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Im Ausland leben mit Kindern: Susanne und ihre Family leben am Südzipfel Europas – Andalusien

im Ausland leben mit kindern in Andalusien wie Susanne mit ihrer familie

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen!“, heißt es.

Nun stellt euch vor, man reist nicht nur, sondern lebt sogar einige Jahre im Ausland, als Mama noch dazu. Vermutlich ist die Reihe „Home away from Home“ deshalb so spannend und unglaublich inspirierend für mich: Expat-Mamas haben einfach jede Menge zu berichten. Manchmal von Dingen, die fast wie von einem anderen Planeten klingen. Fast.

Nach Ulli und Sandra freue ich mich, euch Susanne vorzustellen. Sie lebt mit Mann, Mädchen und Mini-Mädchen unterm Herzen in Andalusien – der mit über 8 Millionen Einwohnern meistbevölkerten autonomen Gemeinschaft Spaniens. Danke, Wikipedia. Die Hauptstadt ist übrigens Sevilla – kennt ihr.

Merci vielmals, liebe Susanne, fürs Tippen, für deine Zeit und die Einblicke! ♥

Sollten Fragen offen bleiben, stellt sie bitte jederzeit in den Kommentaren! 


Im Ausland leben mit Kindern: Andalusien, Spanien

Ich bin Susanne, 34 Jahre alt, Mama von einer Dreijährigen, die auf den Namen Elisa hört, (oder auch nicht)  und schwanger mit einer weiteren Tochter, die wohl Amelie heißen wird. Ursprünglich komme ich aus Chemnitz, wohne nun schon seit 9 Jahren in Andalusien. Erst lebte ich in Málaga, seit 4 Jahren wohne ich in einem kleinen Dorf im Hinterland, aus dem der Mann stammt. Jetzt sieht es ganz so aus, als würden wir im Herbst nach Murcia umziehen.

im Ausland leben mit kindern in Andalusien wie Susanne mit ihrer familie

Wie bist du nach Andalusien gekommen? 

Nach Andalusien bin ich durch das Erasmusprogramm gekommen. Allerdings absolvierte ich mein Erasmusjahr in Italien. Dort lernte ich meinen damaligen Freund, einen Spanier aus Málaga, kennen. Nachdem ich mein Studium beendet hatte, zog ich zu ihm. Auch wenn die Beziehung dann in die Brüche ging, ich bin geblieben. Ich hatte hier schon meine Arbeit und meine Freunde. Und dann lernte ich eh den Mann kennen.

Wie ist das Leben in Andalusien verglichen mit dem in Deutschland?

Ich würde es einmal mit bunt und trubelig beschreiben. Die Uhren ticken hier anders, besonders sobald der Sommer anfängt. Es wird später aufgestanden, später gegessen, später ins Bett gegangen. Nur mein Kind scheint da ziemlich deutsch zu sein und hält sich nicht daran.

Und es ist um einiges lauter. Manchmal geht mir das ziemlich auf die Nerven. Die Nachbarn sind laut, auf der Straße ist es laut, in den Bars ist bis nach Mitternacht auf den Terrassen Betrieb. Doch dann liebe ich es wieder. Denn wenn wir mal laut sind macht das auch nichts.

Die Andalusier haben noch mehr als Arbeit im Kopf. Hier wird gearbeitet um zu leben und nicht gelebt um zu arbeiten und das ist auch gut so. Logischerweise leidet die Wirtschaft darunter, denn mit dieser Einstellung wird man keine ökonomische Kraft in Europa, doch ich habe auch den Eindruck, dass die Andalusier/Spanier sich mit weniger zufrieden geben.

Und für Kinder?

Andalusien ist definitiv ein kinderliebes Land. Wenn ich mit meiner Tochter durch das Dorf spaziere, müssen wir immer wieder stehen bleiben, weil andere Leute mit ihr Faxen machen, ihr einen Lutscher zustecken oder ihr einfach kurz sagen wollen, wie hübsch sie ist. Das habe ich in Deutschland noch nie erlebt. Da wurden wir im Supermarkt sogar verärgert angeguckt, weil sie im Einkaufswagen saß und lauthals sang. Das finden die Menschen hier niedlich und applaudieren ihr noch.

