Motherhood Personal

Ich pfeif auf Konsequenz! – Vom „zu sich Finden“ als Mama und dem steinigen Weg dorthin

konsequenz in der Kindererziehung mama mit Tochter vor einem alten haus auf einer bank

Meine Tochter ist knapp eineinhalb Jahre alt. Wir sind im Schlafzimmer, der Tag war lang und es ist spät geworden. Obwohl unser allabendliches Ritual mehr oder weniger plangemäß ablief, steht sie gänzlich übermüdet auf ihrem Bett – das wir nun direkt an unseres gestellt haben – und sortiert ihre Stofftiere. Sie entdeckt, dass das Bild eines weißen Elefanten, das ihre Oma für Papa anno dazumal gemalt hat, nun in Griffweite ist und beginnt, an den kleinen Kieselsteinen, die sich am unteren Ende befinden, herumzuziehen.

„Mach das bitte nicht, die kleinen Steine sind angeklebt und sollen dort bleiben. Sonst wird das Bild ja kaputt.“, sage ich.

Töchterlein grinst und macht weiter.

Die Spiele sind offenbar eröffnet.

Wenn das Einschlafen zur Geduldsprobe wird

Was in den nächsten 1,5 Stunden folgte, war eine der nervenaufreibendsten und anstrengendsten Erfahrungen in meiner bisherigen Zeit als Mutter.

Ich sagte meiner Tochter mehrmals, dass sie nicht auf dem Bild herumkratzen solle. Erst ruhig, dann strenger, und ich wurde ignoriert. Ich setzte mich direkt neben sie, ermahnte sie erneut. Es war ihr egal, sie grinste weiter. Danach begann ich, vorsichtig ihre Hand vom Bild zu nehmen, immer und immer wieder. Gekicher. Also nahm ich die Hand bestimmter vom Bild. Erfolglos. Ich begann, in „Wenn… dann…“ Sätzen zu sprechen und ging mir damit selbst auf den Geist. Sie würdigte mich keines Blickes. Ich wurde lauter, mehrmals. Sie auch. Ich hob sie hoch und setzte sie auf mein Bett, weg vom Bild, ebenso mehrmals. Sie protestierte lautstark. Ich verließ den Raum – ja, auch das, mehrmals. Mittlerweile schrie und weinte meine Tochter. Ich schluchzte mit ihr, innerlich. Immer wieder kratzte sie an dem Bild herum. Sie ließ nicht davon ab, egal, was ich tat.

Nach über einer Stunde fanden wir uns, komplett fertig, auf der Wohnzimmercouch wieder. Irgendwann schliefen wir ein. Wie wir es aus der Situation geschafft hatten, weiß ich nicht mehr genau. Ich glaube, der Fernseher brachte Ablenkung für uns beide, mitten in der Nacht.

Provozieren? Ausprobieren!

Was war nun geschehen? Mini wollte sich ausprobieren. Sie wollte schauen, welche Reaktionen sie mit ihren Aktionen bewirken konnte. Sie wollte beobachten. Kurz: Sie wollte lernen. Auf eine, zugegeben, für mich einfach nur extrem mühsame Art und Weise, die mich halb in den Wahnsinn trieb.

Und ich? Ich war gefangen in einer Situation, die in der Sekunde absolut ausweglos schien.

Sie einfach „machen zu lassen“ war in dem Moment absolut unmöglich. Ich dachte daran, dass ich hier einfach nicht „nachgeben“ sollte, weil ich dann „verloren“ hätte. Weil meine Tochter mir, wenn sie einmal begreifen würde, wie schnell ich „das Handtuch werfen“ würde, ständig „auf der Nase herumtanzen“ würde. All diese Stimmen vermeintlich erfahrener Eltern in meinem Kopf, brachten ihn beinah zum Platzen.

Ich war so weit von mir entfernt, wie nur selten zuvor.

Meine eigene, liebende Stimme hörte ich gar nicht mehr. Sie war verstummt.

„Wenn du da nachgibst, hast du verloren!“

„Da musst du schon konsequent bleiben. Wenn du da nachgibst, hat sie gewonnen. Kinder sind so gescheit, die merken sich genau, wenn du nachgibst. Beim nächsten Mal ist es zu spät: Da hast du den Meter dann schon verloren.“

Gut gemeinter Ratschlag aus der Verwandtschaft, Zitat Ende.

