Motherhood Personal

Ein Brief an die Mama, die ihr Baby im Wagen weinen ließ

mini and me unterwegs in trag baby im kinderwalen

Manchmal beobachtet man etwas, das lässt einen nicht mehr los. So ging es mir vor ein paar Wochen im Einkaufszentrum. Ich wurde Zeugin einer Szene zwischen einer Mama und ihren Kindern, die ich nicht vergessen kann. Ich sehe noch immer das Baby vor mir, das niemand beachtete – egal wie sehr es auch darum schrie. Warum es manchmal schwer ist, andere Menschen nicht zu verurteilen und darüber, dass es Dinge gibt, die einfach immer schlecht sind.


Liebe Mama,

ich will dir schon länger etwas sagen. Seit ich dich vor Wochen im Einkaufszentrum beobachtet habe, gehst du mir nicht mehr aus dem Kopf. Du hast dich in mein Hirn gebrannt, genau wie dein kleines Baby im Wagen. Vielleicht kann ich das Bild von euch gehen lassen, wenn ich meine Gedanken niederschreibe. Das ist mein Versuch.

Als ich dich vor dem Geschäft gegenüber entdeckte, aß ich mit meiner kleinen Familie gerade belegte Brötchen. Ich wurde auf dich aufmerksam, weil ich dein Baby weinen hörte. Ich denke, es war etwa 8 Monate alt. Es saß in seinem Kinderwagen, du standest dahinter. Mit einer Hand am Kinderwagen, schobst du ihn langsam hin und her. Die andere Hand war ein deinem Ohr, in ihr dein Handy. Worüber du am Telefon gesprochen hast, konnte ich nicht hören – das Baby war zu laut.

„Wieso nimmst du keinen Kontakt zu deinem Kind auf?“, dachte ich. Das Bild fand ich komisch. Mich persönlich störte es vermutlich, weil es mir so fremd war. Aber ich besann mich schnell und schüttelte den Kopf: Wer weiß, mit wem die Mama gerade spricht? Wie es ihr geht? Wer bin ich, um diese fremde Frau zu verurteilen? Das Recht habe ich nicht! Vielleicht läuft gerade etwas mächtig schief bei ihr; vielleicht passiert irgendetwas, das ihre ganze Aufmerksamkeit fordert.

Ich versuchte, wegzuschauen und mich wieder auf meine Liebsten und das köstliche Eibrötchen zu konzentrieren, aber es wollte nicht klappen. Du wirktest irgendwie ruhig, hast am Telefon sogar gelacht, dein Kind aber keines Blickes gewürdigt.

Irgendwann warst du fertig, das Handy verschwand in deiner Tasche. Und du? Du bliebst hinter dem Wagen stehen. Dein Blick wanderte ruhig von Geschäft zu Geschäft. Dein Kind weinte immer noch, schrie, bäumte sich auf im Kinderwagen, sah immer wieder zu dir hoch. Ganz ehrlich, Mama? Es war fürchterlich! Es tat weh, hinzusehen. Aber zumindest tat ich es – du nicht. Vielleicht fiel es dir nicht auf, aber du sahst dein Kind nichtmal an! Ich könnte weinen, während ich diese Zeilen tippe. Ich war außer mir, sagte nun auch dem Vater meiner Tochter Bescheid, fragte ihn, ich zitiere: „Was bitte geht mit ihr?!“

Immer noch wollte ich denken: Irgendwas muss sie beschäftigen. Ich kenne diese Mama nicht. Vielleicht fehlt ihr etwas, vielleicht ist etwas Schlimmes passiert und sie kann gerade nicht anders. „Ich kann diese Situation nicht beurteilen“, dachte ich mir. Es waren mittlerweile etwa 5 lange Minuten vergangen. Dein Baby schrie und weinte noch immer, reckte seine kleinen Hände noch immer nach oben, hin zu dir.

Dann passierte es: Ein größeres Mädchen, etwa 12 Jahre alt, kam aus dem Laden, vor dem du mit deinem Baby im Wagen gewartet hattest. Wohl deine größere Tochter, dachte ich mir. Ob sie das weinende Baby überhaupt registrierte, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall unternahm sie keine Anstalten, es herauszunehmen, zu streicheln, mit ihm zu sprechen… Kontakt in irgendeiner Form aufzunehmen.

