Motherhood

„Mama, ich bin schüchtern!“ – Warum es so wichtig ist, unser Kind zu begleiten, wenn es uns braucht

kind hält die hand seiner mama in der wüste

Heute im Café. Ich sitze an einem kleinen Tisch, gleich neben dem Teich, in dem es gerade vor Fröschen nur so wimmelt. Schön ist das. Während ich meinen Laptop aufklappe, bestelle ich eine der hausgemachten Limonaden, die ich so mag. Es ist wenig los. Ich freue mich auf eine Stunde konzentriertes Arbeiten, bevor ich wieder heim fahre.

Hinter mir nehmen kurz darauf zwei Frauen, vermutlich etwas älter als ich, Platz. Ich nehme sie nur halb wahr, höre erst ihre Stimmen, versinke dann aber wieder in meinem Bildschirm.

Bis zu dem Moment, in dem die eine nach dem Sohn der anderen fragt: „Wie geht’s Lukas denn?“ Die andere atmet tief durch und antwortet: „Gut. Aber er ist SO schüchtern!“

Wenn ich nicht weghören kann und das Zuhören schmerzt

„Noch immer? Wie alt ist er denn jetzt?“

„Vor kurzem drei geworden.“

„Hm, aber, wie meinst du, schüchtern? Also, wann ist er schüchtern?“

„Immer! Es ist eine Katastrophe. Ich meine, ich war auch schüchtern als Kind, aber er übertrifft leider alles. Er redet nicht mit Fremden und auch nicht mit Bekannten von uns. Er grüßt auch nie und er nimmt keine Geschenke an. Kein Zuckerl oder Luftballons oder so. Letztens war er mit seiner Oma unterwegs und die Dame hinter der Theke wollte ihm beim Einkaufen eine Scheibe Wurst geben. Meine Mutter hat ihn aufgefordert: ‚Diesmal nimmst du’s aber selbst, Lukas, gell?‘ aber sein ganzer Körper hat sich versteift. Uns ist das immer so peinlich! Am Ende nehmen wir die Dinge dann für ihn.“

Ich stutze. Es ist ihr peinlich? Ich möchte nicht lauschen, aber weghören geht halt auch nicht.

„Bei anderen Kindern braucht er auch immer ewig, bis er sich zumindest in ihre Nähe traut. Letzte Woche waren wir bei einem Kindergeburtstag mit Clown. Lukas stand die ganze Zeit neben mir. Irgendwann hat der Clown begonnen, Luftballons zu verteilen und ich habe gesagt: ‚Schau mal, wenn du auch einen willst, geh hin und hol ihn dir, sonst gehst du ohne nach Hause‘ Und weiß du was? Er hat zehn Minuten gebraucht, um zum Clown zu kommen. Der Clown hielt ihm einen Luftballon vor die Nase – zwei mal sogar – aber er nahm ihn nicht. Ich sag’s dir, ich hab die ganze Zeit die Daumen gedrückt und fast geheult.“

„Hat er einen Luftballon bekommen?“, will die andere wissen.

„Nein. Als der Clown dann weg war, hat Lukas mich gefragt, warum er keinen genommen hat. Ich hab daraufhin gesagt, dass ich das nicht weiß und ihm selbst die Frage gestellt. Er hat geantwortet: ‚Weil Lukas schüchtern ist.‘ Hm, ich weiß nicht, was ich machen soll.“

In den Minuten, in denen ich der Geschichte der unbekannten Mama lauschte, konnte ich die Anspannung, die Angst ihres Kindes, förmlich spüren. „Warum machst du das, Mama von Lukas?“, hab ich mich die ganze Zeit gefragt.

Wie kann ein dreijähriger jetzt schon von sich selbst glauben, er sei schüchtern? Und das so sehr, dass er es nicht nur irgendwo mal aufgeschnappt hat, sondern sogar in Bezug auf eine konkrete Situation ausspricht. Wie oft muss es ihm da schon suggeriert worden sein? Self-Fulfilling Prophecy?

Schüchterne Kinder sind wie Knospen: sie zu überwässern lässt sie nicht schneller erblühen

Unsere Tochter ist knapp zwei. Auch sie ist ein „schüchternes“ Kind. Wenn wir Besuch bekommen, braucht sie meistens lange, um warm zu werden. Nur in seltenen Fällen fühlt sie sich sofort wohl. Vor Fremden ist sie meistens still, sie möchte auch nicht angegriffen werden oder die Hand geben. Sie will einfach ihre Ruhe haben und erstmal schauen.

Und wisst ihr was? Das ist in Ordnung.

Mit jeder Faser meines Körpers sage ich euch, liebe verunsicherte Eltern schüchterner Kinder:

DAS IST IN ORDNUNG!

Übers Messen mit zweierlei Maß

Warum messen wir Erwachsenen bei Kindern immer mit zweierlei Maß? Wenn ich als Erwachsene jemanden nicht grüßen möchte, dann tue ich es nicht. Wenn ich von einem Fremden nichts annehmen will, dann tue ich es nicht. Wenn ich (Herrgott nochmal!) nicht angefasst werden will, dann lasse ich es nicht zu! Wenn ich mich in einer Menschenmenge unwohl fühle, dann bleibe ich ihr einfach fern.

Wenn ich dadurch als Erwachsener auf einen Luftballon oder eine leckere Scheibe Wurst verzichten muss, dann ist das mein Problem. Ich kann abschätzen: Was ist mir wichtiger? Lohnt es sich für mich, meinen Unwillen zu überwinden und mir den Luftballon zu holen? Oder ist der Ballon gar nicht so wichtig und ich erspare mir den Ausflug in meine persönliche Panikzone?