Vielleicht findet das in manchen Eltern-Kind-Beziehungen Anwendung. In unserer nicht. Das herauszufinden und diese Erkenntnis überhaupt zuzulassen, hat mich viel Kraft gekostet.

Es hat eine Art Emanzipation aus vorgedachten Denkstrukturen gebraucht, um aus diesem Käfig der vorgebeteten Konsequenz auszubrechen.

Denn, irgendwie logisch, glaubt man als unerfahrene Mama gerne den Menschen, die das Ganze Kinderkriegen-Kinderhaben-Abenteuer schon ein- oder sogar mehrmals „gemeistert“ haben. Deren Kinder man sich ansieht und denkt: „Ja, die haben das schon ganz gut hinbekommen.“

Ich vergaß aber, zu hinterfragen. Vermutlich blieb mein kritischer Blick so lang auf der Strecke, weil Erfahrungsargumente von Menschen, deren vermeintliches Mehrwissen man ohne lang zu überlegen anerkannt hat, in den meisten Fällen zu einem späteren Zeitpunkt auch nicht überdacht werden.

Frei nach: „Wenn der/die das sagt, dann muss das ja richtig sein.“ Bullshit.

Soll freches Grinsen provozieren?

Dass das vermeintlich „freche Grinsen“ bei Kleinkindern oftmals gar nichts mit einer Provokation gemein hat, erklärt Danielle in ihrem Artikel Freches Grinsen: Provokation oder Entschuldigung. Das kindliche Lachen in einer angespannten Situation, ist oftmals eine Art Übersprungshandlung: Das Kind weiß nicht, ob es aufhören oder weitermachen soll, ist also zwischen zwei Handlungsalternativen hin- und hergerissen und tut dann etwas komplett aus dem Kontext Gerissenes. Sie führt weiter aus, dass Grinsen zudem eigentlich ein Überbleibsel längst vergangener Zeiten ist, das sich noch gut bei Affen nachweisen lässt: Wer seine Zähne zeigt, benutzt sie nicht. Es soll in seinem Ursprung also nicht provozieren, sondern beschwichtigen.

„Wir übersetzen das Grinsen mit: „Es ist mir völlig egal was Du sagst!“ Das stimmt in den meisten Fällen nicht, denn die Botschaft lautet: „Oh, tut mir leid, sei bitte nicht ärgerlich“. Lächeln hat zudem eine aggressionshemmende Wirkung – schließlich lächeln wir normalerweise auch selbst, wenn wir uns bei anderen entschuldigen. Versuch doch mal das nächste Mal auf ein vermeintlich freches Grinsen mit „Oh, ich sehe, es tut Dir leid“ zu reagieren und schau, was passiert.“ – Danielle, Das gewünschteste Wunschkind

Klar, Konsequenz ist wichtig. Positive Konsequenz.

Wie ist das nun also bei uns, diese Sache mit der elterlichen Konsequenz? Natürlich hat Konsequenz Platz in unserem Leben, einen sehr wichtigen sogar. Bloß lass ich das mit der Konsequenz, wie sie oft als so strenges, enges Korsett an Handlungsmöglichkeiten daherkommt, lieber sein und schaffe Platz für positive Konsequenz in unserem täglichen Miteinander:

Ich bemühe mich konsequent, mein Kind liebevoll und aufmerksam zu begleiten.

Ich bemühe mich konsequent, die Bedürfnisse meines Kindes zu deuten und zu erfüllen.

Ich bemühe mich konsequent, die Versprechen an mein Kind einzuhalten.

Ich bemühe mich konsequent, mein Kind die Welt in seinem eigenen Tempo entdecken zu lassen.

Ich bemühe mich konsequent, die beste Mutter für mein Kind zu sein, die ich sein kann.

Positive Konsequenz bedeutet für mich auch, dass meine Tochter sich auf mich verlassen kann. Dass sie weiß: Wenn Mama mir sagt „Ich bin da!“, dann ist sie es. Andererseits muss sie sich auch auf Regeln verlassen können, die mit uns mitwachsen und für uns alle gelten.