Dann ging eure Tour durchs Einkaufszentrum weiter. Einfach so.

Ich hab euch noch länger nachgesehen, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Seelenruhig hast du dich mit deiner Tochter unterhalten und sie sich mit dir. Dein Baby hat während dieser ganzen Zeit geweint. Es brauchte dich.

Vermutlich habe ich diesen Artikel nicht sofort getippt, weil wir Mütter (zumindest in der Öffentlichkeit den Anschein erwecken wollen, dass wir) uns gegenseitig unterstützen. Wie oft habe ich schon gehört: „Keine Mommy-Wars! Lasst uns nicht aufeinander losgehen! Wir Mütter machen in den Augen der Gesellschaft eh alles falsch. Da müssen wir uns doch zumindest untereinander stärken.“ Nun, das stimmt. Ich bin voll dafür. Es stimmt aber auch, dass in den Augen der „Gesellschaft“ niemand irgendetwas richtig macht. Wir Mamas sind da kein Randphänomen, sondern mitten drin: Wir sind ein Teil der Masse „Mensch“, die von anderen Menschen bewertet, verurteilt und kritisiert wird. Egal, was und wie wir es tun und egal, ob wir Kinder haben oder nicht.

Nun bin ich aber jemand, der nicht nur versucht, andere Menschen, Frauen, Mütter zu unterstützen. Ich habe es für mich als Grundsatz meiner Arbeit formuliert. Ich will, dass wir Mamas einander Flügel verleihen, anstatt sie zu stutzen; dass wir ausbrechen aus unseren persönlichen Bubbles oder zumindest kurz den Blick nach draußen wagen; dass wir andere Familienentwürfe zulassen und sehen, wie Mamas „ihr Ding“ machen, ohne es zu bewerten. Das wünsche ich mir, das will ich mit meiner Schreiberei erreichen. Es gibt viele Mamas, die es anders machen als ich. Das ist gut so.

Aber egal, wie offen man ist, wie sehr man sich zurückhält und andere machen lässt: Es gibt eine Liste an Dingen, die sind einfach scheiße. Sein Baby im Kinderwagen weinen zu lassen, steht richtig weit oben. Es findet sich unter den Top-Plätzen, gleich neben körperlicher Gewalt und so absolut hirnrissigen Erziehungsmethoden wie in der Nacht alleine bzw. schreien zu lassen.

Mama, ich sage dir von Herzen: Was du da getan hast, war falsch. Ich kann nicht beurteilen, ob es eine Ausnahmesituation für dich und nur das eine Mal so war. Leider sah es nicht danach aus.

Du und deine Kinder haben sich in mein Hirn eingebrannt. Entstanden ist ein dunkler Brandfleck. Du weißt wahrscheinlich: Die wird man nicht so schnell los. Wäre er auf meiner Lieblingsjacke, würde er dort wohl bleiben. In meinem Kopf jedoch hoffe ich, ihn bald irgendwie überdecken zu können.

Vielleicht liest du das. Es ist unwahrscheinlich, sehr sogar. Aber vielleicht. Und nur vielleicht nimmst du dein Baby einfach nur auf den Arm beim nächsten Mal. Ich verlange ja gar keine Liebkosungen, wenn du das nicht kannst. Ich frag auch nicht nach deinen Gründen. Es geht mich ja alles nichts an, ich weiß das. Aber es tat so weh.

Es tat deinem Baby so weh.

Nimm es beim nächsten Mal bitte wahr.

Für dein Kind und letztlich auch für dich selbst.

Deine Auchmama,

Jeannine


Puh. Erstmal Luft holen.

Habt ihr auch schon Dinge miterlebt, die euch nicht mehr loslassen wollten?

Ich hab damals überlegt, zur Mama zu gehen und sie zu fragen, ob sie ihr Baby nicht trösten möchte… einfach nur, um irgendetwas zu tun. Aber ja, ich weiß, es geht mich wirklich nichts an.

Hätte ich dennoch etwas sagen sollen?