Was kann Deutschland von Andalusien lernen, was das Leben als Familie bzw. mit Kindern anbelangt und umgekehrt?

im Ausland leben mit kindern wie Susanne mit ihrem mann und zwei MädchenAndalusier sind auf jeden Fall offener und meiner Meinung nach auch flexibler. Kinder sind hier kein Störfaktor, sie dürfen auch im Restaurant mal toben. Sie werden sowieso auf alle Veranstaltungen mitgenommen, auch mal nachts. Und wenn das nicht geht, ist immer jemand da, der einspringt. Der Familienzusammenhalt ist hier sehr ausgeprägt, man zählt aufeinander.

In meiner Schwiegerfamilie gibt es momentan fünf Kinder, im September dann sechs, und wir teilen uns auch gerne einmal die Betreuung auf. Für meine Tochter ist das auch toll, mit den Cousins zusammenzuspielen und Blödsinn machen zu können.

Was ich als etwas bedenklich hier empfinde, ist das Thema der Ernährung. Ich bin kein Gesundheitsfreak, überhaupt nicht, aber wenn ich so sehe, was den Kindern auf dem Spielplatz hineingestopft wird, da wird mir manchmal ganz anders. Ich kann mich daran erinnern, dass wir zu meiner Schulzeit auch das Thema ausgewogene Ernährung auf dem Lehrplan hatten. Das gibt es hier glaube ich nicht. Und so gibt es viele übergewichtige Erwachsene und Kinder, die nicht wissen, wie sich sich ausgewogen ernähren können.

Generell finde ich auch das Bildungssystem in Deutschland besser. Hier beginnt die Vorschule mit drei Jahren, was ich für zu früh halte. Die Kinder lernen zwar eine Menge, doch habe ich festgestellt, dass es vielen an Phantasie und Kreativität fehlt. Das macht sich dann auch bei den Erwachsenen bemerkbar.

Was ist für dich das absolut Wunderbarste am Leben dort?

Das Licht. Das Licht von Andalusien ist unglaublich. Man steht frühmorgens auf und hat sofort gute Laune, also ich jedenfalls. So ist ein ganz anderes, leichteres Leben möglich. Ich glaube, auch Dank der Sonne bin ich allgemein viel gelassener geworden.

Das erste, was ich gemacht habe, als ich in Spanien ankam, war, meine Uhr abzulegen und seit 9 Jahren trage ich auch wirklich nur Uhren, wenn ich im Flieger sitze. Ich glaube, das hat alles mit dem Licht und der Sonne zu tun.

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Worauf würdest du lieber verzichten?

Ganz klar auf den Winter. Der Winter im Dorf ist kalt und meist sehr feucht. Die Häuser sind nicht dafür gebaut, auch wenn es hier mehr als zwei Monate im Jahr kalt ist. Das ist eine Sache, die ich einfach nicht verstehe. Ich friere hier jedes Jahr sehr und vermisse die deutsche Zentralheizung. Auch für das Kind finde ich das sehr anstrengend. Man muss ständig drauf achten, dass sie genügend Schichten im Haus anhat, nicht die Hausschuhe auszieht, denn der Marmorboden ist eiskalt und auch auf dem Fußboden spielen ist dann unmöglich. Das finde ich blöd.

Was sollten Familien (oder junge Frauen) die vorhaben auszuwandern, wissen?

Ich habe mich ehrlich gesagt überhaupt nicht vorbereitet, aber ich hatte ja auch schon jemanden vor Ort hier. Anstrengend sind hier die Behördengänge, weil einem oft immer wieder andere Sachen erzählt werden.

Auch die Integration gestaltet sich schwierig. Andalusier sind nette Menschen und immer für einen Plausch bereit aber echte Freundschaften gibt es selten zwischen Ausländern und Einheimischen.

Planst du, mit deiner Family wieder nach Deutschland zu ziehen?

Nein, ganz ehrlich, das habe ich nicht vor. Uns geht es hier sehr gut. Ich würde vielleicht gerne einmal in Norditalien, der Schweiz oder Österreich leben, aber Deutschland steht irgendwie nicht auf dem Plan. Das merke ich stets bei meinen Urlauben in Deutschland. Mehr als zwei Wochen halte ich nicht aus, die Menschen sind mir irgendwie zu miesepetrig, das mag aber auch an meiner Heimatstadt liegen.

