Motherhood

Mini mag Apfel: Über die Beikosteinführung

Von Fläschchen und Schnuller wollte sie nichts wissen, von Apfel und Co. bekomm ich Mini aber kaum los: Die Kinderärztin gab kürzlich grünes Licht für die ersten Löffel Beikost und wir sind neugierig am Herumprobieren. Irgendwo am gespannten Drahtseil des nicht mehr vollen Stillens wagen wir einen kühnen Spagat zwischen viel zu vielen Löffeln und viel zu wenig Tee, genüsslichem Schlemmen und unangenehmem Blähbauch.

Frisch zubereiten oder fertig im Glas?

Diverse Drogeriemärkte erscheinen seit Kurzem also wie ein Dschungel voller (Un-)Möglichkeiten. Was es da alles gibt, hätte ich nicht gedacht. Nicht mal mehr Fisch muss frau selber kochen. Theoretisch.

In der letzten Ausgabe des Eltern-Magazins ging es um die Beikosteinführung: Eltern mit ganz verschiedenen Ansätzen wurden hintereinander porträtiert. Eine gute Sache, da es mir, die ich in dem Bereich zugegeben jungfräulich und experimentell unterwegs bin, geholfen hat, die unterschiedlichen Möglichkeiten im Vergleich zu sehen.

Besonders interessant fand ich eine Mutter, die ganz einfach zugegeben hat, dass ihre Tochter hauptsächlich Fertiges aus dem Gläschen bekommt… Punkt. Die kleine Pragmatikerin in meinem Kopf machte einen Luftsprung: Was hatte ich mich davor gestresst! Ich koche nunmal nicht täglich – bei Gott, ich bin weit davon entfernt – und einmal viel für die Mini zu kochen, um dann erst recht alles einzufrieren, erschien mir auch suboptimal. Ich weiß nicht, ob man das Argument der Eltern-Heft-Mutter, „Die Zutaten der Babygläschen werden noch strenger auf ihre Qualität kontrolliert, als jene Produkte, die im Supermarkt verkauft werden – bio, etc.“, einfach so stehen lassen kann, aber ich muss sagen, dass ich bei den Gläschen kein schlechtes Gefühl habe. Leichtsinnig? Ich hoffe nicht. Claus Hipp steht ja schließlich mit seinem Namen dafür… ähem.

Ich stresse mich nun auf jeden Fall nicht mehr so, wie zuvor. Wenn ich mal koche, bekommt Mini auch was ab – natürlich ohne Würze und vor allem ohne Salz im ersten Lebensjahr. Und wenn ich nicht koche, also in gut 70 % der Fälle, bekommt sie ein fertiges Gläschen und immer mal wieder frisches Gemüse/Obst zum Knabbern. Find ich OK so.

Wann fang ich an?

Mini signalisierte bereits mit drei Monaten deutlich, dass sie unser Essen gerne mal kosten würde. Da ich zur selben Zeit teilweise wieder ins Berufsleben eingestiegen bin – im Ausmaß von sage und schreibe vier Stunden pro Woche – bekam unsere Tochter die ersten paar Löffelchen schon nach dem vollendeten 4. Monat. Nach Rücksprache mit unserer Kinderärztin ließen wir das allerdings gleich wieder bleiben. Denn auch wenn von Hipp, Alete und Konsorten Produkte ab diesem Alter angeboten werden, sollte aus entwicklungstechnischen Gründen und zur Allergieprävention noch nicht zugefüttert werden. Die aktuelle Empfehlung der WHO ist eine langsame Einführung der Beikost ab dem 6. Monat. Statt den vollständigen Mahlzeiten bekam unsere Tochter also immer mal wieder eine Karotte, Gurke oder ein Stück Apfel zum Lutschen – natürlich alles bio.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihrem Baby grundsätzlich nichts Püriertes zu geben, könnten Sie Artikel und Bücher zum sog. „Baby Led Weaning“ interessieren. In unserem Fall mag Mini sowohl Breiiges, als auch Gemüse und Co. zum Anknabbern.

Als Anzeichen für Beikostreife gelten übrigens Signale wie riesiges Interesse am Essen der Großen mit entsprechenden Kaubewegungen, ein verminderter „Herausschiebreflex“ (Babys, die noch nicht bereit sind für etwas anderes als Milch, schieben Brei mit der Zunge in der Regel wieder aus dem Mund.) und auch übermäßige Speichelproduktion (Die kann aber auch auftreten, wenn sich der erste Zahn ankündigt). Außerdem sollte ein Baby seinen Kopf selbständig halten, die Hand selbst zum Mund führen und mit etwas Unterstützung sitzen können. Bei uns traf all das zu und nach dem vollendeten 6. Monat ging’s endlich los mit der ersten richtigen, halbersetzten Mahlzeit. Mini liebt’s.

Das schmeckt nicht!

So gern sie alles essen würde, das auf dem Teller der Erwachsenen landet, so pingelig ist sie, wenn’s um ihre eigenen Gerichte geht. Ganze Karotte und Gurke? Kein Problem! Ein Stück Apfel? Her damit! Auch Früchtemus liebt Mini, aber bei Gemüse und pürierten Menüs, braucht es meist ein wenig Zeit.