Kinder haben das Glück, uns zu haben. Ihre Eltern. Verantwortungsvolle Erwachsene, die mitfühlen und mitdenken, sich in sie hineinversetzen, für sie da sind und ihnen helfen, wenn sie Hilfe brauchen.

Es ist als Mutter meine Aufgabe, zu erkennen, wie viel ich meinem Kind zumuten kann. Es ist meine Aufgabe, zu erkennen, wann es meine Hilfe braucht.

Liebe Mama im Café, dein Sohn hätte deine Hilfe gebraucht. Ich weiß, wir bemühen uns immer, nicht klugscheißerisch zu sein, weil wir uns nie zu 100 % in andere Mütter hineinversetzen können. Aber es gibt Situationen, da schreit alles in meinem Inneren: Bitte, Mama, mach’s anders!

Ich schicke mein Kind doch auch nicht auf eine morsche Brücke und warte auf der sicheren Seite händeringend ab, ob sie hält oder bricht. Warum sollte man so etwas dann auf psychischer Ebene tun?

Kinder hören mit – immer!

Was (und wie viel davon) braucht es, um ein Kleinkind von sich selbst glauben zu lassen, es sei schüchtern?

Euch ist sicher schon mal aufgefallen, wie oft Eltern vor ihren Kindern über sie in der dritten Person sprechen und so tun, als hörten sie nicht zu? Auch ich muss mich immer wieder selbst an der Nase nehmen und aufpassen, dass mir so etwas nicht passiert. Da sagt man zur Oma dann Dinge wie „Es ist furchtbar, nie will sie sich wickeln lassen! Das ist immer so anstrengend!“, statt das Kind miteinzubeziehen, und evtl. so zu formulieren: „Heute früh hattest du keine Lust auf eine neue Windel, stimmt’s? Das kommt ja mal vor. Ich bin froh, dass wir es sonst ganz gut hinbekommen“ und sich dann erst an die Oma zu wenden: „Weißt du Oma, sie hilft mir meistens sogar dabei!“

Keine Killerphrasen wie „immer“ oder „nie“, nicht in der dritten Person von einem Menschen sprechen, der genau neben einem steht, sich gerade an uns anschmiegt oder am Schoß sitzt. Wiederum: Bei einem Erwachsenen würden wir uns auch nicht so verhalten, oder?!

Kinder hören uns. Sie verstehen uns, auch Kleinkinder. Darüber sollten wir uns im Klaren sein.

„Das macht die Mama aber traurig!“

Und wenn ich glaube, ich kann mich nicht noch mehr ärgern – dieses Thema berührt mich wirklich sehr – fallen mir Formulierungen wie diese ein: „Wenn du dieses oder jenes nicht machst, dann macht das die Mama aber traurig.“ Psychische Erpressung ist so ziemlich das Letzte, das ich meinem Kind wünsche.

Klar, wenn ein Kleinkind ausprobiert, wie es ist, Mama zu schlagen, kann ich sagen, dass ich das nicht möchte und dass es mir wehtut. Ich kann auch sagen, dass es mich traurig macht, geschlagen zu werden. Das hat, meiner Meinung nach, nichts mit Erpressung zu tun. Es ist einfach das ehrliche Verbalisieren meiner Gedanken und Gefühle.

Wende ich Formulierungen wie diese jedoch in einer Situation wie der mit dem Luftballon an, übt das noch mehr Druck auf das Kind aus. Zu der ohnehin schon vorhandenen Angst gesellt sich nun auch noch das Gefühl, die Eltern zu enttäuschen und dadurch vermengen sich Schüchternheit, Versagensängste und Kummer.

„Na, du bist aber schüchtern!“ – „Nein, ist sie nicht. Sie redet bloß nicht mit jedem!“

„Du bist aber sehr schüchtern!“ Auch wir bekommen Sätze wie diesen manchmal zu hören. Großteils von wildfremden Menschen, die meinen, jetzt ihre Meinung anbringen zu müssen, weil meine Tochter sich nicht ihren Vorstellungen entsprechend verhält.

Anfangs war ich noch unsicher, wie ich auf eine solche Aussage reagieren sollte. Schließlich möchte ich grundsätzlich niemanden vor den Kopf stoßen… Bis mir auffiel, dass meine Tochter es war, die permanent zum Handkuss kam.

Seither ist es mir egal, ob und wann sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Meine Tochter geht vor.

Ich möchte niemals, dass sie aufgrund solcher Aussagen von für uns vollkommen irrelevanten Menschen, an sich zweifelt. Sie weiß, was ihr guttut und ob sie die Scheibe Wurst annehmen möchte, oder nicht.

Sie ist ein Kind! Sie muss nicht müssen und nicht wollen.

Was also tun? Ich frage nach!

Natürlich habe ich keine allgemeine Formel für den Umgang mit „schüchternen“ Kindern. Ich kann euch nur erzählen, wie ich es handhabe. Und bisher habe ich das Gefühl, damit ganz gut zu fahren.

  • Wenn meine Tochter etwas angeboten bekommt, dann frage ich sie, ob sie es nehmen möchte. Wenn ich merke, dass sie keine Antwort geben will und auch nicht danach greift, dann nehme ich es für sie und gebe es an sie weiter.
  • Es ist mir niemals, in keiner einzigen Sekunde, peinlich, wenn meine Tochter nicht grüßen möchte. Auch nicht, wenn sie mit jemandem nicht reden will. Sie wird es tun, wenn sie soweit ist.
  • Ich bereite sie auf bestimmte Situationen vor. Wenn ich weiß, dass wir später Besuch bekommen, dann erzähle ich ihr im Vorfeld mehrmals davon. Ich sage ihr, wer das eigentlich ist, der da kommt, wie die Personen heißen und warum wir sie treffen.
  • Ich erkläre Situationen: „Schau mal, Mausi, die Dame hat ein Stück Extrawurst für dich. Das ist eine nette Frau. Wenn du möchtest, kannst du das Stück nehmen.“

Ich sehe meine Rolle als Mama als eine unterstützende, begleitende, behütende.