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Gab es jemals die Option, dass der Mann nach Deutschland kommt?

Dafür müsste der Mann erst einmal Deutsch lernen. Langfristig bleibt ihm da nichts anderes übrig, denn ich spreche nur Deutsch mit meiner Tochter und werde es auch mit der zweiten so halten. Momentan versteht er da nicht viel. Doch ihm fehlt immer wieder die Zeit, einen Kurs zu machen und ich bin keine geeignete Lehrerin. Aber ich glaube sogar, er hat große Lust, mal in Deutschland zu wohnen. Da hapert es wohl eher an mir. 

Fiel es dir schwer, in den Arbeitsmarkt einzusteigen? Ich habe gelesen, du arbeitest für eine deutsche Zeitschrift in Malaga.

Ja, ich arbeite für eine deutsche Wochenzeitung hier in Málaga. Schwierig war das ehrlich gesagt nicht, denn ein Studienkollege von mir arbeitete dort bereits un der stellte mich der Chefin vor. Nach einem Praktikum hatte ich den Job. So läuft es hier oft, Vitamin B hilft nach wie vor bei der Jobsuche. Da macht hier auch niemand einen Hehl daraus.

Wie würdest du die Jobchancen für „Ausländer“ generell einschätzen?

Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt sehr gut. Doch mittlerweile merkt man auch auf diesem Markt die Wirtschaftskrise. Normalerweise müsste man meinen, dass in einer absoluten Touristenregion Menschen, die Sprachen sprechen, was ja bei ‘Ausländern’ meist der Fall ist, mit Kusshand genommen werden. Denn die Fremdsprachenkenntnisse der Spanier sind sehr mau. Doch mittlerweile wird auch hier sehr gespart, die Unternehmer versuchen, die Gehälter zu drücken, die Arbeitsbedingungen sind nicht optimal.

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Würdest du es wieder tun?

Unbedingt! Klar vermisse ich manchmal Deutschland, das Essen, die gemütliche Mentalität, in einer Kneipe mit Freunden ein Bier zu trinken, doch ich fühle mich hier sehr wohl und möchte nicht mehr weg.

Auch wenn ich große Lust habe, noch mal woanders zu leben, Neues zu entdecken, kann ich mir gut vorstellen, hier alt zu werden.


Mehr interessante Artikel über Susanne und ihr Leben in Andalusien gibt’s auf ihrem Blog Andalusienmutti!

Lebt ihr selbst mit eurer Familie im Ausland und wollt Teil der Interviewreihe sein? Schreib mir eine Mail an mail@mini-and-me.com, ich freu mich auf euch!

expat Mamas auswandern mit kindern logoViele Antworten rund ums Auswandern mit Kind findet ihr übrigens bei expatmamas.de. Jonna, selbst ehemalige Auswanderin, betreibt die erste deutschsprachige Seite für Frauen, die mit ihren Familien im Ausland leben. Merci, liebe Jonna, fürs Teilen meines Aufrufs!

Habt ihr Fragen an Susanne?

Im Ausland leben mit Kindern – wäre für euch ein Leben in Andalusien denkbar? 

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PS: Wir sind auch auf Facebook – sehen wir uns dort? 😉

Foto © Susanne, Andalusienmutti


 

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2 Kommentare

  • Reply
    Claudia
    12. Juli 2016 at 21:11

    Tolles Interview!! Ja ja, diese miesepetrigen Karl-Marx-Städter, die kenne ich auch! 😉Bewundernswert, jedenfalls aus meiner Sicht, dass es mit der Zweisprachigkeit so gut zu klappen scheint! Hut ab!
    In einigen Dingen ähneln sich Italiener und Spanier, das habe ich beim Lesen wieder mal klar gemerkt. Danke, Sanne, für den Einblick in Deinen und Euren andalusischen Alltag!! Besos😍

  • Reply
    Jonna
    13. Juli 2016 at 7:30

    Liebe Jeannine, schön, wie sich die Reihe entwickelt!
    Liebe Susanne, chapeau, dass du so konsequent deutsch sprichst! Das ist sicher nicht leicht, aber wenn man durchhält, ein Segen für die Kinder, die zwei Sprachen mit auf den Weg bekommen.
    Herzliche Grüße an euch beide!
    Jonna

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