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11 Kommentare

  • Reply
    Manuela
    25. August 2016 at 9:29

    Wenn ich diese Zeilen lese, kommt in mir auch Traurigkeit, Unverständnis und so ein Gefühl der Wut im Bauch hoch. Ich kann mich richtig hinein fühlen in die Situation. Es erinnert mich nämlich an eine fast gleiche Situation bei einer Zugfahrt von Wien nach Salzburg. Ich war mit meinem Sohn (damals 7 Monate) im Kinderabteil der Westbahn und hab eine Mama und ihre Tochter gesehen. Bis heut denk ich immer wieder an die beiden. Wie es dem Mädchen wohl geht. Wie die Mama wohl sonst so ist im Umgang mit ihr. Und irgendwie denke ich auch immer dran, hätte ich etwas sagen sollen? Was ist da richtig oder falsch?
    Danke fürs Niederschreiben. Vielleicht hilft es beim Loslassen können .

  • Reply
    Martina
    25. August 2016 at 9:58

    Oh ja, ich kann deine Gefühle nachempfinden. Ich hatte eine Erfahrung gemacht bei der ich angesprochen wurde, weil ich meinem Gefühl folgte.
    Ich bin eigentlich lieber eine Tragemami, weil mein Kleiner 4Monate es liebt, ich mich wohler fühle und dazu beide Hände frei habe für meine Große 3Jahre.
    Hin und wieder, wenn mein Rücken zuuu sehr schmerzt, dann ‚darf‘ der kleine Mann ins Wagerl, was ihm nicht immer gefällt. An jenem Tag sind wir zum Spielplatz spaziert, am Hinweg hat er ‚brav‘ im Wagerl geschlafen. Am Spielplatz hab ich ihn gestillt und dann wieder zurück gelegt, damit ich meine große beim Schaukeln anschubsen konnte. Gefiel ihm dann nicht und er raunzte. Ich schubste meine große an und ging zurück zum Wagerl, da der kleine mittlerweile weinte. Ich nahm ihn – für mich selbstverständlich – heraus, drückte ihn und nahm ihn mit zur großen Schwester. Dort sagte dann eine Mutter, die auch gerade ihr Kind anschaukelte: ,ah, hat er’s jetzt geschafft!‘ und grinste dabei kopfschüttelnd. Erst hab ich gar nicht gecheckt, was sie meinte.
    Im Endeffekt hab ich mich zwar über diese doofe Anmache zwar geärgert, mir aber gedacht, wir drei sind zufrieden und glücklich, das ist die Hauptsache!

  • Reply
    Martina
    25. August 2016 at 10:52

    Zu deiner Erfahrung nochmal… ich denke, dass sich so eine Mutter (gehen wir davon aus, sie war in keiner Ausnahmesituation und ein schreiendes Baby zu ignorieren ist Alltag) wohl ohnehin nichts sagen lässt, weil sie davon überzeugt ist, dass schreien lassen (ob im Bett zum Schlafen oder im Kinderwagen oder wo auch immer) eine Erziehungsmaßnahme ist und nicht Gewalt. Also, auch wenn es in solchen Situationen schwer ist wegzuschauen: in diesem Fall nicht mehr ärgern, einfach nur wundern.
    Ich geh nun meine zwei Kids kuscheln und abschmusen (stellvertretend für das Baby aus deiner Erzählung). Bussi 🙂

  • Reply
    indi
    25. August 2016 at 11:04

    Ich verstehe deine Wut und kann sie sehr gut nachempfinden. Doch wie du schon sagtest, du weisst nicht was mit der Mama los war.
    Ich selbst war deshalb oft im Munde vieler Menschen. Mein Sohn war lange ein schreikind (16h/Tag)
    Irgendwann resigniert man, weil nichts hilft.
    Rausnhemen oder mit ihm reden, hats dammals nur schlimmer gemacht.
    Ich sehe oft solche Fälle und denke mir auch jedes Mal mir blutet das Herz sowas mitanzusehn. Und dann denk ich an meine zeit zurück und wie schlimm es war, verurteilt zu werden. Obwohl du alles getan hast. Arztbesuche, Klinik, Therapie.
    Ich möchte mit meinem Beitrag nur Zeugen, dass es von der Mutter vll nicht Absicht ist, oder sie ihre Kinder nicht liebst, sondern sie es vl einfach nicht ändern kann.