Es ist an mir, einzuschätzen, wie weit ich mein Kind gehen lassen kann: Wann begibt es sich in die sog. „Risikozone“ und wo beginnt die „Panikzone“? Im zweiten Bereich findet kein Lernen mehr statt, das Kind empfindet pure Lähmung. So ergeht es auch uns Erwachsenen, wenn wir über die Stränge schlagen. Panik verhindert Lernprozesse.

Das Bedürfnis des Kindes ist wichtiger als die eigene Erwartung!

Also, liebe Café-Mama. Ich weiß, du willst nichts falsch machen. Ich weiß auch, dass ich heute meinen Kopf wieder in den Laptop gesteckt und nichts zu dir gesagt habe. Wie auch? Es geht mich ja nichts an.

Aber du hast etwas in mir entzündet: Den Willen, unbedingt darüber zu schreiben, welche Erfahrungen Eltern schüchterner Kinder machen und wie wir darauf reagieren können. Meine persönliche Antwort habe ich dir beschrieben.

Ich habe keine allgemeingültig Formel, das würde ich nie behaupten. Ich habe nur einen Weg, unseren Weg, mit dem wir uns wohlfühlen.

Und vielleicht liest du hier ja rein. Wer weiß.

Ich wünsche dir die Kraft, auf dein Herz zu hören und dein Kind zu unterstützen, wenn es dich braucht. Auch, wenn die Stimmen, die meinen, dein Kind sei ach so schüchtern und dass es doch endlich mal was allein machen müsse, noch lauter werden.

Sei lauter als die. Für dein Kind. Und für dich.


Habt ihr selbst schüchterne Kinder? Was sind eure Erfahrungen?

mama, ich bin schüchtern - warum es so wichtig ist, unsere Kinder zu begleiten, wenn sie uns brauchen

 

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42 Kommentare

  • Reply
    Sara
    30. April 2016 at 17:33

    Meine Große (2 Jahre) ist auch ein sehr schüchternes Kind. Mit Fremden redet sie nicht, oft nicht mal mit Bekannten oder Verwandten, die sie nicht regelmäßig sieht. An manchen Tagen ist sie offener, an anderen bricht sie schon in Tränen aus, wenn sie jemand nur anspricht. Angefasst werden will sie überhaupt nicht. Sie weiß leider auch schon, dass sie ein schüchternes Kind ist, da muss ich mich an meine Nase fassen. Aber wann immer sie das auf den Tisch bringt, erkläre ich ihr, dass das vollkommen okay ist und sie nichts machen muss, was sie nicht möchte.

    Ich ertappe mich leider auch manchmal dabei wie ich für das Gegenüber und nicht für meine Tochter Partei ergreife. Warum weiß ich nicht so genau. Vielleicht weil es mir auch ein Stück weit peinlich ist, oder weil ich nicht will, dass andere denken, ich sei eine Glucke, oder wasweißich. Einen guten Grund gibt es nicht. Dein Artikel hat mich jedenfalls darin bestärkt, noch viel viel mehr Partei für meine Tochter zu ergreifen, so wie das im Innersten auch meine Überzeugung ist. Danke!

    • Reply
      Jeannine
      10. Mai 2016 at 19:44

      Liebe Sara, ich kann ganz genau nachempfinden, was du beschreibst. Bei uns ist es, wie du ja gelesen hast, sehr ähnlich. Es freut mich sehr, dass du dir was mitnehmen konntest und ich wünsch uns beiden gutes Gelingen bei der Umsetzung! 🙂 Alles Liebe!

  • Reply
    Anika
    30. April 2016 at 19:24

    Im Nachhinein habe ich mich auch schon des Öfteren über mich geärgert, wenn ich meinen Sohn (2) aufgefordert habe, „hallo“ zu sagen, obwohl er das nicht offensichtlich nicht gewollt hat. Schon bevor ich deinen Artikel gelesen habe, bemühe ich mich, dies nicht mehr zu tun, da ich denke, meinen Sohn auch beim Nein-sagen unterstützen zu müssen. Denn auch für sein weiteres Leben möchte ich, dass er zu anderen Menschen „nein“ sagt, wenn er etwas nicht möchte. Wie soll er lernen, nicht mit fremden Menschen mitzugehen, wenn ich ihn im Kleinkindalter in die Arme fremder Menschen geschoben habe, ohne seine Abneigung dagegen zu berücksichtigen?!? Ich denke, als Eltern müssen wir diese kleinkindliche Vorsicht unterstützen und nicht als unangenehme Schüchternheit abtun.

    • Reply
      Jeannine
      10. Mai 2016 at 19:45

      Ganz genau so sehe ich es auch, Anika! Wenn man bedenkt, dass es ganze Kurse gibt, in denen man Erwachsenen das „Nein“-Sagen wieder beibringen möchte. Vielleicht können wir ja schon unseren Teil dazutun, während unsere Kinder noch jung sind.

  • Reply
    Binchenkaninchen
    1. Mai 2016 at 10:51

    Wirklich schön zu lesen, dass du dir soviele gedanken im umgang mit deiner tochter machst und das du dinge auch hinterfragst. Klar, man lernt mit seinem kind mit und muss auch erst manche sachen verstehen lernen. So geht es mir auch mit meiner tochter. Oft kommt man erst im nachhinein drauf, dass man es beim nächsten mal ‚besser‘ lösen kann. Vielleicht auch öfter das kind selber fragen und ihm so zu verstehen geben, dass es ernst genommen wird. Auch die kleinen hasen können sich schon gut verständlich machen.

