzt.

Dass viele der Materialien, die zur Herstellung verwendet und in direkten Kontakt mit dem weiblichen Intimbereich kommen, nicht zwingend förderlich für die Gesundheit sind, liegt auf der Hand. Darunter finden sich beispielsweise Dioxin, Formaldehyd, synthetische Farb- und Duftstoffe und Glyphosat. Bio ist da nichts – es sei denn, man greift bewusst zur biologischen Alternative.

Bereits nach der ersten Periode mit Stoffbinden- und Slipeinlagen war für mich klar, dass ich hier eine echte Alternative zu herkömmlichen Produkten gefunden hatte.

Ja, sie sind saugfähig. Nein, sie verrutschen nicht.

Ein kleiner Druckknopf auf der Unterseite sorgt dafür, dass sie an Ort und Stelle bleiben.

Polyurethanlaminat, kurz PUL, ist ein wasserdichtes und atmungsaktives Verbundmaterial, das sich in den Binden und in manchen der Slipeinlagen der Windelmanufaktur befindet und dafür sorgt, dass alles dicht ist. (Auf Wunsch kann es auch weggelassen werden.)

Die Slipeinlagen für schwache Tage oder eben als Backup für die Menstruationstasse, verfügen beispielsweise über eine Saugschicht aus weichem Baumwollflanell.

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Fotos © Windelmanufaktur


Interview: Alles Wichtige zu Stoffbinden und Stoffslipeinlagen

Die Stoffslipeinlagen und -binden der Windelmanufaktur werden in einem kleinen Atelier in Dresden hergestellt. Inhaberin Stephanie Oppitz verwendet nur die feinsten Materialien, wie für ihre Stoffwindeln. Sie sind ausgiebig getestet und halten der Benutzung lange stand, wovon ich mich selbst überzeugen durfte.*

Ich habe ihr einige Fragen gestellt und denke, wenn du das liest, bist du definitiv mit allen Infos versorgt, die du für deinen Weg zur kompletten Zero Waste Menstruation brauchst.

1. Wo liegen die großen Vorteile bei Stoffbinden bzw. Slipeinlagen?

Stoffbinden und Stoffslipeinlagen haben gegenüber herkömmlichen Wegwerfartikeln einige Vorteile. So wird bspw. kein Müll produziert, da die Einlagen einfach bei 60°C in der Waschmaschine gewaschen werden und so sehr lange und immer wieder hygienisch rein verwendet werden können.

Es ist außerdem ein viel angenehmeres Hautgefühl. Bei unseren Damenhygieneartikeln kann frau sich zwischen Baumwollsherpa, Microfleece und Baumwollflanell als an der Haut anliegenden Stoff entscheiden – je nachdem, ob man es lieber kuschelig hochflorig, samtig-weich oder natürlich-zart mag.

Natürlich ist ein wahnsinnig großer Vorteil auch, dass in unseren Slipeinlagen und Stoffbinden keine Zusatzstoffe oder Chemikalien enthalten sind, die der Haut und dem Körper schaden oder Feuchtigkeit entziehen.

2. Wie viele Binden und Zubehör braucht man in etwa für die Monatshygiene, wenn man nichts anderes verwenden möchte?

Das ist ganz individuell. Auch bei Wegwerfartikeln hat jede Frau einen anderen Bedarf. Das kommt ganz auf die Stärke und Dauer der Blutung bzw. des Ausflusses an und ob man parallel Tampons oder eine Menstruationstasse verwendet.

Das persönliche Hygieneempfinde spielt natürlich eine Rolle und es kommt auch darauf an, wie oft man waschen kann und möchte.

Wenn man während „seiner Tage“ komplett auf Tampons bzw. Menstruationstasse verzichten will, dann sollte man sich natürlich schon mit einer ganzen Reihe an großen bzw. mittelgroßen Stoffbinden eindecken, damit man mehrmals am Tag wechseln kann und auch nachts gut versorgt ist.

Manchen Frauen reichen auch unsere kleinen Stoffbinden, die so groß wie die Slipeinlagen sind aber mehr Saugschichten haben. Eine generelle Empfehlung ist hier leider nicht auszusprechen.

Sehr viele Frauen verwenden Menstruationstassen, die ja auch wunderbar nachhaltig sind und noch viele weitere positive Eigenschaften besitzen, und haben dann eine Slipeinlage mit PUL-Schicht als Backup eingeknöpft.