    Ich wünsch euch einen schönen Tag, ich geh jetzt kuscheln😃

  • Reply
    Bianca
    25. August 2016 at 11:04

    Dr. William Sears schreibt in einem seiner Bücher, dass ein Baby schreien zu lassen bedeutet, ihm sein einziges Kommunikationsmittel „kaputt“ zu machen. Es lernt dann nur, dass auf seine Sprache nicht geantwortet wird. Außerdem schreibt er, dass ein Bedürfnis erst dann geht, wenn es voll und ganz befriedigt wurde.

    Als Mama eines 3 Monate alten 24h Babies weiß ich, wie anstrengend es sein kann, und wie sehr man sich vielleicht nach einem ungestörten Telefonplausch mit der besten Freundin sehnt… Doch nichtsdestotrotz, wenn meine Kleine schreit, dann geht mir das in Mark und Bein und ich könnte mitheulen so weh tut es mir… und es gab und gibt manchmal immer noch Stunden da haben wir ALLES versucht um unserer Maus zu helfen und das Schreien hat nicht aufgehört. Umso weniger verstehe ich Mamas die ihr Kind einfach alleine liegen lassen, obwohl es mit ein klein wenig Zuwendung wahrscheinlich schon getröstet wäre.

    Jeannine, ganz ehrlich… Klar müssen Mütter zusammen halten, aber es gibt so viel unterschiedliche Einstellungen in Bezug auf Kindererziehung, dass ich mich mit meiner Art mein Baby zu sehen schon oft sehr alleine fühl..

  • Reply
    Beatrice
    25. August 2016 at 11:16

    Ich kann dich gut verstehen. Ich denke, jeder hat etwas in der Art schonmal beobachtet. Tatsächlich weiß man nie was dahinter steckt. Jedoch, wenn die Frau „entspannt“ wirkte, schien es eher keine Ausnahmesituation zu sein.
    Ich habe mal eine Mama im Park beobachtet, die auch einen furchtbar schreienden noch jungen Säugling (man hört es ja am Stimmchen und der Art zu Schreien, ob es noch sehr klein oder schon etwas älter ist) im Wagen herum fuhr. Sie sah nicht besonders glücklich aus. Das Kind schrie für mich persönlich unerträglich. Also so, dass man eigentlich nicht anders kann, als das Kind schnell hochzunehmen und zu trösten, kuscheln und was auch immer.
    Aber wahrscheinlich war das ein Schreikind. Die Mutter hatte es wahrscheinlich schon Tage-und Nächtelang herum getragen und war einfach total fertig und hoffte bei einem Spaziergang irgendwie zur Ruhe zu finden. Ich weiß es nicht. Ich habe damals auch überlegt, ob ich hingehen solle und das Kind mal ein bisschen Tragen solle, damit sie mal Luft holen kann. Aber ich habe mich dann doch nicht getraut. Vielleicht wäre sie dankbar gewesen. Aber vielleicht hätte sie sich auch schlecht gefühlt, wenn jemand anderes „ihre Aufgabe“ übernimmt und sei es nur kurz. Ich weiß es wirklich nicht. Schwierig.

  • Reply
    Sandra
    26. August 2016 at 7:43

    Oh Gott, wie schrecklich! Ich glaube Dir, daß Du diese Szene nicht vergessen kannst! Ich glaube, ich wäre hingegangen, auch wenn es mich nichts angeht… Ich hätte es nicht ausgehalten. Ein so kleines Baby schreien zu lassen ist grausam… Und ich weiss es von meiner Tochter. Ich kann sie garnicht weinen lassen (ausser sie trotzt und tobt 😉 ), irgendetwas in mir MUSS unverzüglich zu ihr und ich muss sie trösten und lieb haben. Da geht es v.a. vielen Müttern so, die Väter sind da normal entspannter. Das hat die Natur schon gut eingerichtet, daß Mamas das Weinen der Kinder normalerweise garnicht aushalten können!