    Und ja, es stimmt. Man ergreift manchmal viel zu wenig partei fürs kind und rechtfertigt sich unnötigerweise für das verhalten. Aber das lässt sich ja ändern 😊

    • Reply
      Jeannine
      10. Mai 2016 at 19:45

      Danke für deine Worte! Genau, nachher ist man immer schlauer, auch in dieser Hinsicht. 🙂

  • Reply
    Christina Gr.
    1. Mai 2016 at 17:36

    Liebe Jeannine. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Mein Kuschelkind ist mittlerweile 19 Monate alt und auch sehr schüchtern. Als er ein Jahr alt wurde, bekam ich plötzlich Stress. Immerhin sollte ich in 6 Monaten wieder arbeiten gehen und das Kuschelkind ab da die Krabbelstube besuchen. Also habe ich immer und immer wieder versucht, ihm seine Schüchternheit etwas zu nehmen. Ich habe ihn immer wieder motiviert und angespornt etwas offener zu werden. Es war ein Fehler. Doch wie gesagt: Ich hatte das Gefühl mir liefe die Zeit davon. Als mein Sohn dann 15 Monate alt war, sagt ich: Jetzt reicht’s! Dann geht er eben nicht in die Krabbelstube. Dann finden wir eben eine andere Lösung. Ab diesem Zeitpunkt war jeglicher Druck raus. Und das Kuschelkind machte einen enormen entwicklungstechnischen Sprung. Plötzlich spielt er in den Spielgruppen oder beim Kinderturnen mit voller Begeisterung mit. Er beobachtet die anderen Kindern und probiert fast alles aus, anstatt sich auf meinem Schoß zu verstecken und zu weinen. Er ist immer noch schüchtern, aber es ist kein Vergleich dazu, wie ängstlich er noch vor 2 Monaten war. Ich bin unendlich stolz auf ihn. Und natürlich ärgert es mich, wie ich mich verhalten habe. Ein schüchternes Kind, das noch nicht bereit ist, sich von seiner Mama zu lösen, hat in einer Krabbelstube nichts verloren. Es hat gedauert, bis ich das eingesehen habe. Schüchternheit ist kein Fehler! Wir können nicht von den ganz Kleinen verlangen, dass sie sofort zu jemand „Fremden“ Vertrauen fassen und Geschenke annehmen. Gleichzeitig warnen wir sie, sobald sie älter werden, davor nicht mit Fremden mitzugehen und ja nichts anzunehmen. Wie idiotisch.
    Liebe Grüße
    Christina

    • Reply
      Jeannine
      28. Mai 2016 at 20:59

      Liebe Christina, danke für deinen ausführlichen Kommentar und dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt! 🙂 Wir lernen niemals aus, ich finde, das ist eines der schönsten Dinge am Elternsein. Und so spannend! Ich freu mich so, dass der Artikel dich dazu motiviert hat, auch über das Thema zu schreiben und so noch mehr andere Mamas aufmerksam zu machen und sie ein Stück weit zu begleiten. Danke dir!

  • Reply
    Bia
    2. Mai 2016 at 6:11

    Bis zu welchem Alter ist das in Ordnung so und ab wann ist es „unhöflich“ nicht zu grüßen? Meine Tochter wird in Kürze 6 und es ist oft sogar in der Familie die sie gut kennt so, dass sie nicht grüßt oder keine Antwort gibt.. Weil sie halt jetzt grad nicht mag…

    • Reply
      Jeannine
      28. Mai 2016 at 21:02

      Hm Bia, schwierig. Mit „so großen“ Kindern hab ich keine eigenen Erfahrungen, auf die ich zurückgreifen könnte. 🙂 Vom Gefühl würde ich sagen, dass es auf die Motivation ankommt: Warum grüßt sie nicht? Wirklich „nur“, weil sie halt jetzt grad kein Bock hat, oder vielleicht doch aus Schüchternheit oder Angst? Ich glaub, ich würde Ursachenforschung betreiben. Aber wie gesagt, ich hab keine Ahnung.

  • Reply
    Nellina
    2. Mai 2016 at 11:45

    Ob meine 2 jährige Schüchtern ist, ist echt schwer zu sagen denn mal ist sie es und wiederum nicht..kurz vorher mag sie Oma anrufen sagt aber kein Wort aber kurze Zeit später geht sie bei der Nachbarin mit in die Wohnung weil sie was süßes bekommt. Ich frage mich dann wirklich ist sie einfach nur zickig und möchte nicht weil sie ihren eigenen Kopf hat? Mir wird ständig gesagt „ach die ist aber schüchtern“ und sie wird oft bzw immer mit der 4 Monaten jüngeren Cousine verglichen die das komplette Gegenteil als schüchtern ist und das ärgert mich sehr weil ich weiß meine Tochter kann anders, sie kann auch hallo sagen, ja danke und nein! Aber zeigt es nicht, es wird immer gesagt sie kann es wohl nicht und das verletzt mich sehr und ich weiß es verletzt sie noch viel viel mehr als mich..aber egal wie oft ich mich für sie einsetze, es wird immer wieder was dazu gesagt..und oft sage ich dann halt ja dann ist sie es halt um in Ruhe gelassen zu werden..ich weiß mein Kind kann anders, man kann ja nicht jeden mögen

    • Reply
      Jeannine
      28. Mai 2016 at 21:06

      Liebe Nellina, tut mir leid, dass es da grad so turbulent zugeht. Wenn dein Kind permanent mithört, wenn andere sagen, sie sei schüchtern, würde ich mich evtl. genau so äußern: „Sie kann auch anders, wenn sie möchte. Sie spricht halt nicht mit jedem!“ – mit Augenzwinkern, natürlich, damit gerade den letzten Satz niemand in den falschen Hals bekommt. Manchmal warte ich ab, bis meine Tochter nicht mehr unmittelbar neben mir steht und erkläre dann, dass sie ihre Zeit braucht, in vielen Situationen.