Und wenn mein Kind „schlimm“ ist und neugierig meine Reaktion auf den großen Wasserfleck am Wohnzimmertisch abwartet? Dann lache ich herzhaft, wenn mir danach ist und setze nicht automatisch einen antrainierten, bösen Blick auf. Dann seufze ich auch manchmal, während ich aus der Küche ein Stück Küchenrolle hole, um alles wegzuwischen, wenn es bereits das 15. Mal an diesem Vormittag ist. Dann bin ich auch mal verärgert, wenn ich zuvor bereits erklärt habe, dass das kein Wasser sondern klebriger Himbeersaft ist und ich meine Tochter ersucht hatte, das Glas stehen zu lassen.

Kurzum: Dann bin ich einfach authentisch.

So, wie ich es bei jedem anderen Menschen auch wäre.


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24 Kommentare

  • Reply
    Stefanie
    28. Mai 2016 at 10:12

    Hallihallo!
    Wie recht du wieder hast…
    Diese Ratschläge von allen anderen mit der „Konsequenz“ kenne ich nur zu gut. Vor allem sind es die, die selbst keine Kinder haben, die es immer glauben besser zu wissen. 😉
    Ich musste auch erst mal einen Weg für uns finden, zwischen mega konsequent sein und eben „machen lassen“. Ich glaub der Mittelweg den ich gefunden habe passt für uns ganz gut. Von gewissen punkten möchte ich nicht abweichen (bitte/Danke sagen… grüßen, Dinge kaputt machen, grob sein) und andere sehe ich einfach (mittlerweile) lockerer… wenn die klorolLe mal zerlegt wird in alle Einzelteile. 😀
    Die kleinen müssen gewisse Erfahrungen und Schritte selbst machen und entdecken. Ich möchte nicht immer wie ein Feldwebel dahinter stehen und meine Tochter zurückpfeifen.

    Was ich eigentlich sagen wollte: super Beitrag. Dir Geschichte kommt mir auch bekannt vor. 😉 unsere Tochter ist auch ein kleiner Dickkopf. Ich finde du gehst einen tollen Mittelweg. Zudem glaube ich auch, dass wir Mütter uns noch sehr oft ändern (die Richtung wechseln) werden… ganz abhängig vom Alter der Kinder. Wir wachsen mit. Und das ist auch gut so. 🙂

    Liebe Grüße
    Steffi

    • Reply
      Jeannine
      17. Juni 2016 at 23:48

      Liebe Stefanie, vielen lieben Dank, einmal mehr, für deine Worte! <3 Genau so wie du es sagst: Es muss für euch passen. Niemand anders kann wissen, wie es für jede einzelne Familie am besten funktioniert. 🙂

  • Reply
    Christina Gr.
    28. Mai 2016 at 10:12

    Wieder ein toller Artikel und wieder finde ich mich darin wieder. Mein Sohn ist fast 20 Monate alt und auch er zeigt häufig dasselbe Verhalten, das du von deiner Tochter beschreibst. Ich habe sein Lächeln bisher auch als „freches Grinsen“ interpretiert. Und das hat mich meistens, in einer ohnehin angespannten Situation, noch wütender gemacht. Ich werde versuchen sein Lächeln in Zukunft als leise Entschuldigung zu deuten. Ich denke das wirkt bestimmt beschwichtigend.
    Liebe Grüße, Christina

    • Reply
      Stefanie
      28. Mai 2016 at 10:19

      Da stimme ich dir auch zu… ich sehe das jetzt auch etwas anders. 😉 dank jeannine.

    • Reply
      Jeannine
      17. Juni 2016 at 23:49

      Vielen vielen Dank, Christina! 🙂 Ich bin gespannt, ob und wie sich etwas verändert in gewissen Situationen und ich freu mich, wenn du berichtest! Alles Liebe!

  • Reply
    Silke
    28. Mai 2016 at 11:03

    Toll geschriebener Artikel! Ich habe es auch ähnlich gemacht! Gerade in der Trotzphase bin ich gegen alle Ratschläge nicht streng bzw konsequent vorgegangen, weil ich mir immer versucht hab vorzustellen, wie schlimm das Gefühlschaos gerade für sie ist.