  • Reply
    Stadtmama Judith
    26. August 2016 at 10:24

    Ich kann das gut verstehen und würde meine Kleine, die sowieso auch mehr ein Tragebaby war mit Dicherheit auch nicht um Wagen schreien lassen. Aber vielleicht war es auch gut, nichts zu sagen. Erstens weil man ja wirklich die Situation nicht kennt und zweitens weil es meist gar nichts chr ankommt. Zum Thema Situation nicht kennen habe ich eine Geschichte: ich war mit der Kleinen mit schwerer Bronchitid und Atemaussetztern mitten in der Nacht im Krankenhaus, der Papa mit der Großen zu Hause. Die kleine war quietschfidel, wir müssten aber noch da bleiben, ob die Inhalation hilft. Sie ist im Wartebeteich rumgelaufen, ich ihr nach. Sie hat sich jede Ecje genau angesehen. Ein anderer Papa hat ihr dann einen Ball geschenkt, den sie dort herumgerollt hat. Weil alles lange gedauert hat, setzte er ch mich kurz hin, dem Papa telefonisch Bescheid zu geben. Als ich aufgelegt habe Mitte mch der Vater an, ich sollte mir ch dich besser um mein krankes Kind kümmern als zu telefonieren. Sie hat daneben seelenruhig mit ihrem Bsll gespielt. Richtig, er hat nämlich nicht gewusst, warum ich telefoniere. 30 Sekunden, vielleicht eine Minute. Aber in einer Sekunde hatten er und seine Frau mich als Rabenmutter abgestempelt, weil ich zu Hause angerufen habe. Zu zweit mit einem Kind fällt es schwer, das zu verstehen. … Hat mich sehr geärgert, denn der Papa wär sicher auch lieber hier gewesen, es ging aber einfach nicht….
    Trotzdem, ich kann deinen Ärger in der Situation verstehen. Aber man weiß es halt nicht immer.
    Liebe Grüße, Judith

  • Reply
    Stadtmama Judith
    26. August 2016 at 10:25

    Oh Gott, sorry wegen der Tippser. Am Handy sollte ich keine Kommentare mehr schreiben 😂😂