      Dass deine zweijährige „zickig“ ist, kann ich mir nicht vorstellen. Ich denke, vieles geschieht aus Lust und Laune und aus purem Impuls heraus. Deshalb hat sie mal keine Lust, am Telefon zu quatschen aber dann sehr wohl Spaß bei der Nachbarin. So kleine Kinder leben sehr stark im Moment.

      Ich wünsche dir gute Nerven für die ungewollten Zwischenrufe Fremder! 🙂

  • Reply
    Tante Emma
    2. Mai 2016 at 12:14

    Das ist ein ganz toller Artikel. Mein Kind ist zwar nicht schüchtern, mag aber auch nicht wie ein dressierter Affe reagieren, wenn ich sage: „Sag bitte mal hallo/danke/bitte.“ Also habe ich damit aufgehört. Und siehe da, alle sind entspannter.

    Ich finde, man kann sich auf das Kind verlassen, es spürt instinktiv, was gerade richtig ist. Ob es eine Wurst möchte oder nicht. Ich werde sie weiterhin darin bestärken.

    • Reply
      Jeannine
      28. Mai 2016 at 21:07

      Danke für dein liebes Kompliment, Tante Emma! 🙂 Bin ganz deiner Meinung, dieses auf Kommando etwas Fordern finde ich auch ermüdend.

  • Reply
    Ori
    2. Mai 2016 at 16:59

    ich musste direkt auf dieses posting auch was verbloggen! ich selbst war und bin sehr schüchtern und der große sohn ist da nicht groß anders. und es ist genau richtig so! 🙂
    http://www.kugelfisch-blog.de/2016/05/mein-schuchternes-kind.html

    • Reply
      Jeannine
      28. Mai 2016 at 21:13

      So schön, vielen lieben Dank fürs Nennen, Ori! Ich hab dir gerade ein Kommentar hinterlassen! 🙂

  • Reply
    Frau Quadratmeter
    3. Mai 2016 at 15:53

    Manchmal ist man erst hinterher schlauer. Dein Text erinnert mich an einen Text, den ich selber zum Thema mal vor einiger Zeit geschrieben habe: https://quadratmeter.wordpress.com/2015/04/08/lasst-sie-doch-einfach-in-ruhe/

    • Reply
      Jeannine
      28. Mai 2016 at 21:17

      Danke fürs Verlinken und Kommentieren! 🙂 Ich bin gleich zu deinem Blog gehüpft, ein toller Artikel! Aber das hab ich ja im Kommentar auch erwähnt – etwas ausführlicher! 😉 Ich hab herzlich gelacht bei Punkt 9. Eine tolle Liste!

  • Reply
    Ulli
    5. Mai 2016 at 19:44

    Na, das ist wohl wieder einer von deinen „viralen“ Artikeln hm 😉 Du schreibst einfach gut!! Ich hab deine Kleine ja schon erlebt und auch wie du mit ihr umgehst und finde das super. Mein Oliver ist ja auch oft eher schüchtern, wobei das immer auf die Situation ankommt und er mittlerweile viel schneller auftaut. Egal wie es ist, es ist ok in der Situation und das versuch ich auch ihm zu suggerieren. Wenn er nur auf mir hängen will und die „Fremden“ nicht anschauen will ist das ok, er macht dann auch oft die Augen zu, dann lass ich ihn. Er blinzelt ohnehin nach einer Weile hervor und ist neugierig. Und selbst wenn er das nicht täte: nie wäre mir das peinlich! Ein Kind darf sein wie es sein will, wie du sagst, solange es niemandem weh tut oder so natürlich. Angebotenes nehme ich auch oft für ihn, ich finde es auch gar nicht schlecht das er nicht alles von Fremden nimmt?! Naja, also danke das du darüber geschrieben hast, wie immer ein guter Artikel!! lg Ulli

    • Reply
      Jeannine
      28. Mai 2016 at 21:19

      Du Liebe, danke für deine Worte! <3 🙂 Oliver ist so ein süßer Sonnenschein! Sogsehen fühlen wir uns ja noch geehrter, dass er sich so wohlgefühlt hat. Die Sandkiste wartet, das weißt du! 😉 Und wie du selbst sagst: Wieso sollte mein Kind von Fremden alles annehmen? Ich finde auch, wir sollten sie eher das Gegenteil lehren! Alles Liebe!

  • Reply
    Schüchtern sein ist OK. – Alles unter einen Hut
    10. Mai 2016 at 15:04

    […] Mini and me: „Na, du bist aber schüchtern!“ – „Nein, ist sie nicht. Sie redet bloß nicht mit jedem!“ […]

  • Reply
    Judith von malimuc
    4. Juni 2016 at 19:10

    Liebe Jeannine,
    ja, das kenne ich zu gut. Meine Tochter ist auch schüchtern und es stellte mir kürzlich die Haare auf, als ich gelesen habe, dass immer mehr Eltern nach einer Therapie gegen Schüchternheit fragen. Ich finde, dass so gar nichts falsch daran ist, schüchtern zu sein….
    Ich schicke dir viele Grüße
    Deine Judith von malimuc

    • Reply
      Jeannine
      8. Oktober 2016 at 22:24

      Hi Judith, ach weh, eine Therapie? Als wärs eine Krankheit… gruselig! :-/ Alles Liebe!