    • Reply
      Jeannine
      17. Juni 2016 at 23:50

      Danke dir, Silke! Genau, das versuche ich auch… Leicht ist es allerdings nicht immer. 😉

  • Reply
    Sina
    28. Mai 2016 at 11:27

    Hallo! Danke für den Artikel. Selbe Situation hatten wir auch vor kurzem erlebt. Aber wie kommt man da jetzt vernünftig aus der Situation raus wenn was nicht kaputt gemacht werden darf? Wenn „machen lassen“ mal nicht geht? Ich hoffte ja eigentlich dass wenn man mit Respekt erzieht und wenig „neins“ benutzt dass die, die sein müssen dann besser akzeptiert werden.
    Und wenn das Grinsen als Entschuldigung zu sehen ist warum hört das Kind dann nicht auf sondern macht weiter? Natürlich muss man für sich den richtigen Weg finden bei dem man sich wohl fühlt aber liebe und einfühlsame Weg war genauso wenig hilfreich wie der strenge.

    • Reply
      Jeannine
      17. Juni 2016 at 23:52

      Hi Sina, danke dir für dein Kommentar! 🙂 Na klar, es muss Grenzen geben, die muss das Kind auch kennen – denke ich. Sie geben Sicherheit und zeigen einen gewissen (idealerweise möglichst großen) Spielraum auf, in dem das Kind walten kann. Alles, was darüber hinausgeht, muss klar kommuniziert werden. Für mich war es ein wichtiger Schritt, zu erkennen, was nur nicht sein darf, weil mein eigener Sturschädel was dagegen hat und wo die Dinge liegen, die tatsächlich, begründet nicht getan werden dürfen.

  • Reply
    Judith
    28. Mai 2016 at 20:17

    Ich wusste natürlich schon, dass das freche Grinsen keine Provokation ist. Wenn Sie Wasser verschüttet, lache ich auch. Blöderweisr ist sie heute von der Couch gefallen und mit dem Kopf an die Wand geknallt. Weil ich nach dem zehnten „hör auf damit, da kannst du dich verletzen“ mit einem:“ok, dann mach eben. Du kannst dich dabei verletzen, aber vielleicht lernst du es nur so“ abgerutscht ist und ich nicht schnell genug war. Tja, eine Watschn ins Gesicht für die Mama. … Dumm gelaufen und Gott sei Dank nur eine Beule. Ich dachte, ich wäre sicher schnell genug. Zuvor ist die mir am Heutigenfedt gut 20 mal in Richtung Straße davongelaufen. Ebenso gefährlich, da könnte ich nicht „mach mal“ sagen. Vielleicht Kauf ich mir eine Leine 😜 Es ist zum Schweine melken manchmal, aber ich kann dann eben nicht immer ruhig bleiben, auch wenn ich weiß, ich sollte…

    • Reply
      Judith
      28. Mai 2016 at 20:19

      Heute mal wieder ein „sorry“ für die Tippser. Man sollte solche Kommentare nicht am Handy schreiben 😉

    • Reply
      Jeannine
      17. Juni 2016 at 23:54

      Haha ohje meine Liebe, ja, sowas kenne ich gut. 🙂 Solange zum Glück nix passiert ist, denke ich mir da immer. Interessant ist es für mich immer, zu sehen, in welchen Situationen ich noch mit „Mach mal und guck dann, was passiert“ relativ entspannt daneben stehe während die Oma an meiner Stelle schon längst die Hand der Kleinen halten würde. 😉 Und klar, Straße laufen etc. geht gar nicht. Wo echt Gefahr im Verzug ist oder etwas einfach wirklich nicht kaputt gehen darf, muss das klar kommuniziert werden – auch wenn’s auf Widerstand stößt.

  • Reply
    sascha
    29. Mai 2016 at 8:43

    Die Frage ist doch: Möchte ICH, dass das Bild heil bleibt. Und je nach dem, wie wichtig mir das ist gehe ich damit um und begleite dann gegebenenfalls meine Tochter durch ihren Frust …

    Und ich kenne das Grinsen auch. Beim Laufradfahren. Aber ich lasse meine Tochter auch nicht mit beschwichtigendem Grinsen auf die Straße fahren.