Trotzdem können wir aus unserer Erfahrung vielleicht folgende Aussage machen: Für normalen Ausfluss sind sieben Slipeinlagen für eine Woche eine gute Zahl, wenn man sie dann ungefähr einmal pro Woche mit in die 60°C-Wäsche gibt.

Wer für seine Menstruation gut versorgt sein will braucht pro Tag mindestens vier Stoffbinden, plus Nachts noch jeweils eine große.

Je nachdem wie lang die Menstruation dann dauert und wie oft man wäscht muss man diese Zahl noch multiplizieren.

3. Woher weiß ich, welche Bindengröße die richtige für mich ist?

Auch hier kommt es auf die Stärke der Blutung bzw. des Ausflusses an, auf die eigene Statur und Slipgröße sowie auf das persönliche Empfinden.

Unsere großen Stoffbinden empfehlen wir Frauen für den Wochenfluss nach der Geburt, für die Nächte wenn man keinen Tampon bzw. keine Menstruationstasse verwenden möchte und bei leichter Inkontinenz. Die großen Stoffbinden sind schon sehr voluminös.

Unsere mittelgroßen Stoffbinden haben eine angenehme Größe für die normale Monatsblutung.

Die kleine Stoffbinde mit der Länge einer Slipeinlage eignet sich für alle Frauen, die ein zarteres aber dennoch saugstarkes Backup benötigen.

Die Slipeinlagen der Windelmanufaktur sind von der Größe ähnlich wie herkömmliche Werwerfartikel und somit gut geeignet für alle Slipformen.

Für junge Mädchen bzw. zarte Frauen haben wir zusätzlich zu unseren normalen Slipeinlagen die schmalen Slipeinlagen entwickelt, die kürzer und schlanker geschnitten sind.

Tangaslipeinlagen haben, wie der Name schon sagt, die perfekte Form für Tangas, damit sich Frauen auch mit dem kleinsten Slip sicher fühlen.

In unserem Onlineshop kann man sich anhand der Fotos und der Längenangaben ein Bild von den verschiedenen Größen und Formen machen. Am besten ist es natürlich, vor Ort in unserem Atelier alle Artikel mal in die Hand zu nehmen, anzufühlen und zu vergleichen.

4. Unterscheiden sich Stoffbinden auch durch andere Merkmale als die Größe?

Ja, unsere Stoffbinden und auch die Slipeinlagen haben eine unterschiedliche Anzahl an Saugschichten im Inneren welche aus unterschiedlichen Materialien bestehen.

Sie können außerdem sowohl mit als auch ohne wasserdichter aber atmungsaktiver PUL-Schicht bestellt werden, der an der Haut anliegende Stoff variiert und natürlich gibt es viele verschiedene Designs.

Wir versuchen durch diese Vielfalt jeder Frau das passende Produkt bieten zu können.

Wer ganz spezielle Wünsche zur Zusammensetzung oder einen Lieblingsstoff für ein ganz individuelles Design hat, kann sich auch ein Unikat anfertigen lassen.

5. Wie bewahre ich benutzte Binden unterwegs auf?

Am besten eignen sich dafür unsere kleinen Wetbags. Das sind kleine Beutel, die im Inneren mit einer Schicht aus Polyurethan beschichtet sind, was diese Nasstaschen wasserdicht aber atmungsaktiv macht.

Darin können die Stoffbinden und Slipeinlagen diskret verstaut und später gewaschen werden. Die Wetbags vertragen übrigens auch eine 60°C-Wäsche problemlos und werden so immer wieder hygienisch rein.

6 .Wie wasche ich benutzte Binden?

Bei 60°C mit normalem Colorwaschmittel. Es ist auch nicht nötig, sie vorher einzuweichen oder so – einfach nur aufbewahren (nicht unter Luftabschluss wie in einer Plastiktüte!) und dann waschen. Die modernen Waschmittel sind so effizient geworden, die schaffen die Blutflecken auch ohne Vorbehandlung und Co.


Der Umstieg zur nachhaltigen Monatshygiene war eine der besten Entscheidungen, die ich für meine Gesundheit und mein Körpergefühl bisher getroffen habe. Deshalb möchte ich dir ehrlich ans Herz legen, sowohl die Tasse als auch Stoffbinden und Co. selbst zu testen.

Ich freu mich auf deine Erfahrungen mit nachhaltiger Monatshygiene!

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Quellen:

*Die Stoffbinden- und slipeinlagen wurden mir teilweise von der Windelmanufaktur zur Verfügung gestellt. Dies ist kein bezahlter Beitrag.

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