  • Reply
    Natalya
    29. Juli 2016 at 21:56

    Hallo alle zusammen,
    dieses Thema ist in meine Familie sehr aktuel. Mein Sohn ist 7,5 J und tut immer noch so.(seit schon immer). Er ist schüchtern. Aber nur, wenn wir irgendwo sind und er jemandem grüßen soll. Von mir aus muss er das nicht machen..Aber alle drumherum drängeln..“sag Hallo..“. Ich spreche mit ihm im Vorfeld wochin wir gehen und wer da seien wird. Ich sage zu ihm auch ( vielleicht ist das auch meine Fehler), dass er bitte nicht vergißt alle zu grüßen. Er macht das auch, aber mit großem Überwindung. Ich lobe ihm auch hinterher. Zuhause ist er aber sehr offen und aufgeweckt. Ihm fällt nichts. Ich erziehe mein Sohn zweisprachig und er versteckt sich oft hinter einer Sprache, welche die anderen gar nicht verstehen. Das weißt er und dabei ist nicht mehr schüchtern. Ich werde paar deine Vorschläge Jeannine ausprobieren. Probleme sehe ich bei Oma, Opa und Papa, welche immer noch mein Sohn nerven, dass er andere unbedingt grüßen soll. Ich glaube, wir haben zusammen auf ihn ganz schön Druck ausgeübt und jetzt verschließt er sich deswegen.. Danke für dein Artikel. Ich gebe ihn Oma zu lesen. Vielleicht wird sie einwenig loyal.
    LG
    Natalya

    • Reply
      Jeannine
      8. Oktober 2016 at 22:25

      Hallo liebe Natalya, danke dir für deinen ausführlichen Kommentar und dass du deine Erfahrungen hier mit mir bzw. uns teilst! Nun liegt er ja schon ein paar Wochen zurück und es würde mich interessieren, ob sich irgendetwas verändert hat? Vielleicht liest du das hier ja zufällig, würde mich freuen! Alles Liebe dir und deinem Sohn!

  • Reply
    Model und Mama
    29. September 2016 at 18:34

    Krass das Gespräch! Kinder müssen sie selbst sein dürfen! Alles andere kommt meist von selbst …

    • Reply
      Jeannine
      8. Oktober 2016 at 22:23

      Danke dir für dein Kommentar. Genau, so sehe ich das auch. 🙂

  • Reply
    Nicole
    7. Oktober 2016 at 6:24

    Hallo Jeannine,
    danke für deinen Artikel. Unser Sohn ist auch sehr schüchtern. Für mich ist das eigentlich gar kein Thema, wenn er etwas nicht möchte oder erst einmal irgendwo ankommen muss, ist das natürlich vollkommen in Ordnung. Schwierig finde ich aber Situationen bei nahestehenden Verwandten. Er mag zum Beispiel seine Ur-Oma gar nicht besuchen, weil sie so aufdringlich ist. Und wenn wir dort sind, will sie ihn dann „auch mal drücken“. Ich habe einige Male etwas gesagt. Sie nimmt das aber sehr persönlich. In solchen Situationen bin ich immer ein wenig hin und her gerissen. Wie macht ihr das?

    • Reply
      Jeannine
      8. Oktober 2016 at 22:11

      Hi Nicole! Danke dir für dein Kommentar und ohje, was für eine unangenehme Situation! Das ist sicher schwierig – erfahrungsgemäß sinkt die Nachsicht der meisten Erwachsenen ja mit zunehmendem Alter. 😉 Dennoch ist die Urli die Erwachsene. Meiner Meinung nach sollte sie akzeptieren, dass dein Sohn keine körperliche Nähe zulassen möchte. Wenn sie will, dass er sich bei ihr wohler fühlt, geht es wohl auch gar nicht anders.

      Wir haben auch (teilweise sogar enge) Verwandte, die wir oft sehen und die sehr verliebt in die Kleine sind. Aber es gibt Tage, da braucht sie länger oder möchte einfach nicht zu einer Person. Zu einem ihrer Onkel möchte sie bis auf ein paar Ausnahmen gar nicht. Sie will spielen, sich mitteilen – aber körperliche Nähe sucht sie nicht. (Hier ist es zum Glück so, dass es ihm nicht sooo wichtig ist.) Das wird in jedem Fall respektiert, denn die Erwachsenen wissen in der Regel ja, dass man so etwas bei Kleinkindern nicht persönlich nehmen darf. Das gehört ganz einfach dazu.

      Auch wenn es der Urli vielleicht weh tut, würde ich das Bedürfnis meines Kindes über ihre Erwartungen stellen. Ich möchte nicht, dass meine Tochter die Erfahrung macht, körperliche Nähe zulassen zu müssen, wenn sie das nicht selbst will. Nicht heute als Kleinkind und auch nicht als Jugendliche oder Erwachsene. Gerade bei so einem sensiblen Thema sehe ich es als umso wichtiger, die Wünsche des Kindes zu respektieren – und dein Sohn dürfte seine ja sehr deutlich äußern.

      Ich wünsch dir alles Liebe und hoffe, die Situation entspannt sich bald!

  • Reply
    Jungsmama
    8. Oktober 2016 at 6:24

    Sehr gut geschrieben!
    Mein Sohn ist zwar nicht wirklich schüchtern, aber er mag es überhaupt nicht angefasst zu werden. Seit kurzem geht er in den Kindergarten und dort wird darauf bestanden, dass die Kinder zur Begrüßung/Abschied der Pädagogin die Hand geben, ihr dabei in die Augen sehen und sie grüßen/verabschieden. Vorher dürfen sie nicht gehen.
    Ich weiß nicht so recht wie ich das finden soll. Natürlich ist ein höflicher Umgang wichtig, aber doch nicht so unter Zwang, oder?