    • Reply
      Jeannine
      17. Juni 2016 at 23:55

      Genau Sascha, klare Grenzen müssen sein, weil sie einerseits für Sicherheit sorgen und dem Kind auch Sicherheit vermitteln. Ein geborgener Rahmen sozusagen, in dem es wachsen und sich ausprobieren kann. Stößt es da an die Grenzen, sorgt das auch für Frust – aber für berechtigten und nicht willkürlichen. Diese Unterscheidung war mir beim Artikel wichtig. 🙂

  • Reply
    Sabine
    29. Mai 2016 at 9:30

    Lustigerweise hatte ich tatsächlich diese Woche erst eine solche Situation und mir ist rechtzeitig eingefallen das das Grinsen eigentlich der Beschwichtigung/Entschuldigung dient. Sonst hätte ich mich vermutlich wieder mal reingesteigert. Ich bin in solchen Situationen froh weit weg von vielen erfahrenen Wissenden zu wohnen, sodass ich die guten Ratschläge selten zu hören bekomme, aber manche sitzen von der eigenen Erziehung so tief das ich mich regelmäßig selbst zermürbe, weil ich glaube das „Es doch eigentlich so und so laufen müsste „. Diese Generationskonflikte sind manchmal ganz schön hinterlistig und seeehr anstrengend.

    • Reply
      Jeannine
      17. Juni 2016 at 23:58

      Danke für dein Kommentar, Sabine! 🙂 Ich kann mir gut vorstellen, dass es manchmal angenehm ist, die Ratschläge der anderen weitgehend ausblenden zu können. Aber klar, manches ist fest verwurzelt in uns. Das mit dem Grinsen ist so eine Sache, die, denke ich, sehr vom Alter des Kindes abhängt. Mittlerweile möchte meine Tochter z.B. ganz oft bewusst „schlimm“ sein und grinst schelmisch, wenn sie weiß, dass sie grad was „Verbotenes“ anstellt.

  • Reply
    Birgit
    29. Mai 2016 at 19:02

    Hallo du liebe,
    super Text, wie immer. Zur Konsequenz: ich finde sehr interessant wie du die Konsequenz in „negativ“ und „positiv“ unterteilst. Ich hätte gesagt, das erstere ist eine Art Machtkampf, bessergesagt, was wir Erwachsenen halt als Machtkampf interpretieren und da bin ich genau wie du total dagegen. Deine positive Konsequenz braucht es natürlich auch und die Idee finde ich wunderbar. Und dann gibt es sowas wie die Konsequenz des „nichtdiskutierens“ ich habe das leider erst bei Kind 2 kennen gelernt. Ich bin so jemand der 20 x in allen Tonarten sagt, dass das Bild bitte ganz bleiben soll und eine Diskussion entwickelt sich dann etwa so wie du sie beschreibst. Mein Freund beendet solche „Diskussionen“ mit den Kindern einfach. Auf freundliche aber bestimmte weise. Die Kinder bringen dann zwar meistens ihren Unmut sehr deutlich zum Ausdruck aber es ist viel rascher und konstruktiver gelöst als bei mir, wos dann den Unmut irgendwann auf beiden Seiten gibt. Für mich ist das aber ganz schwer. Ich bin im Erwachsenenleben schon jemand der sehr schlecht Nein sagen kann, die Kinder hören mein Nein auch oft nicht als Nein selbst wenn ich es brülle, es heißt für sie trotzdem Jein. Weil ich eben diese liebevolle Konsequenz nicht kann, die aber so wichtig ist, für ganz viel Lernerfahrung. Das Gute ist, ich hab jede Menge Gelegenheit zu üben 😀 und wer weiß vielleicht schaffe ich auch irgendwann statt Jein ein echtes Nein und dann wird aus Ja auch ein richtiges Ja.

    • Reply
      Jeannine
      18. Juni 2016 at 0:01

      Danke liebe Birgit für deinen ausführlichen und wertvollen Kommentar! 🙂 Ich finde, du sprichst etwas sehr wichtiges an, einen Bereich, den ich im Artikel tatsächlich ausgespart hab. Es gibt Dinge, die gehen einfach nicht, da wird auch nicht diskutiert. Bei uns sind das so Situationen, in denen ich von vornherein „Nein.“ gesagt habe. Wenn meine Tochter dann etwas trotzdem tut, nimmt, etc. erinnere ich sie nochmal daran, dass das verboten ist. Hört sie dann innerhalb einiger Sekunden nicht auf, nehme ich sie schlicht aus der Situation. Das passt ihr natürlich nicht, aber sie kennt den Satz „Wenn Mama nein sagt, ist’s nein.“ mittlerweile gut und kann unterscheiden zwischen Wünschen und Anweisungen. Zweite haben immer ihre Berechtigung und gute Gründe. Ich bemüh mich sehr, nicht willkürlich irgendeinen Blödsinn zu verbieten. 🙂 Und ja, „Nein“ sagen zu können ist wichtig, eine Qualität beinah, finde ich. 🙂 Müssen wir üben! 😉