  • Reply
    Natalie
    2. September 2016 at 8:59

    Dein Artikel rührt mich zu Tränen und belastet mich sehr. Ich möchte dir auch gerne verraten warum es so ist. Im April 2014 kam mein Sohn auf die Welt. Er schrie immer wieder mal,wie Babys es halt auch machen um ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Ich erkannte jedes Bedürfnis und dachte mir ich wäre die beste Mutter auf der ganzen Welt. Mein Baby schreit kaum und wenn dann weiß ich was er braucht und war anderen Müttern gegenüber total verständnislos wenn ihre Babys schreien mussten. Ich dachte mir immer, dass eine Mutter doch die Bedürfnisse ihres Babys erkennen muss und somit kein Baby schreien müsste. 11 Monate später kam mein zweiter Sohn auf die Welt. Und es war plötzlich alles anders. Er War ein Schreibaby. Wir waren in Ambulanzen, Osteopathie,Craniosacrale,Shiatsu und letzten Endes hatten wir eine psychotherapeutische Sitzung. Nichts half. Er schrie.Tag und Nacht. Ich hab ihn getragen, war stundenlang spazieren, ich habe alles,wirklich alles versucht. Ich hab mit ihm stundenlang gekuschelt,ihn liebkost,ihm gesagt wie sehr ich ihn liebe. Und ich habe ihn auf den Knien angefleht mit dem Schreien aufzuhören…ich habe geweint, jeden Tag, jede Nacht, ich hatte Gedanken die ich keiner Mutter wünsche, ich hatte einen Nervenzusammenbruch und nichts ging mehr. Er ist bis heute ein High Need Baby. Und jeder der nie in dieser Situation war kann nicht verstehen und wissen wie es einem geht. Jeden Tag stellt man sich die Frage was man falsch macht, kämpft mit seinen eigenen Dämonen, hat Angst vor dem Tag und ob man ihn schaffen kann,zweifelt an sich und an seinen Qualitäten als Mutter. Man traut sich nicht mehr in die Öffentlichkeit wegen der Blicke die auf einem haften. Man schämt sich,ist verzweifelt und unglaublich traurig. Auch jetzt wenn ich darüber schreibe macht es mich unglaublich traurig und ich kann meine Tränen nicht zurückhalten. Und auch ich habe mein Baby ignoriert. Ich hab ihn schreien lassen, ich hab ihn und das schreien ausgeblendet um nicht wahnsinnig zu werden. Um kurz zu Kräften zu kommen. Für ihn,für meinen anderen Sohn und mich. Und ja klar kann man sich Unterstützung holen. Was ist mit den Großeltern oder Freunden? Die leben in einem anderen Bundesland. Und wer nimmt einen ein Schreibaby ab? Leider niemand. Mein „Großer“ wurde mir gelegentlich abgenommen….der war ja „pflegeleicht“. Und auch mein Mann konnte mich kaum unterstützen. Erstens aus beruflichen Gründen und Zweitens weil sich der Kleine nur von mir nehmen ließ. Was sich übrigens bis heute nicht geändert hat. Bitte versteh mich nicht falsch, auch mir tut es weh ein Baby schreien zu sehen und auch ich tue mir schwer Verständnis dafür aufzubringen wenn ein Baby schreit und die Mutter nichts dagegen unternimmt. Aber ich kenne die andere Seite nur zu gut und vielleicht kannst du es von dieser Seite sehen um zu verstehen warum manche Frauen so handeln. Unsere Schreien hat übrigens bis zum 10 LM angehalten. Diese Zeit sollte die schönste sein im Leben einer Mutter und für uns wurde sie zur persönlichen Hölle. Ich hoffe ich kann irgendwann auf diese Zeit zurückblicken und weniger Schmerz und Traurigkeit spüren. Und ich hoffe dass ich mich nicht erwische Andere zu verurteilen….hin und wieder hätte ich mich so sehr gewünscht,dass Jemand auf mich zugekommen wäre. Vermutlich mit der Absicht mich zurecht zu weisen und mir zu sagen dass ich mein Baby nicht ignorieren soll. Ich schwöre dir,ich wäre in Tränen ausgebrochen. Das ist besser als diese strafenden Blicke,Schuldgefühle die damit ausgelöst werden und der damit verbundene Selbstzweifel. Ich kenne die Beweggründe dieser Mutter nicht. Vielleicht war es ihr egal dass ihr Baby schreit,vielleicht war sie aber einfach auch nur am Ende ihrer Kräfte.
    Alles Liebe

    • Reply
      Jeannine
      4. September 2016 at 21:39

      Liebe Natalie, vielen Dank für deinen so ehrlichen und persönlichen Kommentar. Es tut mir so leid zu lesen, dass die ersten Monate mit deinem zweiten Sohn so eine riesengroße Belastung für dich waren. Du hast vollkommen recht, ich denke, niemand, der so etwas nicht selbst erlebt hat, kann das auch nur im Geringsten nachempfinden. Genau deshalb, weil man eben nie genau wissen kann, was gerade los ist, ist es so ungemein wichtig, andere Mütter – oder Eltern – nicht zu verurteilen. Wir kennen die Situation nicht, in der sich der Elternteil befindet; wissen nicht über die Hintergründe Bescheid. Vielleicht war die Mama am Ende ihrer Kräfte – es war mir sehr wichtig, das im Artikel einzuräumen – leider wirkte es nicht so. Das war auch der Grund, warum das Beobachtete sich so in meine Gedanken eingebrannt hat. Ich kann nur beginnen, mir vorzustellen, wie schwer es für dich gewesen sein muss, irgendwann anzunehmen, dass die Dinge nunmal so sind, wie sie sind und dass es nicht in deiner Macht ist, irgendetwas am Schreien des Kleinen zu ändern. Ich verneige mich vor deiner Stärke und finde es inspirierend, wie offen du darüber schreiben kannst. Das Ganze ist ja noch nicht mal so lange her. Ich hoffe sehr, dass du das meiste der negativen Erlebnisse bald hinter dir lassen kannst und wünsch dir und deinen Kindern dafür viel Kraft. Danke dir nochmals für deinen offenen Kommentar und dass du dir die Zeit genommen hast, ihn hier zu hinterlassen.

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