    • Reply
      Jeannine
      8. Oktober 2016 at 22:22

      Danke für dein Kommentar! Was du da zum „Händeschüttel-Ritual“ im KiGa beschreibst, finde ich ehrlich gesagt sehr bedenklich. Ich würde das für meine Tochter nicht wollen. Nicht einmal ich „zwinge“ sie zu irgendwas – wieso sollte es dann jemand anders tun? Noch dazu jemand, der eigentlich fremd ist? Die Erziehung meines Kindes übernehme ich und wenn das Verhalten externer Bezugspersonen nicht mit meinen Werten übereinstimmt, hat das bei mir Konsequenzen. Gut, ich bin da vielleicht „extrem“, aber das würde mir persönlich auch sehr missfallen. Also, konkret zu deiner Frage: Das „Verabschieden-Müssen“ sehe ich als sehr unhöflich den Kleinen gegenüber und lebt entsprechend nicht vor, das gelehrt werden soll. Vielleicht wäre es eine Option, es zwischen Eltern und Pädagoginnen so zu handhaben – quasi als Vorbild. Aber so? Nein. Was meinst du, hast du dir Gedanken dazu gemacht? Möchtest du es bei den Betreuerinnen thematisieren?

  • Reply
    Jungsmama
    9. Oktober 2016 at 19:00

    Danke für deine Antwort!
    Ich bin etwas hin- und hergerissen, überlege aber tatsächlich ob ich das Ganze mal ansprechen soll.
    Sollte es meinem Sohn weiterhin unangenehm sein und er nicht von sich aus die Hand schütteln wollen, werde ich auf jeden Fall für ihn Partei ergreifen und ihm sagen dass er es nicht tun muss.

    • Reply
      Jeannine
      9. Oktober 2016 at 19:04

      Oh ja das glaub ich dir, man will ja niemanden vor den Kopf stoßen. Ich überlege gerade, also, falls du es wirklich mal thematisieren möchtest… Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, sich mit den Pädagoginnen drüber zu unterhalten, bevor man es unmittelbar in der unangenehmen Situation anspricht. Womöglich wird es mit mehr Wohlwollen aufgenommen, wenn die Betreuerin erst mal in Ruhe erklären kann, warum das so gehandhabt wird und du wiederum Zeit hast, deine Sicht zu erläutern. Vielleicht mal anrufen? Daumen sind auf jeden Fall gedrückt!

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    Jungsmama
    13. Oktober 2016 at 15:53

    Wir haben jetzt eine Lösung gefunden, mit der alle Beteiligten zufrieden sind. Danke für deinen Gedankenanstoß! 🙂

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      Jeannine
      15. Oktober 2016 at 21:42

      Jö super, das freut mich wirklich sehr! 😀

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    Melanie schwarz
    17. Oktober 2016 at 10:52

    Was für ein toller Bericht! Und so Kraft gebend für mich! Meine jüngste Tochter ist 2.5 Jahre und vollen allen Seiten bekommt man Druck das das Kind doch auch irgendwann mal abnabeln muss! Ich will ihr diesen Druck aber nicht machen!

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    Magdalena
    17. Oktober 2016 at 11:53

    Hallo, ich bin so glücklich, dass ich auf diesen Artikel gestoßen habe! Vielen Dank für die aufmunternden Worte! Ich fühle mich grade darin bestätigt, weiterhin meine Tochter tatkräftig zu unterstützen. Sie ist 2,5 und noch ziemlich schüchtern. Ich beobachte seit einiger Zeit aber, dass sie sich langsam öffnet und sich bewusst auf „Risikosituationen“ einlässt und unglaublich stolz und bekräftigt darausgeht. Das macht mich so glücklich! Ich habe sehr lange mit mir selbst gehadert, ob ich vielleicht selber daran schuld bin , dass sie so schüchtern ist. Immer , wenn ich gemerkt habe, sie fühlt sich unwohl und sucht nach meiner Hilfe, bin ich hin und habe ihr den Rücken gestärkt. Was mir aber immer unangenehm war, waren die Blicke anderer Mutter , deren Kinder ausgelassen rumtobten und sich über nichts und niemand Gedanken machten. Ihre Kommentare “ Sie muss es doch alleine schaffen!“ , “ sie ist aber schüchtern, übernehmt ihr sonst nichts mit anderen Kindern?“ , „lass sie doch alleine hinzugehen…“ usw. habe ich immer Stillschweigend entgegengenommen oder mich versucht, zu erklären. Nachhinein habe ich mich immer geärgert über diese Leute und mir jedes Mal versprochen, das nächste Mal besser zu reagieren. Na ja.
    Ich gehe weiterhin diesen Weg, den ich für richtig halte und hoffe, dass meine Kleine irgendwann ihre Schüchternheit komplett ablegt und für mich hoffe ich, ich lerne selbstbewusster auf die Kommentare der anderen zu reagieren.
    Eine Frage habe ich aber noch. Wie gehe ich damit um, wenn meiner Tochter Spielsachen weggenommen werden? Ich habe mich mit einer Mama angefreundet, deren Tochter das absolute Gegenteil von meiner ist und ich muss immer wieder zusehen, wie meiner Tochter Sachen aus der Hand genommen werden und sie dann sogar in die Ecke geschmissen werden und gar nicht von der „Freundin“ bespielt werden. Meine Bekannte reagiert gar nicht darauf und mich ärgert so ein Verhalten. Meine Tochter ist dann sehr verunsichert und enttäuscht. Ich kann doch aber nicht hingehen und dem anderen Kind erklären, dass man sowas nicht macht. Ich ermutige meine Tochter dazu, dem Mädchen etwas zum Tausch anzubieten oder es zu fragen, ob es ihr das Spielzeug zurückgibt, das bringt aber gar nichts. Meine Tochter kriegt dann von mir am Ende gesagt, sie muss jetzt warten, bis die andere fertig ist mit spielen…. Ich bin völlig ratlos und verärgert über die Gleichgültigkeit meiner Bekannten. Ich würde mich freuen, wenn jemand einen Rat für mich hat.
    Liebe Grüße

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    A.D.
    1. Februar 2017 at 21:25

    Liebe Janine, und auch andere Eltern….