  • Reply
    Angelika
    2. Juli 2016 at 21:02

    Oh ja, das kenne ich. Da sagt man etwas und kommt dann irgendwie nicht mehr aus der Sache raus. Bei meiner Tochter hat schon früh geholfen, zu erklären warum etwas nicht geht. Außerdem eindeutig äußern was man möchte und Alternativen vorschlagen. In deinem Fall: „Schau, so wird doch das schöne Bild kaputt. Bitte lass das. Das hat Oma einmal gemacht. Wie wär’s wenn wir gemeinsam alle roten Steinchen suchen und mit dem Finger antupfen?“. Das geht halt auch nur, wenn man selbst gelassen und noch genug Energie über hat. Gerade abends oft schwierig.
    Wir sind den Weg ohne lautwerden und klassischer „Strenge“ mit erhobenem Zeigefinger gegangen und mit unserer Tochter kann man nahezu jedem Konflikt „ausdiskutieren“. Und das mit 2½.

    Und da fällt mir sofort die Liste der rabeneltern ein: http://www.rabeneltern.org/index.php/erfahrungsberichte-und-rabeneltern-tipps/elternsein-erfahrungsberichte/1234-alternativen-zur-bestrafung

    qte:
    Eine Liste schlagwortartig zusammengefasster Möglichkeiten, anstrengende Konflikte mit (Klein-) Kindern zu vermeiden bzw. die Eskalation von Konfliktsituationen zu verhindern. Nicht alles passt zu jeder Situation. Einige der Tipps scheinen sich auch zu widersprechen und es erfordert elterliches Fingerspitzengefühl, zu entscheiden, welche Reaktion in welcher Situation am sinnvollsten ist. Nicht alles kann als Zaubermittel gesehen werden – aber es sollte wirklich für jeden etwas dabei sein!

    Kopiert euch diese Liste und hängt sie irgendwo auf, wo sie euch immer wieder ins Auge sticht!

    Erkenne Positives an.
    Schaffe ein positives Umfeld und eine positive Grundstimmung.
    Sage so oft wie möglich „Ja!“
    Heb dir „Nein!“ für wirklich wichtige Dinge auf.
    Lass natürliche Konsequenzen folgen.
    Lass logische Konsequenzen folgen.
    Behebe einfach das Problem.
    Überlass es deinem Kind und misch dich nicht ein, wenn es nicht wirklich sein muss.
    Finde einen Kompromiss.
    Sag einfach nur klar und deutlich, was du erwartest – und zieh dich zurück.
    Gib klare Anweisungen.
    Begründe – kurz und verständlich.
    Biete Hilfe an.
    Biete eine Alternative an.
    Lenke die Energien deines Kindes um.
    Bringe dein Kind vom Ort des Geschehens fort.
    Formuliere positiv.
    Gib gelegentlich nach!
    Gib deinem Kind Zeit zu reagieren.
    Besteh einfach darauf – aber bleib dabei freundlich und gelassen.
    Stelle Regeln auf.
    Ignoriere gegebenenfalls bestimmte Verhaltensweisen.
    Vermeide es zu nörgeln und zu drohen.
    Stelle Forderungen oder Verbote nur auf, wenn es sich wirklich rentiert, die nötige Energie aufzubringen, die ihre Durchführung und Einhaltung gewährleistet.
    Lenke dein Kind ab.
    Sei humorvoll.
    Mach ein Spiel daraus.
    Sei bereit, Fehler zuzugeben.
    Erst denken, dann handeln!
    Mach aus einer Mücke keinen Elefanten!
    Führe Routine und Rituale ein und halte dich daran.
    Treibe dein Kind nicht immer und allzu sehr zur Eile an.
    Versuche die Wurzel des Problems zu erkunden.
    Korrigiere immer nur eine Verhaltensweise, ein Problem auf einmal.
    Gib dir selbst Zeit.
    Lebe angemessenes und erwünschtes Verhalten vor.
    Sieh dein Kind als gleichwertige Person.
    Halte dir immer die Liebe zu deinem Kind vor Augen!