Seit ein paar Tagen hat sie übrigens eine neue Angewohnheit, die mich jedes Mal wieder zum Lachen bringt: Ich setzte sie in ihre Wippe, mich neben sie und Mini sieht, wie ich ihre Mahlzeit umrühre und ein wenig auf den Löffel packe. Wenn ich den dann langsam zu ihr führe und das obligatorische „Mmmmmhhh“ gebetsmühlenartig vor mich hin summe, verzieht sie plötzlich das Gesicht und benutzt dafür Gesichtsmuskeln, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie sie besitzt. So sieht Ekel aus, meine Damen und Herren! Als hätte sie in eine saure Zitrone gebissen… Und das alles, noch bevor der Löffel überhaupt in ihrer Nähe war. Gefolgt wird das neue Ritual von einem frechen, zuckersüßen Grinsen oder zufriedenem Schmatzen.

Zum Glück mag sie dann eben doch das meiste. Bisher konnte ich nur Spinat mit Kartoffel und Kürbis mit Kartoffel wieder einpacken. Am allerliebsten würde sie immer and Mamas Bio-Kornspitz nagen, aber nachdem sie bei drei Mal ein wenig kosten, jedes Mal Luftblasen im Bauch hatte, die auch wieder entweichen wollten, war’s das bis auf Weiteres. Es bleibt beim Baby-Keks. Stangensellerie mag sie nicht. Ihr Papa schon. Da kommt sie wohl nach mir. Auch bei sehr wählerischen kleinen ZeitgenossInnen gilt: Es kann sehr viele Anläufe brauchen, bis ein neuer Geschmack akzeptiert wird. Nicht verzagen!

Welche Mahlzeit ersetzen?

Wir haben mit einem späten Mittagessen angefangen: Mit jener Mahlzeit, die Mini nach ihrem Mittagsschlaf bekommt. Also nach diesem ominösen Dingsbums, das in allen Elternzeitschriften und Babynewslettern empfohlen wird und von dem unsere Tochter wenig bis gar nichts hält. Variiert täglich. Da die Beikost langsam eingeführt werden soll, lassen wir auch nach ein paar Wochen mit warmem Essen und Fencheltee noch keine Milchmahlzeit komplett aus. Mini bekommt einige Löffel und trinkt danach von ihrem Trinklernbecher. Was dann noch fehlt um die Akkus vollständig aufzuladen, bekommt sie von der Brust. So können wir sicher sein, dass sie satt geworden ist.

Als nächstes bekommt Mini vielleicht ein paar Löffel Frucht am Vormittag und etwas Getreidebrei abends. Alles immer in Verbindung mit Muttermilch. Es gibt zum Glück Themen, bei denen ich belesener bin, als bei dem hier: Was die Beikost angeht, vertrau ich über weite Strecken einfach meinem Gefühl. Ohne Ratgeber. Daran ändert auch der Ernährungsplan, der seit neuem in unserer Küche hängt, nichts.

Ein Hoch auf den Busen!

Erst jetzt wird mir klar, wie unkompliziert die Brust tatsächlich ist. Ja, die ersten Wochen waren eine Herausforderung, aber beim Ausflug nichts für Minis Nachmittagsmahlzeit zu vergessen, ist angesichts meiner sich hartnäckig haltenden Stilldemenz beinahe eine noch größere. Und diese Sauerei immer. Momentan könnte ich unsere ganze Waschmaschine vollbekommen – nur mit ihren Lätzchen!

Bei all dem Herumprobieren und Experimentieren mit neuen Geschmäckern, darf ich aber nicht vergessen, mir ausreichend Zeit zu lassen. Es ist unglaublich, wie schnell die interessierten Fragen von einem „Du stillst aber schon noch, oder?“ zu einem „Was, du stillst noch?“ werden. Und irgendwie stresst mich das schon ein bisschen. Klar, noch stellt die zweite Frage nicht jede/r, aber gerade vermeintlich karriereorientierte Frauen scheinen zusehends verwundert über meine Entscheidung, länger als sechs Monate zu stillen. (Aktuell gibt die WHO übrigens eine ideale Stilldauer von zwei Jahren an. Ob ich das packe und überhaupt will, weiß ich noch nicht.) Aber dass ich, wenn’s funktioniert, auf jeden Fall ein Jahr lang stillen werde, steht für mich außer Frage. Und so busenfixiert, wie unsere Mini ist, wird das Abstillen eine vermutlich fast so große Challenge wie das in Gang bringen damals.

Wie war/ist/wird die Beikosteinführung bei Ihnen? Welche Pläne haben Sie? Was hat gut funktioniert, was weniger und was sollte frau unbedingt beachten?

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2 Kommentare

  • Reply
    MutterGans
    21. Januar 2015 at 5:30

    Nachdem wir jetzt bei Nummer vier angekommen sind. Haben mit ca 6 Monaten mit Gläschen angefangen. Zeit mäßig wäre das am einfachsten gewesen. Naja bis er uns gezeigt hat, dass er sich nicht für dumm verkaufen lässt. Es musste das richtige Essen seiner Geschwister sein. Seit dem machen wir intuitives baby-led-weaning. Und ja jetzt mit 15 Monaten wird auch noch gestillt.

    • Reply
      Jeannine
      23. Januar 2015 at 22:31

      Das klingt ja toll, der kleine Mann weiß eben, was gut ist! 🙂 Mit Mini wird es auch immer schwieriger, denn je mehr „richtiges“, unpüriertes Essen sie bekommt, desto mehr möchte sie auch. Ich kann sie kaum noch von meinem Teller fernhalten und da sie ja auch sehr genau zeigt, was sie möchte, bekommt sie meist auch eben das… 😉 Schön zu lesen, dass es bei euch so gut funktioniert und dass der Kleine noch gestillt wird. Ich wünsche euch auch weiterhin viel Spaß und eine wunderbare Zeit dabei. Übrigens: Wow, vier Kinder! 🙂

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