    Ich verstehe, was du mit dem Artikel ausdrücken möchtest…. Allerdings sollte man auch die Sorgen/Nöte der Mutter sehr ernst nehmen. Denn sie empfindet es als „außergewöhnlich“. Ich denke auch dass sie wohl möglich weiß, dass es auch schüchterne Kinder gibt. Aber ihr Kind ist anders. Ihr Kind hat wie du auch beschrieben hast Panik, wenn es direkt angesprochen wird, oder wenn es Kontakt mit Fremden aufnehmen soll. Das Kind versteift. Also es ist nicht nur die verbale Kommunikation eingefroren, sondern auch die non-verbale! Das sollte man ernst nehmen. Warum? Weil es sich vielleicht um selektiven MUTISMUS (nicht Autismus!) handeln kann. Die gute Nachricht dabei, man kann was machen. Man kann sensibler damit umgehen. Und auch Therapien können helfen! Also es gibt einen Unterschied zwischen einfach oft schüchtern und selektiven Mutismus.

    Mein Sohn wird am Samstag drei Jahre alt. Erst als er im August zur Kita kam, viel es auf. Vorher hatte ich mich nur über einiges gewundert. ZB hatte er sich seinen Arm gebrochen, die Ärztin hat den Arm abgetastet. Und er hat nur einmal kurz gezuckt. Die Ärztin sagte: „Also sowas habe ich auch noch nicht erlebt! Sonst schreien mir die Kinder immer die Praxis zusammen!“ .Aber mein Sohn schien gar nicht zu reagieren.
    Auch viele Kinderärzte und Erzieher muss man erst darauf hinweisen. Helfen können speziell ausgebildete Logopäden oder auch Psychotherapeuten.
    Bei meinem Sohn vermute ich übrigens ein Trauma durch die Saugglockengeburt. Durch die immer schlechter werdende Geburtshilfe, werden Geburtstraumata in Zukunft sicher häufiger vorkommen.
    Aber in jedem Einzelnen Fall kann natürlich auch noch was ganz anders dahinter stecken.

    LG

    • Reply
      Jeannine
      1. Februar 2017 at 21:30

      Liebe A.D., danke dir für deinen Kommentar und den wichtigen Hinweis! Ich kenne selektiven Mutismus, habe es zu einer gewissen Zeit für unsere Tochter auch nicht ausgeschlossen. Weil ich weiß, wie schwierig es sein kann, diese Diagnose „endlich“ gestellt zu bekommen – ich meine, nachdem man so lange im Dunklen getappt und falsch diagnostiziert worden ist – wird es bald ein Expertinnengespräch dazu am Blog geben. Ich denke, dass es helfen kann, diese Thematik einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Alles Liebe dir und deinem Sohn und von Herzen danke, dass du dir die Zeit für deinen Kommentar genommen hast!

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    A.D.
    1. Februar 2017 at 21:32

    Danke auch 😊

    Hier noch n PS für eventuell betroffene Eltern… Allerdings will ich auch keine Panik verbreiten!!! Nicht jedes schüchterne Kind ist betroffen…

    http://www.selektiver-mutismus.de/deutscher-mutismus-test/

    http://www.mutismus.de/informationen-und-aufklaerung/10-faqs-zum-mutismus

    http://www.mutismus.de/informationen-und-aufklaerung/leitlinien-fuer-paedagogen

    • Reply
      Jeannine
      1. Februar 2017 at 21:35

      Super, danke dir! Ach was, es ist wichtig, davon schon einmal gehört zu haben. 🙂 Danke für die Links!

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    Tigerente
    11. März 2017 at 9:02

    Vielen, vielen Dank für deinen Artikel, mein 22 Monate alter Sohn ist ebenfalls schüchtern, vor allem fremden Erwachsenen gegenüber. Er starrt dann immer in den Boden, sobald er angesprochen wird. Auch bleibt er in Anwesenheit fremder Kinder lange bei mir, bis er loszieht und mit ihnen „spielt“. Meistens nimmt er mich dann an der Hand und ich muss mitgehe 😉 Ich selber gebe mir oft selbst die Schuld, ihm im ersten Lebensjahr nicht genug Bindungssicherheit gegeben zu haben und versuche jetzt noch mehr als zuvor, seht einfühlsam auf ihn einzugehen, setze mich dabei aber auch sehr unter Druck. Ich schütze ihn und sage ihm ähnliche Sätze wie die in deinem Text erwähnten. Dass aber eine Mama, die so liebevoll wie du mit Ihrem Kind umgeht, auch erzählt, dass ihre Tochter eher zurückhaltend ist, gibt mir sehr viel Sicherheit, dass ich evtl doch gar nicht so viel falsch gemacht habe, obwohl ich so oft unsicher war, ob ich ihm eine gute Mutter bin. Vielen, vielen Dank dafür, deine Tochter kann sich glücklich svhätzen, eine so empathische und einfühlsame Mama zu haben;-)

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