    • Reply
      Jeannine
      4. Juli 2016 at 18:38

      Wow Angelika, vielen Dank für diesen wunderbaren, wertvollen Kommentar und den Hinweis auf die großartige Liste! 🙂 Danke dir dafür, echt! Die sollte man wirklich ausdrucken, das stimmt. Ich finde auch deine Idee mit dem Antupfen der roten Steinchen super. Ich denke, so etwas hätte vielleicht in der Situation tatsächlich funktioniert. Also, statt vehement aufs Aufhören zu bestehen, quasi einfach „umlenken“ und zu einer halbwegs kontrollierten Situation machen. So toll! Alles Liebe!

  • Reply
    Bell
    2. Dezember 2016 at 7:21

    Ich habe den Beitrag erst jetzt entdeckt und bin voll und ganz bei dir. Die Situation die du beschrieben hast, kennt wahrscheinlich jeder Mutter, jeder Vater eines Kleinkindes.

    Wir haben damals bei unserem Sohn tatsächlich einiges von der Tagesmutter lernen können. Ihr Motto lautet „Liebevoll und Kosequent“ – was man im guten macht, muss man auch in weniger guten Momenten so machen.

    Mit solchen „Wenn,…dann“ -Sätzen stehe ich mir auch regelmäßig im Weg. Schon wenn ich den Satz beginne, merke ich, dass er mir nichts bringen wird.
    Wie du schon sagst, Kinder müssen sich auf ihre Eltern verlassen können.

    Ich versuche es meinem Sohn (im Februar wird er 3 Jahre alt) immer ruhig und mit möglichst wenigen Worten zu erklären. Wahrscheinlich hätte ich das Bild weggenommen/weggestellt (wenn das möglich gewesen wäre) und ihm gesagt, dass es sonst kaputt geht und ich dann ebenfalls traurig bin.

    Ach diese Kindererziehung – später lachen wir mal darüber, ganz bestimmt.

    Liebe Grüße,
    Bell

  • Reply
    Marlen
    3. Dezember 2016 at 20:35

    Hallo.
    Ich sehe das ähnlich. Meine Tochter ist jetzt 18 Monate und ist aber (bis auf Essenssituation) sehr brav und hört auf, was zu tun, wenn ich es sage.

    (Ich habe nicht ganz verstanden, wie das war mit Bild & Bett…. Hast du das Bild nicht irgendwie/irgendwann wegnehmen können?)

    Bezüglich „Konsequenz“ – es stimmt glaub ich‘, dass man oft das Gefühl hat „ich muss da jetzt hart bleiben“. Mein Mann meint, ich sage zu selten „Nein“. Aber ich will nicht zu allem „Nein“ sagen. Ich lenke sie ab, oder sage: „geh‘ da weg“, „nicht angereifen“, beschreibe das, was ihre Neugier geweckt hat – oder ähnliches. Weil warum sollte man immer „Nein“ sagen?? Sie will ja nur anschauen/lernen/neugierig sein. Und sie benutzt das Wort „Nein“ jetzt selber sehr gern für alles. .. :-/

    Wie du sagst: authentisch sein! Ich stoppe sie, wenn ich finde, dass etwas nicht geht.
    Ansonsten soll meine Tochter ruhig mal machen… 🙂 (nach dem xx-ten Mal halte ich sie dann auf.)

  • Reply
    Paula
    27. Juni 2017 at 22:53

    Super artikel! danke!
    ich kann noch ergänzen dass es bei uns immer hilft zu sagen was man statt dessen machen soll. also in dem fall nicht „bitte mach den rahmen nicht kaputt“ sondern „schau du könntest auch das und das machen, der rahmen bleibt bitte wie er ist“
    ich habe heute am spielplatz wieder erlebt wie so viele eltern ihren kindern andauernd nur sagen was sie alles nicht machen sollen.
    ich habe das gefühl ich muss mich gerade vor kinderlosen freunden oft rechtfertigen wieso ich mir von meinem sohn so auf der nase rum tanzen lasse. ich habe mittlerweile aufgehört mir gedanken zu machen was andere denken und mich zu erklären. 🙂 ich liebe mein kind und wie du schreibst ich bemühe mich extrem konsequent auf ihn einzugehen und ihn zu hören.

  • Reply
    Yasmin Dinally
    30. Juni 2017 at 10:12

    Liebe Jeannine

    Deine Ausdruck, Deine Ausstrahlung und natürlich Dein Wirken sind ein Geschenk!
    DANKE DIR VON HERZEN
    Yasmindi*

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